bewegen, sich mit mir in Erläuterungen einzulassen, wenn ich ihre Erinnerungen unvollkommen fände, oder einige Teile besser ausgeführt wünschte. Ich trug das kleine Packet Papiere mit mehr Freude und Sorgfalt in meine wohnung, als ich vielleicht einen Sack mit Geld heim getragen hätte; denn ich war von den Bildern alles dessen, was ich auf der Insel sah, noch so eingenommen, dass mir die geschichte dieser Menschen die merkwürdigste schien, welche mir vorkommen könnte. Zwei Tage lebte ich allein mit diesen Papieren, welche ich mit wahrem Heisshunger verschlang, dann stückweise überlas, und nachdachte, wie ich in dieser Lage gehandelt haben würde? und ich musste hier die Verschiedenheit des National-Characters anerkennen.
Sicher hätte ich wie Wattines gearbeitet, mich und meine Familie zu ernähren. Ich hätte Korn, Flachs, Gemüs und Obstbäume gepflanzt, aber gewiss nicht daran gedacht, neben einer Bank meiner Frau Blumen aufzuziehen, oder ihren Namen dreifach an einem Altare zu schreiben; doch sagte ich mir auch, mit Zurückdenken an H e i n r i c h H u m e s G r u n d s ä t z e d e r C r i t i k : wie er behauptet: Wohlgefallen an einer Handlung, welche wir erzählen hören, zeige an, dass in unserer Seele eine übereinstimmende Neigung liege, und beweise, dass wir gerne eben so handeln und denken würden, wenn die nämlichen Umstände uns dazu aufforderten. Ich schrieb mir also etwas von Humes sympatetischem Gefühle der Tugend zu. Sie, die mich am besten kennen, werden bei dem Fortgange der Erzählung, genau zu sagen wissen, in wie weit ich Wattines ähnlich gewesen sein würde, und in was der teutsche National-charakter eine Verschiedenheit bezeichnet hätte.
Mein Zimmermann erleichterte mir die Annäherung zu Wattines trauterer Bekanntschaft. Er wurde, wie Sie wissen, in der Colonie aufgenommen, und bekam sein Stück Land, gleich neben Wattines, an dem See. Letzterer fing an zu besorgen, sein Nachbar möchte ihm durch den Bau seines Hauses, die Aussicht auf die Insel benehmen, für welche er die grösste anhänglichkeit hat, und ihren täglichen Anblick nicht verlieren möchte. Da ich den braven jungen Mann hieher führte, und zu seinem Glücke half, so glaubte Wattines, dass ich etwas über ihn vermögen würde; er suchte mich also auf, erwähnte freimütig seine Besorgnisse, und die Wünsche darüber beruhigt zu sein. Er ist mir so wert, der Boden der mich aufnahm, sagte er, dass ich ihn nicht aus den Augen verlieren möchte. Ich fand die Ursache so schön, so sehr in die Gefühle seines Herzens verwebt, dass ich im versprach, dafür besorgt zu sein. Er freute sich, und bat um baldige Antwort, indem er hinzu setzte: der Mann wäre gerade beschäftigt, einen Platz zu ebnen, und er habe ihn mit Schritten umgangen, welche den Plan eines Hauses bezeichneten. Ich nahm sogleich meinen Hut, und folgte ihn bis an seine wohnung, von welcher er mir die so liebe Aussicht auf die Insel zeigte, welche er allein um Emiliens willen verlassen habe, und nur in dem täglichen Anblicke einen Ersatz fände.
Nun suchte ich meinen Zimmermann auf, und sprach eben so gerade mit ihm, als Wattines mit mir. Ich bemerkte dass mein Landsmann rot und nachdenkend wurde; diess machte mir bange, eine schwere Arbeit zu treffen, und flochte allerlei schöne Beweggründe zusammen, um ihn zu dem gewünschten Entschlusse zu leiten, wurde aber sehr überrascht, als er mit dem Lächeln der innigsten Freude sagte:
O wie froh bin ich, zu hören, dass es Ihnen und dem guten Herrn v. Wattines so sehr darum zu tun ist, dass ich meiner Hütte eine andre Stelle gebe; denn jetzt darf ich wohl auch um etwas bitten, woran mir eben so viel gelegen ist. Gewiss, antwortete ich, sage Er es nur frei heraus. Ach! erwiderte er schüchtern, es ist etwas sehr grosses, aber ich will gerne Herrn von Wattines meine Hütte ganz opfern, oder mein Gut zu seinem Hofgut machen, wie es in Teutschland gewöhnlich ist, wenn er mich etwas Geometrie und Baukunst lehren wollte. Ich würde sehr fleissig sein, dass er nicht so viele Mühe mit mir hätte, wie mit einem andern, und danken würde ich es ihm mein Lebelang. Richten Sie es doch aus, ich bitte Sie.
Ich hatte wahre Freude für Wattines, und Freude an der Wissbegierde meines Zimmermanns, der so gerne sich und sein Gut verpfänden wollte, wenn er nur hoffen könnte, eine Art geschickter Baumeister zu werden. Ich sagte ihm, dass ich sogleich mit Wattines sprechen würde, ging auch mit wirklich eilenden Schritten seiner wohnung zu. Er hatte mit Wünschen und Verlangen nach guter Antwort auf mich gewartet, und kam, mit einem noch viel lebhaftern gang als der meine war, mir entgegen. Ich winkte ihm von ferne das j a zu, und er dankte mir sehr gerührt, setzte auch hinzu: könnte ich nur dem braven mann und Ihnen, meine Dankbarkeit in der Tat beweisen. – Er sagte dieses mit dem Ausdrucke der Wahrheit und des Wehs, so wenig zu vermögen. – Sie können es, fiel ich schnell ein, ihn bei der Hand fassend, Sie können Ihren Nachbar zehnfach belohnen.
Wie, wie? ich bitte Sie, wie kann ich es?
Nun erzählte ich ihm meine Unterhaltung mit dem Zimmermann, wie