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des Guten, und durch Ideen einer elenden Rache, unter den mit uns überschiffenden Flüchtlingen gelitten. Die Pracht, die Lebensart in Philadelphia, ruften mir Paris und Brüssel in das Gedächtniss zurück; auch waren viele Emigranten mit viel mehr Hülfsmitteln als ich herüber gekommen. Ihr charakter und ihr Betragen missfielen mir, ich wollte die Zeit nicht abwarten, den Gutgesinnten durch Vorschläge und Ansuchen beschwerlich zu fallen, oder den Bösgrtigen ein Gegenstand des Spottes und des Uebermuts zu werden; besonders da ich in dem grund meiner Seele diesen Uebermut der Reichen und Grossen als die Ursache des Umsturzes der Monarchie betrachtete, und sie hasste, – sicher war, dass diese Menschen, welche in glücklichen Tagen keine edlen Gesinnungen zeigten, auch zetzo nicht mit mir stimmen würden. Ich fühlte Geringschätzung für den Geist der Männer, fürchtete für Emilien den Umgang ihrer Weiber, scheute den Vergleich zwischen meinen Umständen und denen, in welchen sich die Bewohner der französischen Seeküsten noch mit grossem Vorteile retten konnten. Ich suchte ein kleines Landgut in der Nähe der Stadt zu kaufen, ging daher oft zu den Besitzern der umherliegenden Bauerhöfe, weil ich hoffte, einen zu treffen, der als Pächter mit mir leben, und den Kaufschilling als zurücklegenden Erwerb ansehen würde. Ich war aber zu einem solchen Kaufe nicht reich genug. Traurig machte ich einen Abend meinen Weg zurück: unweit eines artigen Bauerhauses blieb ich an einer Magnolia gelehnt stehen und jammerte aus voller Seele, dass mir von dem grossen Vermögen und zwei Schlössern meiner Väter, nicht einmal so viel übrig war, eine eigne Hütte zum Obdach, und Feld zum Anbau meines Brods zu kaufen. In meinem Kummer und Nachdenken vertieft, bemerkte ich nicht, dass jemand sich mir näherte, bis auf einmal ein alter Quäker neben mir stand, und teilnehmend mich betrachtete. Ich stutzte, und grüsste ihn, – als er sagte: Fremder! du vergisst, dass es bald Nacht sein wird, wenn du nach der Stadt willst, so hast du Zeit. – Ich dankte ihm und war in Wahrheit etwas ängstlich als ich mich umsah. Der liebe Mann bot mir an, mich den kürzesten Weg zu leiten. Mein wenig Englisch zeigte ihm deutlich, dass ich einer der neuen unglücklichen Ankömmlinge sei, und seine väterliche Treuherzigkeit bewegte mich, ihm die Ursache meines Tiefsinns zu sagen. Er erwiderte mit sanftem Ernst:

Du hast sehr irrige Begriffe aus Europa mitgebracht, da du vermuten konntest, ein guter Landmann würde so leicht, die von seinem Vater, oder von ihm selbst angebaute Erde verkaufen, und kein Mann, der Seele und Eigentum hat, wird jemals Söldner werden. Ziehe tiefer in das Land, suche eine Familie die auch nicht reich ist, vereint Eure Kräfte, und bauet Felder unter Gottes Segen und täglichem Fleisse, so wird sich deine Trauer und deine sorge mindern.

Es war zu spät ihn mehr zu fragen, als, ob ich ihn wieder besuchen dürfe?

Gerne, wenn ich dir was helfen kann. Schon lange hatte ich von den Quäkern gehört, und es war mir eine angenehme Zerstreuung, diese mir neue Art Wesen näher kennen zu lernen; aber es verflossen einige Tage, ehe mir die Umstände erlaubten, wieder auszugehen, und Emilie wollte sich nur Abends auf dem schönen platz eine Bewegung machen. Während dem verbitterten mir die Nachrichten von der Ankunft so vieler Familien des französischen Adels den Aufentalt in Philadelphia, und da ich meiner holden Emilie, die zunehmende Unruhe meiner Seele verbergen wollte, so ging ich bei einbrechender Nacht noch auf dem grossen Spatziergange allein, über unser Schicksal nachzudenken. Ich wollte keinem meiner Landsleute mich entdecken, und dachte an den Quäker, um seinen Rat zu holen. Um ferner nachzudenken, setzte ich mich auf das oberste Ende einer Bank, welche ganz im Finstern stand. Ich war aber nicht lange da, als ich einige Stimmen französisch sprechen hörte, und aus dem Stoff der Unterredung bemerkte, dass es der Gesandte der Pariser Patrioten mit einigen Anhängern aus Philadelphia war. Mein Herz wurde äusserst bewegt, und der Gedanke: i n A m e r i k a ward der Saame zu der unseligen Revoluzion geholt, beklemmte meine Seele. – Amerika war nun nicht mehr Zufluchtsaufentalt für meinen Engel Emilie und für mein Herz, es war der Boden, auf welchem unser Elend keimte. Die Gestalt meines Schicksals wurde mir fürchterlich und unerträglich. Die idee, dass ich einmal diesen verwünschten Gesandten treffen und sehen könnte, dass ich unter lauter Freunden der Neufranken lebte, dass Frankreich die Republik der Amerikaner gründen half, alles dieses bestürmte meine Seele zu sehr. Ich verfluchte die Asche des Ministers von Vergennes, welcher England necken wollte, und den Verfall unsers Königreichs bereitete. O, was für eine Lage war die meinige! Geburts- und Zufluchtsort mit gleichem Hasse zu denken! – Stellen Sie sich die Stimmung vor, in welcher ich zu Emilien zurückkam; denn an das Verbergen meiner Gemütsbewegung dachte ich gar nicht mehr. Sie erschrak über den Ausdruck der leidenschaft, welcher in meinen Zügen verbreitet war. Ich hatte sie umarmt, ohne zu sprechen. Ich holte schwer Atem, und vermied ihre Blicke.

Mit zärtlicher Angst fragte sie: O, was ist in deiner Seele? rede, lass mich Anteil nehmen an deinen Jammer, Wattines! Du leidest, du bist krank, Gott, was ist dir geschehen! kann deine Emilie nichts für dich tun? – Ach! sie stand vor mir mit