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, er kam, und hegte den Wunsch, dass ich schwimmen lernen möchte: es gefiel mir, und er überzeugte mich, dass alle Menschen schwimmen könnten, sobald ihre Furcht überwunden sei. Ich fasste also auch Mut, und da ich beinahe jeden Abend an warmen Tagen Unterricht bekam, so erhielt ich auch bald das zeugnis, eine Meisterin zu werden. Auf diese Weise waren die Abende schön, aber die Tage nicht so, denn Wattines suchte Bienen und Ton, da musste ich lernen allein sein, indem es nicht möglich war, meinen Mann zu begleiten. Er ging mit Aufgang der Sonne weg, und kam nur spät wieder, und da er eine Art matematischer Beobachtungen mit diesem Bienensuchen verbinden musste, wollte er auch ungestört seine ganze Aufmerksamkeit dazu verwenden, indem er diese Art zu verfahren nie gesehen, also nur nach der Beschreibung einen Versuch machte.

Dieser teil von Emiliens Erzählung war mir so wert geworden, dass ich diesen Bienenfang zu kennen wünschte, ob wir es schon in unserm Europa nicht nötig haben, so dünkt es mich den guten Menschen schätzbar zu wissen, wie andre weniger glückliche Schwierigkeiten überwinden, etwas zu erhalten, was er so leicht und so nahe hat; wie die Bewohner des Fürstentums Zelle ihren Bienenstadt auf der Lüneburger Heide. Ein amerikanischer Landmann lehrte Wattines Waldbienen suchen; dazu gehörte ein Gläschen Honig, ein Compass, Feuerzeug, einige platte Steine, gelbes Wachs und Carmin, nebst einem Stock mit etwas schwerem Knopfe von Eisen oder Metall. Mit diesen Werkzeugen gerüstet, und eine gute Flinte dabei, geht man in den teil des Waldes, welcher am weitesten von Dörfern entfernt ist, sucht nach den grossen Bäumen, klopft mit dem Stockknopf an die obern Teile, und starke Aeste des Baumes, und horcht ob sie nicht hohl lauten. Sobald man vermutet, dass irgendwo Bienen sind, so macht man auf einem der platten Steine ein kleines Feuer, in welchem man etwas Wachs schmelzen lässt, auf einem andern dieser Steine, lässt man einige Tropfen Honig fallen, und streut rings um diese von dem Carmin. Sobald nun die Bienen den Wachsgeruch bemerken, fühlen sie auch durch Instinkt, dass Honig dabei ist, und fliegen zu. Die, welche von dem Honig kosten, färben sich an dem Carmin rot, und da sie ihre gefundene Beute sogleich nach ihren Zellen tragen, kommen sie mit mehreren ihrer Freundinnen zurück. Der Jäger kennt die ersten an dem rot gefärbten Kleide, und da er mit seinem Compas die Richtung ihres Fluges, und an seiner Uhr die Zeit beobachtet, welche sie zum Hin- und Herfliegen nötig hatten, indem diese Tierchen immer den geraden Weg nehmen, so folgt er ihnen nach, und betrachtet im Gehen jeden Baum; denn da der Wachsgeruch alle Bienen-Familien reitzt, so ist auch leicht die Unruhe bei ihren Wohnungen zu bemerken, mit welcher sie nach Raub fliegen. Nun werden die Bäume und der Weg zu ihnen bezeichnet, die hohlen Aeste sorgsam abgenommen, und bei den Bauerhöfen in Sicherheit gestellt; wodurch sie ihre Bienenzucht anlegen.

Meine Freunde können sich nicht vorstellen, mit welchem Vergnügen ich von dieser Bienenjagd sprechen hörte, und wie eifrig ich mich verband, mit auszugehen. Indessen sagte die Fortsetzung von Emiliens geschichte sehr artig:

Wattines und ich waren da sehr verschieden beschäftigt. Er bahnte sich einen Weg durch verwachsene Gebüsche, um bald zu Bäumen vorzudringen, wo er Bienen zu finden hoffte, und ich kämpfte zu haus mit meiner Angst allein zu sein, und mit meiner sorge um ihn. Ich musste also in meinem geist eben soviel Vorurteil und weibliche Schwäche auf die Seite räumen, als Wattines verwirrte Gesträuche im wald. Es glückte uns beiden. Er fand Honig, und ich, ruhiges Vertrauen auf den Himmel und die natur. Heute noch achte ich die Stunde als eine der glücklichsten meines Lebens auf der Insel, in welcher ich nach überwundenen Tränen und schmerzvoller Erinnerungen mir sagte:

Ach! wenn ich mein Nachdenken immer an die Bilder dessen verwenden will, was ich in Europa war, hatte und genoss, so vermehre ich das kummervolle Gefühl des Mangels, und verschwende meine Kräfte im Streiten gegen Wolken und Unmöglichkeit. Gott hat zugelassen, dass mein Verhängniss mich hieher führte. Er sah, wie ich in glücklichen Tagen ihm nach der Anleitung der besten Mutter für alles Gute, und auch für die Fähigkeit es zu geniessen dankte: ich will nun hier biegsam unter seiner mich prüfenden Hand das Gute aufsuchen, welches diese Insel von ihm erhielt, und mir darbietet. Ich will die Lehren der heiligen Religion ausüben, will ihm eine folgsame Schülerin des christentum in mir zeigen, will seinen Schutz und seine Fürsorge, neben der Beruhigung meines Geistes dadurch verdienen, und meine erhaltene Erziehung, nebst der Aufmerksamkeit, welche ich immer auf alles hatte, dazu anwenden, alle Verstandes- und Leibeskräfte mit europäischer Geschicklichkeit vereint, aufzubieten, unser beschwerliches Leben zu erleichtern und angenehm zu machen.

O wie süss, wie erquickend waren die Gefühle meines Herzens, als ich nach diesem Selbstgespräche aus unserer Hütte heraustrat, und mir laut sagte: Gott! der Allgegenwärtige, sieht mich in der einsamen Hütte, und hier auf dem einsamen feld. Nach diesem Gedanken ging ich den Abend mutig den Weg hin, meinen Wattines entgegen, welchen ich nahe an dem Ende seiner umgearbeiteten Felder, voll Freude mit einem Stück Wachswawe in der Hand antraf. Wir vereinten unsre Tränen des Danks. Ich erzählte ihm