, um sie am Fortfliegen zu hindern, und nun liessen wir sie auf ihrem angewiesenen Spatziergange laufen. Wattines bat mich, zu beobachten, ob sie nicht irgend in der Einzäunung durchzukommen suchten; er wolle nur noch ein wenig auf sein Feld gehen. Meine erste Bemerkung, dass er schon früh eine andre Arbeit, als den Hühnerhof vorhatte, und dieser Austrag, machten mich den Schauder überwinden, der mir bei dem Gedanken ankam, dass ich nun ganz allein in der Hütte sein, und selbst Wattines nicht sehen und hören würde. Er eilte mir nach in die Hütte, wo ich meine Bewegung verbergen wollte, er aber seinen Spaten und Rechen holte, liebevoll zu mir an den Herd kam und fragte, was ich kochte? ich den Topf aufdeckte und traurig sagte:
Carl! nur eine Speise – und einen Kuss, antwortete er, mich innig an seine Brust schliessend und forteilend. Ich sah ihm nach, bis er zwischen den Bäumen weg war, da fiel ich auf meine Knie, weinte, konnte nichts anders zu Gott sagen, als: O, Ewiger! erhalte ihn, und stärke mich.
Diese wenigen Worte wurden gesegnet, denn ich fühlte mich durch diese Gedanken gestärkt und selbst ermuntert: ich nahm mir vor, den Topf mit den gar gekochten Tauben in ein Tuch zu binden, auf den umgewandten Deckel einen Teller, das Messerzeug und Brod zu legen, in die andre Hand aber die noch übrige Flasche Sprossbier zu nehmen, und so mit einem Strohhut auf dem kopf, wie eine gute Landfrau ihrem mann das Essen auf den Acker zu bringen. Ich gewann dabei eine doppelte Freude; denn schon der Entwurf verscheuchte meine Furcht des Alleinseins, und jeder Schritt näherte mich meinem mann. O, wie war der gute Wattines gerührt und erstaunt, wie warf er den Spaten von sich, mir entgegen zu eilen, wie träufelten Tränen der Freude über meine Heiterkeit von seinen Wangen. Emilie! Engel Emilie! rief er, o wie edel verschönerst du mein Leben, wie rührst, wie lohnst du mich!
Er war sehr rot und erhitzt, und bekannte, dass er mich ängstlich dachte, deswegen um so eifriger arbeitete, weil das Feld morgen angesäet werden müsse, und er mich nicht länger allein lassen wollte, als bis die die Stunde des Mittagsessens gekommen sein würde. Wir assen sehr vergnügt unter den Bäumen, auf der Stelle, wo Wattines nachher die Mosbank errichtete, und die schönen Gichtrosen dabei pflanzte, weil er wusste, dass ich sie liebe. – Als er sich wieder nach seiner Arbeit umsah, wollte ich meinen Mut auf die probe stellen und sagte, dass ich unterdessen unser Ess- und Trinkgefässe nach haus tragen und reine machen wollte. Mein Carl lächelte mit trauervoller Zärtlichkeit mich an, und ich erinnerte mich glücklicher Weise an ein kleines Duett, aus der Operette: Suson et Colin, und fing an es zu singen. Er antwortete mir, und ich eilte weg, weil mich seine stimme etwas zitternd dünkte: auch als ich um den Busch unserer schönen Magnolia herum war, und über das untre Gesträuch nach ihm hinsah, erblickte ich ihn, seine arme über der Brust gekreutzt, den Spaten an sich drükkend, Kopf und Augen zum Himmel erhoben. Er betete. Innig vereinte sich mein Herz mit ihm, und mit desto weniger Furcht setzte ich meinen Weg fort, dachte auch da an Trinette, die oft in der Nacht allein eine halbe Stunde weges nach haus gehen musste, und bat Gott, da er das Schicksal meines Lebens, zu den Beruf einer Bäurin geführt habe, mir auch alle Tugenden dieses Standes zu geben; wie ich ihn ehemals eben so aufrichtig um die Gabe der Verdienste meiner Geburt und meiner Aussichten gebeten hätte. Ich räumte unsere Hütte sehr nett auf, wie ich es auf unserer Reise nach der Insel, in englischen kleinen Pachtäusern gesehen hatte, suchte Waldblumen, setzte sie in einem unserer kleinen, aber neu noch recht hübschen Koch-Töpfen auf den Tisch, und kam dann zu Wattines zurück. Dieser wurde mit seiner Tagarbeit bald fertig: es war noch sehr hell, und Wattines wollte einen andern Weg zu der Hütte zurück nehmen. Er hatte sein grosses Gartenmesser und eine Hacke bei sich hatte, um niedres Gesträuch abzuschneiden, und an Bäumen einen Span einzuhauen, um unsern Weg zu zeichnen, und wieder zu erkennen. Wir fanden eine Menge Tymian und blühendes Heidekraut, welches uns Hoffnung gab, ganz gewiss auch Bienen zu finden, welche Wattines aufsuchen wollte, sobald sein ganzes Feld bestellt sein würde. Ich suchte nach wildem Sauerampfer, und traf welchen. Mein Mann schnitt davon und zeichnete die Stellen durch Niederbiegen der umherstehenden Pflanzen. Sauerling oder Epine vinette fand sich in Menge, nebst Erdbeeren, so uns beide freueten; denn die ersten konnten kühlendes Getränke geben, und die zweiten uns in Sommertagen erquicken. Wir kehrten von diesem Besuche unserer Insel vergnügt zurück, assen unsere kalten Fische, und mit sparsamen Bissen von unserer gesalznen Butter. – Wattines sagte: ich wünschte wohl zu wissen, ob sich einer unserer Pächter in Europa und seine Frau jemals einen so deutlichen Begriff von unserm Wohlstande machten, als wir uns jetzt ihre Gefühle bei Arbeit und Entbehren vorzustellen gelernt haben. Ich wollte weder für mich, noch Wattines, bei der traurigen Seite dieser Betrachtung verweilen, sondern antwortete: dass die Pächter meiner Eltern oft mit eben der Ergebung, welche wir jetzt übten,