geben, und mich freute sehr, dass wir in vier Tagen durch den Canal waren, weil ich dadurch unserer Zusammenkunft um so viel näher schien, da wir in 9 Tagen 200 teutsche Meilen zurück gelegt hatten. –
Bei dem Eintritte in das spanische Meer, begegneten uns drei englische krieges-Schiffe, nebst funfzehn amerikanische Kauffartei-Schiffe, welche sie, ich weiss nicht aus welcher Ursache, genommen, und nach Brittanien führten; auch fühlten wir ihre herrschaft auf dem Meere, denn unser Schiff musste halten, und ein englischer Officier, der zu uns an Bord kam, untersuchte Alles. Da er überzeugt war, dass unser Schiff nach Amerika bestimmt sei, durften wir weiter segeln. Dieser Gegenstand meiner Beobachtungen war neu, und staunend der Anblick schwimmender Vestungen und Gebäude grosser Schiffe, welche auf dem unermesslichen raum des Weltmeers, so gehorsam einen bezeichneten Weg befolgen müssen. Ich liess mir von dem Steuermann die Gegend von Albion zeigen; meine Einbildungskraft stellte mir diese Kriegsschiffe in Linien, ich dachte mir ein Seegefecht – den Mut und die Grösse des menschlichen Geistes, der die hohe Kunst der Schiffart und des Schiffbaues, zu dieser Vollkommenheit führte. Denn was ist alles andre, so durch Arbeit, Kunst und Gewalt auf dem festen land geschieht, gegen die Unternehmungen zu wasser? Ich betrachtete mit neuer Aufmerksamkeit unser Schiff, und machte Vergleiche mit einem Kriegsschiffe von 100 kanonen, und dem was an Menschen, Mund-Vorrat, Kugeln und hundertfachen andern Bedürfnissen da sein muss. Was für eine Last zwischen hölzernen Wänden! Was werden die Zimmerleute, Nagelschmiede, Schlosser, Segeltuchweber und Anker-Schmiede für wichtige Menschen, wenn ihre guten arbeiten als Schutzgeister des Lebens und des Glücks so vieler tausend Sterblichen erscheinen! Ich suchte mit einer Art Liebe und Ehrfurcht, die Freundschaft unsers Schiffcapitains zu gewinnen, um etwas von seinen, zur Schiffart nötigen Büchern zu lesen, weil ich nun den ausübenden teil dieser Wissenschaft vor Augen hatte. Der gute kapitän war sehr geneigt dazu, aber da er seit 30 Jahren Seereisen macht, hatte er wenig mehr zu lernen, also auch wenige Bücher bei sich. Mein freiwilliges Studiren dauerte auch nicht lange, indem ein 48 Stunden daurender Sturm uns Reisenden eine allgemeine Lection gab, welche aber sehr glücklich vorüber ging, hingegen einer sehr widrigen Witterung Platz machte; denn bald hatten wir Windstille, bald eine Art Sturm. Dieses dauerte bis den 15. August, da wir nur noch einen halben Segel gebrauchen durften. Die Wellen wurden zu Gebirgen, auf deren Spitze das Schiff bald hier, bald dortin geschleudert ward. Ich konnte nicht lange bei diesem Gleichnisse verweilen, denn ich fühlte die Verschiedenheit zu stark, zwischen dem seligen Staunen über Grösse, Festigkeit und feierlicher Stille der Alpen um die Senn-Hütten, gegen den schreckvollen Anblick der um unser Schiff brausenden und tobenden Berge. O! wie lieb, wie unschätzbar wird die ihre Kinder so geduldig tragende Mutter Erde in einem solchen Moment; denn niemand konnte sich aufrecht erhalten, Kisten und Kasten, welche nicht fest waren, wurden wie Bälle herum geworfen. In fünf Minuten war der Wind von Südost in Nordost, und ehe man sichs versah, schlug eine Welle alle Fenster unserer Cajüte in Stücken, und das wasser strömte in den Raum. Alles glaubte nun, das Schiff sei geborsten, und wir würden sinken. O, meine Freundin, was für eine Erfahrung, ein solches Todund Jammer-Geschrei zu hören! Ich war stille, sagte mir aber doch sehr ernst: was hattest du hier zu tun? dann aber ruhig: sterben müssen wir, es sei auf diese oder jene Weise. Indessen hatten die Schiffsleute die Wahrheit entdeckt, und beruhigten Alle. Gross und innig war die Freude, noch zu leben, und herzlich schmeckte der Punsch, in welchem wir uns neue Gesundheit zutranken. Nun konnte ich auch bei der beruhigten See, ihre so verschiedenen ungeheuren Fische sehen, deren einige über 50 Schuh lang waren, Meerschlangen von 25 Schuh, und den prächtigsten Farben. Ich betrachtete alle, nicht nur als Gegenstände der Neugierde und Bewunderung der Mannigfaltigkeit aller Arten Geschöpfe, sondern auch mit dem Schauder erregenden Gedanken; vor wie kurzer Zeit ich in Gefahr stand, die Nahrung eines von ihnen zu werden, und in diesen Moment schien mir das glänzende Farbenspiel ihrer Schuppen düster und unangenehm; desto ergötzender war mir aber bei dunkler Nacht der Anblick der Wellen, welche alle entzündet schienen, da man staunend durch ein Feuer-Meer zu segeln glaubte, indem zugleich die ganze Luft beleuchtet war. Den 25. August ertönte von dem Mastbaume der frohe Ruf: Land! Land! Ich sah nun in meinen Reisegefährten das Entzücken der Freude, wie ich vor wenigen Tagen den allgemeinen Jammer der Angst gesehen hatte. Wir liefen darauf den 28. August glücklich in den Hafen zu Baltimore ein; viele Teutsche kamen uns zu bewillkommen, Erfrischungen und Dienste aller Art anzubieten, aber auch tausend fragen zu machen. Baltimore, ein hübsches Städtchen von 2000 Häusern, zählt 14000 Einwohner, liegt an dem prächtigen Flusse Surquehanna und vergrössert sich täglich, indem ein teil der Handlung von Philadelphia sich hieher zog, weil dieser Fluss immer beschifft wird, und sich ein beträchtlicher Seehafen formirt. Da ich sicher bin, dass meine Freundin auch den ökonomischen teil meiner Ueberfahrt zu kennen wünscht, so will ich dieses nachholen. Ich musste, da ich in der Cajüte, als dem besten Teile des Schiffes zu