gern in der Einsamkeit, weil sie wissen, dass man in Amerika arbeitsame und geschickte Weiber sucht, und was würdest du mit einer trägen Gehülfin machen? Eine treue Mutter würde beängstigt sein, was aus ihren Kindern werden solle. Hier schwieg er, und sah auf Emilien, welche schnell antwortete:
Nein Vater, ich will keine Seele mit Sorgen beladen, und an deinen Segen glauben, dass Gott für uns sorgen wird. –
Wir schieden von diesem mann wie von einem Vater, und er weinte mit uns. – Ach, wie leicht war mir, als Emilie unterwegs versicherte, sie würde mit mir allein viel ruhiger und zufriedner sein, als bei dem Gedanken, dass ein andres Wesen aus Not in unser Schicksal verwickelt würde, welches vielleicht die Einsamkeit nicht tragen, oder unsere Lebensweise nicht lieben würde. Doch zitterte ich oft wenn wir bei einzelnen kleinen Anlagen vorbei kamen, wo mehrere Leute arbeiteten, und Emilie nachdenkend hinblickte. Die idee, ach vielleicht fühlt sie nun, dass wir nicht so glücklich sein werden, Menschen um uns zu haben, und verbirgt ihre Unruhe vor mir, wie ich mein Entzücken über die unbewohnten Ebenen, Wälder und unbeschifften Flüsse. Ich webte in unsere Entwürfe oft den Gedanken: Es freue mich eine probe der gänzlichen Einsamkeit zu machen, die Zeit gehe schnell, und die Fischer, welche uns nach der Insel führten, würden uns besuchen, und könnten uns wieder zurück nehmen. Unter dem Ausbruche des Entusiasmus für Grösse und Schönheit der natur, machte ich die holde Emilie aufmerksam auf die Scenen, an welchen wir vorüber kamen, wenn hier und da ein blick von ihr in das Dunkle dichter Wälder hinschauderte, und das Aufbrechen und Fliehen wilder Tiere Emilien erschütterten, und den Gedanken in mir rege machten: wohin führst du sie? so nahm ich meine Zuflucht zu ihrer innigen Liebe für mich, und zu ihrer Religion, drückte sie an mich und sagte:
Emilie! wie prachtvoll, stark und innig verbunden ist alles, wie es aus der Hand Gottes kam, wenn Menschen noch nichts verdorben haben! Ach, da freuete sie sich der ungeheuren Wälder der Gegend am Ontaria, der Wasserfälle in den Strömen, und lächelte, wenn der Knall der Peitschen unserer Fuhrleute die Indischen Hühner scheu und von den Bäumen abflattern machten: die grossen Flüge der Zugtauben ergötzten sie. – Endlich waren wir bei den Fischern und ihren Hütten. Es schauderte mir in meiner Seele, aber ich wollte nicht zurück, Emilie bebte, bei dem Erheben der Blicke über den See hin, nach der Insel. Ich fasste mich, umarmte sie und sagte: Gott sei Dank, wir sind gesund hier, und die Sonne unsers Schöpfers beleuchtet den uns bestimmten Wohnplatz recht freundlich. Mit sanfter Freude sagte sie: Es ist ja auch unsers Gottes Erde, wie die Gegenden, wo wir bisher lebten. Die Fischer waren äusserst rechschafne Leute, bei denen wir den ersten Abend blieben, den andern Morgen waren bei unserm Erwachen unsere Fuhrleute schon weg, und ein teil unserer Habe auch schon nach der Insel abgefahren. Wir assen Mittags noch von ihren guten Fischen, und wurden dann auch gelandet. – Aber den ersten Moment kann ich nicht beschreiben. Ich weiss es nicht, ich hob Emilien aus dem Kahne. Sie, die mich auf der Reise nach Amerika und auf der nach dem See Oneida leicht wie ein Vogel dünkte, schien mir wie Himmel und Erde auf mir zu wägen, beinahe taumelte ich, Emilie bemerkte es, und bewundern Sie, mein Freund! die Gegenwart ihres Geistes und ihrer Liebe, indem sie ausrief: Carl, hab sorge! oder willst du Besitz nehmen, wie Cäsar von Brittanien. Diess weckte meinen Mut. Ich stellte sie nieder, blickte sie und den Himmel an, konnte aber nicht reden. Sie fasste meine Hand, und folgte mit ihrem Auge meinen Blicken, sagte dann: du betetest diesen Moment für mich, Gott erhöre dich, und segne uns beide. Ich drückte sie an meine Brust, sie küsste mich und sagte mit unaussprechlicher Sanftmut: Carl! lächle mich an, alles lächelt auf diesem platz; indem sie mit Heiterkeit und der ihr eigenen Grazie sich überall umsah.
Der Landungsplatz war in der Tat schön, aber ich sah und fühlte es nicht sobald, als der holde Engel, welcher mich durch Gottes Fügung begleitete. Nun hatten die vier Fischer beinahe alles ausgeladen, und Emilie ermunterte mich ihnen zu helfen. Ich will, setzte sie hinzu, indessen die Stelle zu unserer Hütte suchen. Wirklich entfernte sie sich, meine Blicke folgten ihr, sie sank neben einem Gebüsche auf ihre Kniee, und erhob ihre arme flehend zum Himmel, stand aber schnell wieder auf, drängte sich zwischen einigen Bäumen durch, und rief laut: O, w e l c h e i n schöner Platz!–
Sie war 19 Jahre alt, wahre Gehülfin meines Lebens; denn Sie fühlen selbst, dass ihre Heiterkeit und ihre Zufriedenheit mich unterstützten, so wie die arbeiten mich zerstreuten. Staunend bemerkte ich, dass schon viele Balken auf einem platz lagen, und hörte von den Fischern, dass sie ein Loghouse am Ufer hätten bauen wollen, aber dem Quaker alles verkauft hätten, ich möchte nur bald einen Platz wählen, weil sie nicht länger als zwei Tage von ihrer Arbeit und ihren gefährten entfernt bleiben könnten. Emilie wählte wirklich den Platz, wo Sie unsre Hütte fanden, weil der