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. – Ich sage gewiss andern Reisenden: geht an den See Oneida, lernt diese neue Colonie kennen, bittet um die Bekanntschaft der Familie Wattines, lasst euch die Insel zeigen, wo sie vier Jahre einsam wohnten, sprecht mit ihnen, betrachtet ihre arbeiten und überdenkt ihr Schicksal, und eure Seele wird den Wert der ausübenden Tugend, der hohen Kräfte der Menschen und der Kenntnisse schätzen lernen. –

sonderbar, meine teuren Freunde, ich war einige Zeit nicht ganz wohl, und bekenne, dass ich da mehr an Europa zurück dachte, aber weit, weit entfernt war, nur den geringsten Gedanken zu hegen, dass in der nehmlichen Zeit ein eigenes Weh an den Lebenskräften meines geliebtesten Freundes nage. – Ich wünschte wohl den Frühling bald zu sehen, um Nachrichten aus Europa zu erhalten, und dann auf einem, während dem Winter, gut gebautem Kahne mit Wattines einen Besuch bei der Hütte der Indier zu machen, in welcher Emilie zweimal wohnte. – O jetzt bleibe ich nicht mehr so lange, werde mich n i r g e n d s , n i r g e n d s mehr aufhalten, eile übermorgen von hier, – die guten lieben Menschen alle fühlen mit mir. – Sie wissen was Freundschaft ist, ich teile meine Haabe unter sie aus, jeder muss ein Andenken haben, Schreiner-Handwerkszeug, Ziter und andres Wattines. Morgen in der Nacht werden durch den Zimmermann der Tisch und die Stühle in den Garten gestellt: ich nehme wenig mit mir zurück. – Einer unserer rechtschaffnen Landleute führt mich zu dem nächsten Ort, ich schreibe den Wattines meinen Abschied, ich kann es nicht mündlich tun. Der Vorsteher und der würdige Vandek allein wissen die Stunde, alle sehen und fühlen dass ich nicht mehr bei ihnen bin, dass meine Seele in Europa ist, meinen leidenden Freund, seine Gattin, seine Kinder umschwebt. – Ich werde es nicht feiern, das fest der Uebergabe der Insel an Wattines, wozu alle Hoffnung ist, werde nicht dabei sein, wenn das erstemal das Lob der Arbeit gesungen wird, aber die Denkpfennige sind fertig, ich werde sie von Piladelphia aus schicken, und hoffe von dort bald, bald absegeln zu können, denn ich glaube, da der Himmel meine auf gewisse Art phantastische Reise hieher begünstigte, o so wird er die sichere schnelle Erfüllung der heiligsten Pflicht segnen. O was werde ich empfinden, wenn ich mitten in der Nacht Wattines wohnung vorbei gehe, dieses Haus, die ganze Anlage, den See und die Waldungen mit den Feldern noch im Mondschein betrachten werde, denn der Zimmermann und mein Fuhrwerk erwarten mich am äussersten Ende der Landstrasse, ach wie herzlich werde ich sagen: ich lasse euch Gott und eurer Tugend.

Fussnoten

1 Eigelb mit heiss wasser gerührt, Hühnermilch. 2 Paradies-Feigenbaum, Bananas-Baum, Patanen.