ringenden Händen und flehenden Blicken. Ich stürzte zu ihren Füssen, und rief:
Ja Emilie! ja, du kannst mir helfen. O, wenn du mein Leben und meine Ruhe liebest, geh mit mir in die äusserste Einsamkeit. Ich sterbe hier elend und wahnsinnig. –
Sie zitterte und sank auf den Stuhl zurück, von welchem sie aufgestanden war, bog sich aber gleich wieder vorwärts gegen mich, und lebhaft rief sie aus:
O, g e r n e ! gerne, heute noch, indem sie eine Bewegung zum Aufstehen machte. Nur lass mich wieder deine Züge sehen, wie mein edler liebender Wattines immer war.
Sie küsste meine Stirne, und weinte in stillem Schmerze. Ich weinte auch, und bat sie, mir den Kummer zu vergeben, den sie leide; aber ihr Versprechen nicht zurück zu nehmen, mit mir weit von Philadelphia wegzuziehen. – Sie hatte mich, während ich sprach von allen Seiten emsig betrachtet, meine hände besehen, meine in Unordnung um meinen Kopf hängende Haare von beiden Seiten in die Höhe gehoben, meinen Kopf und Nacken zärtlich berührt, und sagte nochmals mit festem Tone und ohne Tränen: Ich folge dir in jede Wüste, ja in den Tod, und das heute noch, mit all meiner Liebe.
Ihre Blicke lagen durchdringend auf meinen Augen, und die Erinnerung der nächsten Gefahr, die nach alt europäischer Sitte einen französischen Officier unter seinen Landsleuten begegnen konnte, verleitete sie zu der Frage: O sage, hattest du kein Duel? bist du nicht verwundet?
Aeusserst bewegt durch diese sorgsame Frage, sagte ich: nein, mein Engel! ich bin unverletzt, und habe seit ich dich verliess meist nur an dich gedacht, und mit niemand besonders gesprochen, als mit mir selbst.
Mich mit Ernst betrachtend, und mit dem Finger drohend, sagte sie: Du zweifeltest also an deiner Emilie, und ersannest die fürchterliche Scene, um mich desto eher zu bewegen. O Wattines! da legte sie schweigend ihren Kopf auf mich und weinte. Ich setzte mich neben sie, umfasste sie und erzählte ihr alles, was diesen Nachmittag in mir vorgegangen war, und die holde Liebe tadelte mich nicht, nahm Anteil an allen meinen Klagen und meinen Unmut, ermahnte mich, einen Aufentalt zu suchen, welcher mich und sie vor solchen Erinnerungen, und unser Glück und Liebe zerstörenden Gemütsbewegungen schützen könnte.
Du willst einsam leben! führe mich hin wo du willst, wo nur unsere Liebe und die gütige natur um uns sein werden. Der ganz eigne Geist meines Wattines wird nur da glücklich sein, und ich bin es nur, wenn er es ist; – denn mein Carl! deine Liebe allein kann nie der Grund meiner Zufriedenheit werden, deine Ruhe, deine Zufriedenheit müssen damit verbunden sein. –
Sie können leicht denken, dass meine ganze Seele sich in Dankbarkeit ergoss, und dann schon Plane den übrigen Abend wegnahmen; ja als Emilie durch den auf ihr Herz gestürmten Auftritt schon sanft schlummerte, wachte mein empörter Geist unter dem Hinund Herwägen eitler Entwürfe noch. Der Gedanke, morgen meinen alten Quäker aufzusuchen, ihn um Rat zu fragen, beruhigte mich endlich, und ich schlief ein, aber nicht lange. Bei dem Frühstücke sagte ich Emilien meinen Entschluss, diesem guten mann mich zu eröfnen; sie freuete sich darüber. Ich eilte zu ihm, besuchte aber noch einen Moment ein Caffeehaus, wo immer alle Nachrichten aus Europa zuerst mitgeteilt wurden. Ach! alle Tage besuchte ich es, mit der stets eitlen Hoffnung, gute Aenderung in Frankreich zu hören, auch den Morgen waren die Sachen schlimmer als je, und ich ging mit neu gebrochenem Herzen zu meinem Quäker, nach der Benennung dieser Secte, zu einem F r e u n d e , die man immer in Stunden des Kummers aufsucht. Er empfieng mich, wie ein gütiger Weiser einen Jüngling, dem er wohl vill. Ich erzählte ihm alles, zeigte ihm Trauer, Wünsche, Liebe, Sorgen und Hass meiner Seele. Er hörte mir aufmerksam zu, unterbrach mich nie, als hie und da mit dem sanften Ausrufe: a r m e M e n s c h e n ! wie verirrt, wie quält ihr euch.
Die Erzählung des Mordes meines Oncles, meines Bruders und des Vaters meiner Emilie, füllte seine Augen mit Tränen. Er drückte meine Hand und sagte:
Ach! der Boden von Amerika ist auch mit Blut getränkt; – aber sei ruhig, deine Verwandten sind bei Gott. Er sah alles. Er hat sie getröstet. Er lohnt sie. Er hat dich erhalten und wird dich stützen.
Nun zeigte ich ihm aufrichtig das Verzeichniss dessen, was wir retteten, was wir noch für die Zukunft verwahren und noch zum Verkauf geben wollten, ausgenommen unsre Bücher. – Nach einigem Stillschweigen sagte er: Junger Mann! du bist hitzig, du hast Vorurteile und Stolz, hast Bedürfnisse des Lebens und bist mit allen Menschen unzufrieden. Reichtum und Gewalt fehlen dir, um deinen Menschenhass in Trotz zu zeigen, Güter zu geniessen, und mitten unter ihnen einsam zu leben. Möchtest du es wagen, mit d i r a l l e i n beschäftigt, wie unser erster Vater auf einer artigen, aber sehr abgeschiedenen Insel zu leben, wo du nicht gezwungen sein würdest, nur des Nachts auszugehen, oder Einöden aufzusuchen um keine Menschen anzutreffen, aber immer unter den Augen Gottes zu wandeln, auf