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Lebens auf dieser Insel können Sie Bruchstücke in den aufgezeichneten Erinnerungen meiner Frau finden, die Ihnen gerne alles mitteilen wird. Gewiss, alles verdient bemerkt zu werden, und Sie können Ihre Musse nicht besser anwenden, als dieses Bild der edlen Verwendung seines Unglücks und seiner Kräfte, in ein vorteilhaftes Licht zu stellen. Ich, meine Frau und andre Colonisten haben entweder keine Zeit, oder kein Geschick dazu. Vielleicht gewinnen Sie Wattines Freundschaft, und dann ergänzt er die Lücken welche in den kleinen Blättern meiner Frau sein müssen, da sie meist nur Abends spät, ehe sie zu Bette ging, oder während sie unser jüngstes Kind stillte, mit Bleistift das Merkwürdigste aufzeichnete, was sie ihrem Mädchen nützlich achtete, erzählt zu werden. wenn sie einen Abend mit der lieben Emilie verschwatzt hatte.

Bei dem Zurückfahren erzählte mir Vandek noch, wie sehr Wattines ihn bei seinem ersten Besuche auf der Insel bat, ja auf dem festen land nicht von ihm zu sprechen, und ja niemand anders von den Colonisten zu ihm herüber zu schicken; doch hätte er gerne eingewilligt, dass er seine Frau, ein paar Kinder, und wegen dem Rudern auch seinen Verwandten, den Candidaten, wieder mitnehmen könnte. Auf die Anfrage, ob er ihm nichts mitbringen solle, habe er ihm nach einigem Schweigen die Hand gedrückt und errötend gesagt: ja, etwas Brod und Salz. In dem Augenblicke aber, wo Vandek sich dem Nachen näherte, habe Wattines noch mit angelegnem Tone gesagt: o, bringen Sie doch eine Carafine Milch mit, für meine gute Frau, welche sie so sehr liebt, und in vier Jahren keine kostete.

Regen verhinderte einige Tage den Besuch, aber dann kamen sie mit allem, was zu Tee gehört und mit ihrem vier Jahre alten Knaben auf die Insel.

Lassen Sie sich, sagte Vandek, von meiner Frau erzählen, mit welcher Bewegung Frau von Wattines sie aufnahm, wie herzlich sie ausrief: Gott sei Dank! als die Milch auf den Tisch gestellt wurde, und die liebe Emilie sogleich um eine halbe Tasse voll für sich bat, und Tränen von ihren schönen Augen in die Schale ranten, als sie die Hälfte dieses ihr so lieben Tranks ihren Kindern zu kosten gab. Artig war es, wie der muntre junge Franzose Caremil, meinen dicken gesunden Jonas betrachtete, dann ihn freundlich bei der hand nahm und zum Laufen winkte. Meine Frau hatte von dem Spielzeuge unserer Kinder, ein kleines nürnberger Pferd für Caremil, und dem Mädchen eine Puppe mitgebracht. Diese freuete sich der Puppe, Caremil besah das kleine Pferd, welches mein Knabe in das Gras stellte, lange von ferne, und am Ende besonders die Füsse, lief aber schnell weg, und kam mit einem kleinen Käfer wieder, den er auch hinsetzte, und zu seinem Vater sagte:

Dieses Tier sei so klein und laufe, das Ding da viel grösser und bewege sich nicht.

Wir mussten alle lächeln, und sein Vater zeigte ihm, warum das Pferd nicht laufe, ging dann mit mir, dem Knaben und meinem Vetter weg, bis der Tee fertig sein würde. Bei unserer Zurückkunft bemerkten wir bei Frau Wattines eine sichtbare Freude, dass sie eine europäische Familienmutter bei sich sah, und ihres guten Herzens und Verstandes sicher sein konnte. Ihr heutiges Staunen, mein Freund, setzte er hinzu, und das Meine, so gross es bei meinem ersten Besuche war, können auf keine Weise der innigen Gemütsbewegung meiner Frau zur Seite gestellt werden; denn sie fühlte nicht nur als Gattin eines Colonisten alle Beschwerden der ungeheuern arbeiten des Mannes, sondern auch als Mutter das unaussprechliche und vielfache Weh, h i e r Mutter zu werden, h i e r zu denken, dein Mann, der Vater deiner Kinder kann sterben! dann bist du und sie allein in dieser Einöde; oder zu sagen, ich kann sterben, lass ihm ein kleines Kind, und er bleibt mit allem Jammer des Lebens belastet h i e r . Es schauderte meiner menschenfreundlichen Frau, die nicht sehr gerne an den See Oneida zog, weil sie auch zu bessern Tagen gewöhnt war, aber nun dankte sie Gott für unsern Entschluss, weil dadurch einer so verlassnen, aus aller Verbindung gerissenen Familie Trost und hülfe zufloss. Sie war seitdem auch heiterer und glücklicher in unserer Hütte. Es kostete Mühe, Wattines zu bewegen, ein Landgut bei uns zu nehmen. An Alleinsein gewöhnt, und zu stolz jemand anders als einem Könige etwas zu danken, nahm er es nur auf bedingte Abgaben an, und da wir ihm den Genuss der Insel von dem Congress verschaffen wollten, stimmte er nur dahin ein, dass es Belohnung für Ingenieur Dienste bei der Anlage der Stadt sein sollte.

Sie sehen, meine Freunde! was dieser Tag für mich sein musste, und können sich die Gefühle denken, mit welchen ich bei unserer Zurückreise die Insel betrachtete. Ich speisste bei Vandek zu Nacht, und er sagte mir:

Sie kennen nun die Scene, wo das Schicksal zwei ausserordentlichen Personen den Beweis gab, wieviel die Menschen vermögen, wenn es ihnen Ernst ist, alle ihre Kräfte, und ihr Nachdenken zu verwenden. Nun sagte er seiner Frau, dass er mir die Versicherung gegeben hätte, sie würde mir alles mitteilen, was sie von Wattines aufgeschrieben habe.

Die gute Frau versprach es nicht allein, sondern gab mir noch den Abend alle Hefte mit nach haus, mit dem Versprechen, Hrn. und Frau Wattines zu