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zurück, selbst die Schue, indem wir von niemand gesehen, uns gewöhnten nur ein Stück Leder um unsere Füsse zu binden. Mir als Officier, war in Vergleich eines Zeltes, mein Loghouse ein Pallast, und wenig Hausgeräte war mir auch genug: wir mussten wohl genügsam sein, da wir erst gegen Ende des vierten Jahres, durch den Entwurf des Anbaues einer Stadt, wieder Umgang mit Menschen und wieder hülfe nebst Darreichung ehemals gewohnten Genusses erhalten haben." Dieser Auszug von Wattines geschichte und Denkart, machte mich nun begierig auf die in der nehmlichen Zeit bei seiner Frau erschienenen Aeusserungen, nachdem die Fischer abgereist, und die zwei Unglücklichen ganz allein waren. Mir graute vor den Moment ihrer gänzlichen Abgeschiedenheit von allen andern Menschen, und durchblätterte die Noten der Frau Vandek mit erneuetem Eifer, und Aufmerksamkeit; da fand ich zu meiner Freude Emilien über den ersten einsamen Abend redend.

"Wattines führte mich auf den teil der Insel, der nicht weit von unserer Hütte an das Ufer des See's leitet, und zugleich zwischen den Bäumen hin einen grossen Waldplatz neben unsern Feldern zeigt, von welchem er mir erst, da wir auf dem vesten land mit Ihnen lebten, sagte, dass er ihn oft mit sorge betrachtet habe, weil es bei dem üppigen Wuchse aller Bäume und Gesträuche der Insel nicht natürlich war, dass die natur eine solche grosse Stelle ohne grosse Gewächse gelassen habe; sondern er war überzeugt, dass ehemals die Indier hier Feste hielten, oder bei ihren Jagden auf der Insel öfters Feuer da hatten und Strauchwurzeln nebst Bäumen ausgerottet wurden. Da die Fischer uns beruhigten, sagte er mir nichts von seinen Vermutungen über diesen mir so schön dünkenden Wiesengrund. Mein Herz dankt ihm heute noch dafür; denn was würde mein Leben geworden sein, wenn ich den schönen Rasen mit dieser Vorstellung und dem Gedanken betrachtet hätte: die Wilden können wiederkommen.

O, wie gütig ist die Vorsicht, wie sehr sind es die Menschen, welche uns traurige Aussichten decken! Ich ging über dieses feine Gras sehr vergnügt an Wattines Seite nach der schönen Aussicht hin, wo er mich die ganze, von der Abendsonne beleuchtete Gegend, betrachten machte, mich dann umarmte, und nachdem er seine schönen Augen mit einem flehenden Blicke zum Himmel erhoben hatte, sagte er feierlich:

Emilie! nun sind wir hier auf diesem fernen teil von unsers Gottes Erde ganz allein, aber weit von den Barbaren, die uns unschuldige Nachkömmlinge unserer von ihren Vorfahren verehrten Eltern, dem tod und der Armut weihten: hier von Einsamkeit, Ruhe und Bäumen umgeben, weit von Unrecht und Bosheit, die unsere Verwandten mordete, und uns beraubte. Von schöner, fruchtbarer Erde aufgenommen, leben wir hier allein vor Gottes Augen, seinen Himmel über uns, mit deiner Tugend und unserer Liebe. – Emilie! erinnerst du dich noch, mit welchem Vergnügen du die Versicherung hörtest, meine erste Liebe zu sein, und wie entzückt ich war, dass noch kein anderer Mann jemals den geringsten Anteil an dein Herz erhalten hatte: und unser guter Vetter, welcher noch glücklich vor der Revoluzion starb, bei dem Feste unserer Verlobung, auf dem Landgute deines Vaters, uns das s c h ö n e B i l d d e r L i e b e von St. Pierres Feder zueignete?

kennen Sie es? fragte Emilie Frau Vandek, als diese mit nein antwortete, sagte Emilie mit Erröten; O lassen Sie mich dieses schöne Stück von einem Lieblings-Schriftsteller meines Wattines Ihnen vorlesen, weil, dem Schicksal sei Dank, noch jede Zeile Wahrheit für uns ist. –

St. Pierre: 'In dem Alter der Liebe entwickeln sich alle edle Gefühle, Unschuld, Aufrichtigkeit, Grossmut, Sittsamkeit, Heldenmut und Frömmigkeit, zeigen sich in unauslöschlicher Anmut in der Stellung und den Zügen zweier jungen Liebenden; denn die Liebe nimmt in ihren Seelen den charakter der Tugend und Religion an. Sie fliehen die lärmende Gesellschaft der Städte, und suchen auf einer einsamen Stelle des Feldes einen ländlichen Altar, um sich ewige Liebe zu schwören. Wasserquellen, der Aufgang der Sonne, der gestirnte Himmel hören ihre Gelübde. Oft sehen sie sich für göttliche Wesen an, das Gras, worauf sie treten, die Luft, welche sie atmen, die Schatten, unter welchen sie ruhen, dünken sie durch ihre Gegenwart geheiligt. – Sie sehen in der ganzen Welt kein grösseres Glück, als mit einander zu leben und zu sterben; werden sie getrennt, so können weder die Hoffnungen des Reichtums, noch Freundschaft sie trösten. Sie haben Seligkeit kennen lernen, und schmachten nun auf der Erde, schliessen sich aus Verzweiflung in Klöster, um von Gott die Hoffnung der Wiedervereinigung zu erbitten.'

Emilie! setzte er hinzu, wir leben, wir sind vereint, wir wellen mit vereintem geist und Herzen ihn wahr machen, den schönen Traum alter und neuer Dichter: glücklich zu sein, in Einsamkeit durch Liebe. Er umarmte mich dann und sagte zärtlich: ich will arbeiten, das Feld umgraben, du, indem er meine rechte Hand fasste, wirst mit dieser Hand, die das Glück meines Herzens versicherte, den Saamen einstreuen, Engel und Heilige werden es sehen, und Gott mit uns um Gedeihen bitten. Ich drückte seine Hand gerührt an meine Brust, und sah wirklich mit innerm Gebete nach Gott in die Höhe. Wattines sprach fort: ich will nun unsere Hütte ordentlich ausbauen, Fische zu fangen