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Boden eine sanfte Erhöhung hatte. Wir arbeiteten vereint an ihrem Baue; es geht auch mit Errichtung dieser Häuser, wie Sie bei den Colonisten sehen, sehr schnell. Emilie war es, welche bat, die zwei Accacien-Bäume neben dem Eingange der Hütte stehen zu lassen, indem sie mir zugleich liebreich sagte: diese Bäume machen unsere wohnung zum Sinnbilde des Tempels von Philemon und Baucis.

In diesem Moment wurde sie für das süsse Vergnügen belohnt, welches diese schöne idee mir gegeben hatte; denn die Fischer stellten einen Korb mit Hühnern neben ihr nieder. Ihr Entzücken über diese unverhoffte Freude durchdrang mein Herz. Die Erbin einer herrschaft hatte nun kein Eigentum mehr, als einen Hühnerkorb, welchen ein guter alter Quaker ihr zum Hausgeschenk in die Einöde bestimmte. Die Fischer sagten, er hätte auch zwei Ziegen geschickt, aber die trächtige sei gestorben, weil sie übertrieben wurde. Emilie wurde bis zu Tränen gerührt, sah gegen Himmel, und rief mit dem Anedrucke des innigsten Schmerzes:

Auch hier noch Verlust! lehnte sich auf meinen Arm, ich umfasste sie mit einem unaussprechlichem Gefühl inneren Jammers, sie sah ihn über meine Züge verbreitet, küsste mich lächelnd, und sagte: sei ruhig, Carl! wir haben Eier, da kann ich lait de Poule1 machen; aber es war schön von dem guten Vater John, dass er seine Kinder mit Milch und Eier versorgen wollte. Nun gab sie den Hühnern Brod von unserm Vorrate, streichelte sie, küsste sie, legte gebratene Fische, welche in einem Napf lagen, auf einen Balken, um an die See zu laufen, und wasser für ihre Hühner zu holen. Ich segnete den Quaker für diese Freude des besten, edelsten Geschöpfs, aber der Verlust der Ziege quälte mich, weil Emilie so gerne Milch ass; es war mir trauriger, als die Einsamkeit. Denken Sie, wie tief Emiliens Ausruf, a u c h h i e r n o c h V e r l u s t ! meine Seele erschütterte. Ich sah auch um mich, und dachte empört: auch hier noch Schläge des Schicksals! Warum? fragte ein erbitterter blick, den über mir fliessenden Himmel. Sie haben gewiss mit achtung bemerkt, wie schnell Emilie ihre Trauer-Gefühle überwand, aber dieses schärfte nun die, welche mein Herz durchschnitten. Ich hatte eifrig an dem Bau meiner Hütte geholfen, eilte aber zu Emilien, nahm ihre Hand, und beschwor sie, mir zu sagen, ob sie nicht lieber zurück wollte, da wir einen so schlimmen Anfang unsers Verhängnisses gesehen hätten.

Nein Carl! sagte sie schnell, nein, wir bleiben, Gott wird für uns sorgen, und auf die vor uns liegenden Kisten und Fässchen blickend, setzte sie hinzu: Sieh, wie reich wir sind! und auf die prächtigen Bäume deutend, wie schön ist die natur. Wir wollen bleiben. Wir sind uns genug. Nun war sie heiter, ordnete unser weniges Küchengerät zusammen, ich half das Haus beendigen, das am zweiten Morgen bis zu der Decke fertig war. Die Fischer hatten zwei Bären- und einige Bieberfelle mitgebracht, um darauf zu schlafen, ein kleines Segel wurde an zwei Stöcken aufgehängt, um Emilien und mich wie mit einem Zelte zu decken. Schönere Witterung sah ich nie: bessere Menschen als unsere Fischer auch nicht. Den andern Tag halfen zwei Männer meine Türen und Fensterladen im Rauhen machen, zwei andre fällten Bäume, nahe bei einer Art Wiese, um den Platz zu Feldern etwas zu vergrössern; sie lehrten mich vieles von ihren Handvorteilen. Zwei von ihnen gingen den Abend bei schönem Mondschein mit einem Kahn zurück, die zwei andern lehrten mich die Lücken zwischen den Balken mit Moos ausstopfen, und die Wände im Winter mit Bieberfellen verwahren. Da mein Dach gut gedeckt war, verschob ich die bessere Arbeit für das Innere, auf die Regentage für mich. Emilie raufte alle Tage Moos, und breitete es zum Trocknen auf einen leeren platz in die Sonne. Wir fragten die Leute nach den Indianern, die jenseits des See's wohnten, und hörten, dass wir nichts von ihnen zu befürchten hätten, da sie wenig an Zahl, und ein sehr gutes Volk wären, das sein Wort immer heilig halte, und nie ein abgegebenes Land beträten. Ich fand dieses auch ganz war, denn nie habe ich einen auf der Insel gesehen, aber was uns unendlich schmerzte, auch nie mehr einen von unsern Fischern, nie bekamen wir Nachricht von unserm Vater John, als von Hrn. Vandek die von seinem tod, den wir herzlich beweinten, und nur hofften, dass er durch unsre Fuhrleute und die Fischer, die zwei kleinen Briefe erhielt, welche wir ihm schrieben. Den letzten halben Tag halfen mir die zwei guten Fischer noch mein erstes Feld ein wenig umgraben, und versprachen heilig das kommende Jahr uns zu besuchen, und neuen Vorrat Oehl, Salz und geräuchert Fleisch zu bringen, weil ich bis zu meiner eignen Erndte, Bohnen, Mais und Buchweizen genug hätte. Das Ordnen dieses Vorrats in Kisten, in welchen unsere Habe von Philadelphia kam, das Aufstellen der Bücher und des Arbeitzeugs; Emiliens Säubern und Ordnen des blechernen und eisernen Küchen-Gerätes, erfüllte die ersten Tage, nachdem uns die Fischer verlassen hatten. Wir verbargen unter unsere Schlafstätte das Wenige, so wir noch an Kostbarkeiten und letztes Hülfsmittel für künftige zeiten aufhoben, legten das wenige Gute von Weisszeug und Kleidungsstücken auch