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unsere wohnung, speisen und Geräte, als nach Gottes Willen verordnete Verschiedenheit angesehen hätten, und ich überzeugt wäre, meine Milchschwester Trinette und ihr Mann würden uns bedauern, und gerne arbeiten helfen. Wattines sagte: er sei auch davon versichert, und setzte hinzu: Gott gebe uns nur, was der Pächter sich als das beste wünscht, G e s u n d h e i t , und mir, sagte ich: erfülle er den schönen Traum von Philemon und Baucis. So floss uns dieser Tag zu Ende: wir gewöhnten uns an frühes Schlafengehen und Aufstehen.

Die Obstbäume mussten in die Erde, alles was zu pflanzen war, besorgte der liebe gute Mann so eifrig, so gut, wie es heute noch zu sehen ist. Er suchte auch wild auf, aber ich liebte es nicht, wenn er auf der Seite gegen die Indier jagte, weil ich besorgte, es möchte sie reizen zu uns herüber zu kommen. Die Einteilung unserer Arbeit schaffte uns Zeit, alle Tage einen andern teil unserer Insel zu besuchen, und bald kamen wir unvermerkt an eine, etwas mehr als alle andre, erhöhte Stelle, von welcher noch nicht lange ein teil in den See gesunken zu sein schien, weil das abgebrochene Stück noch gar nicht bewachsen, und auch nicht von Schlamm bedeckt war, aber eine grosse Menge weisse und schwarze süsse Wassermuscheln aufgehäuft da lagen. Während mein nachdenkender Wattines welche auffasste und losbrach, sie betrachtete und nachsann, wie diese Menge ausgewachsener lehrer Muscheln hieher gekommen sein möchten, da bemerkte ich glücklicher Weise, dass das wasser kleiner Wellen, welche eine leichte Bewegung des See's anspülen machte, bei dem Zurückweichen über die Müschelchen herunter träufelte, und in diesem Moment kleine niedliche Cascaden bildeten, die ich mit dem grössten Vergnügen betrachtete, aber wenige Minuten nachher sagte: ach warum haben wir keinen solchen Grund bei Erbauung unserer Hütte getroffen? der Regen, welcher an dem Fuss der Balken anschlägt, würde schneller abgelaufen sein, und unsere wohnung mehr Schutz gegen die Feuchtigkeit der Herbsttage haben.

Wattines gab mir Recht, setzte aber hinzu, die Sache könnte noch gut werden, wenn er so glücklich wäre, etwas Ton zu finden, so wollte er davon eine zwei Schuh hohe schräge Einfassung um die Hütte machen, und diese mit Stücken dieser Muschelerde bedecken, wodurch ein doppelter Vorteil entstehen würde, weil Ton kein wasser durchlasse, und die schiefe Lage der mit Muscheln besetzten Lambris den schnellen Abfluss des Regens befördern würde. – O, sagte ich lebhaft, mein lieber! diese Muschelarbeit will ich machen, wie ich in Flandern die Wände einer kleinen Gartenhöhle besetzt sah; möchtest du nur Ton genug finden, dann will ich unserm haus eine schöne Lambris geben. Meines guten Carls Auge ruhte, während ich sprach, mit der zärtlichsten Liebe auf meinen Zügen. Er lobte mein Gedächtniss, und nannte meine Aufmerksamkeit auf die Arbeit in dieser Grotte, einen G e i s t d e r A h n d u n g , der mich so lange voraus, so vieles bemerken machte, das mir nun in unserer Einsiedelei dienen könnte. – Die Vandek vereinten hier ihre Betrachtungen über den Zufall und die Verdienste der Aufmerksamkeit, welche mit den Bedürfnissen des Lebens verbunden, alle Künste und Entdeckungen erzeugten. Wenige Tage nach diesem, fuhr Emilie fort, als ich wirklich nach Wattines Anweisung allerlei Saamen in die von ihm bereiteten Felder eingestreuet hatte, welche er mit dem Rechen zudeckte, und ich zusah, erinnerte ich mich an den schönen Wunsch des englischen Dichters Tomson, den ich nur noch in der Uebersetzung kannte, aber meine ganze Seele betete mit ihm, wie ehemals für die Feldarbeit unserer Pächter.

'Himmel, sei gnädig! denn jetzt hat der Mann, der zu der Arbeit gewöhnt ist, seine Pflichten getan. Haucht pflegende Lüfte! steigt nieder nährende Tropfen des Taues, ihr gelinden Güsse des Regens! Mildre du alles, du diese Welt belebende Sonne, zum vollkommen Jahre!' – Wattines näherte sich mir in diesem Augenblicke, er hatte bemerkt, dass ich gerührt ihm nachsah, bis an das Ende des Feldes. Er umarmte mich und sagte: Nun haben wir der Erde die Hoffnung einer Erndte vertraut, für welche Gott sorgen wird. Heiter, um das Aussehen meines Tiefsinns zu zerstreuen, setzte er hinzu: wir wollen heute noch etwas tun, und einen Platz zum Fischen suchen, vielleicht können wir dann mehrere fangen, und für den Winter auftrocknen. Dieser Platz war nicht schwer zu finden, und neben diesem entdeckte Wattines eine Stelle zum Baden, welche durch eine Art Sanddüne von dem Fischplatz abgesondert war. Die erste Stunde fing er schon Fische, und versuchte zu baden, wozu er mich auch ermunterte, indem es gut sein würde, durch das von der Sonne erwärmte wasser den Staub abzuwaschen, welchen wir bei dem Säen und Einrechen des Saamens gesammelt hätten. Ich folgte ihm, und fand in Wahrheit ein grosses Vergnügen bei dem Herumplätschern in der kleinen Bucht des Cristal klaren See's und so reinen Sandes: Wattines machte sich weiter, bis er wasser genug zum Schwimmen bekam, wo er sich dann hin und her wand, bei meinem Rufen zurück zu kommen, mich neckte und zu sich bat. Ich wagte so weit ich gehen konnte, mich ihm zu nähern, doch als das wasser bis an meine arme kam, dünkte es mich, empor gehoben zu werden, ich rufte Wattines zu hülfe