der verehrungswürdigsten Personen ihres Geschlechts? kann man jemals Stärke des Characters und Feinheit der Gefühle, liebenswerter verbunden sehen? sollte man nicht wünschen, dass alle Glücklichen die physische Welt betrachten wie St. Pierre, und alle Unglücklichen ihr Schicksal mit so viel Geist und Tugend tragen, als Wattines und seine edle Frau. Nun sind die Regentage vorüber und der prächtigste Winterfrost eingetreten. Wohl uns, dass kein Mangel an Holz ist; denn kalt ist es mehr als ich ausdrücken kann, und wir haben es versehen Schlitten zu machen. Nun sind alle damit beschäftigt, damit wir mit unsern wenigen Pferden doch diese Winterfreude geniessen, indem wir daneben mit Handarbeit und Entwürfen für den Frühling beschäftigt sind. – Alle unsere Schüler machen gute Fortschritte, zeigen Verstand, und haben Freude an den Gedanken, vernünftige und geschickte Leute zu werden. – Ich spreche mit den Meinigen sehr oft von dem allgemeinen Ruhme, welchen bisher die deutschen Colonisten erhalten haben, und die guten Jungens setzen sich alle vor die besten unter den Guten zu werden. Meine Arbeit geht sehr vorwärts, und Wattines lernt nicht nur die teutsche Sprache, sondern mit meinem liebsten Schüler die Ziter gleichsam in die Wette spielen; dieses bestimmt mich zu einem Opfer. – Ich werde ihm meine geliebte Ziter, welche mich seit Italien nie verlassen hat, zum Andenken unserer harmonischen Gesinnungen geben, er aber mir das Gelübde ablegen, diese sanfte Musik am See Oneida fortzupflanzen. Schon wird sie den guten Einwohnern sehr angenehm, und ich habe dafür gesorgt, dass wenigstens vier bei Wattines in Vorrat gelegt werden. – Meine Auszüge mehren sich und werden recht gut, da ich sie den Knaben vorlese, und mit ihnen darüber spreche, sind sie mit Eifer zu den Abschriften gekommen.
Alle Sontag Abend spiel ich die Ziter bei dem Vorsteher, singe dabei, dann gibt er einen Kuchen, gutes Bier und Tanz für unsere wenigen aber wackern jungen Leute. Wechselsweise wird bei Vandek und Wattines der Abend mit Lesen zugebracht, dann beisammen gespeisst, und die Frauenzimmer im Schlitten nach haus gebracht. So gehen sie auch in 24 Stunder vorüber die langweiliger Wintertage. Ich schreibe nicht mehr viel an meinen Denkblättern, wie Sie sehen werden, denn ich möchte meine Schreinerarbeit bald endigen. – Ich mache jetzt einen Plan zu meiner Rückreise, ohne mit jemand davon zu reden, weil alle zeigen, dass sie meine Entfernung ungern sehen; doch bekenne ich, dass öfters ein Wunsch nach Europa in mir entsteht. Ich habe gesehen was ich wünschte, und noch mehr als ich erwartete.
Ich dachte nur an ein Abbild der Bemühungen unserer ersten Vorfahren, Bäume zu Hütten zu ordnen, Felder zu Kornbau anzulegen. – Ich fand es, dieses Bild des ersten Bestrebens, Bedürfnisse zu befriedigen, und Beschwerden zu bekämpfen, aber auch kann ich sagen, dass jede Stuffe menschlichen Verdienstes in Arbeit und Denken, auf diesem kleinen platz vereint vor meinem Auge war. Ein Zimmermann, der die Loghouse mit rohen Baumstämmen erbaut; geschickte Landleute; einen Kaufmann der sie anweisst, die Producte ihres Fleisses für das beste ihrer Kinder und eigenen Wohlstandes zu gebrauchen; einen Geistlichen, welcher sie die moralischen Kräfte der Seele kennen lehrt, und auf einem einfachen Wege, zu der Liebe ihres Schöpfers und ihrer Pflichten führt; in Wattines Hütte Abglanz des feinsten Anbaues der Sitten, und wirkung wahrer Kenntniss und Tugend; denn, liegt nicht in dem Leben dieser zwei merkwürdigen Menschen das grösste, schönste Vorbild eines edlen starken moralischen Characters, und fand ich nicht in ihrer Büchersammlung den Schatz aller seit Jahrtausenden gesammelten Wissenschaften? Sah ich nicht alles, was Menschen b e d ü r f e n , v e r m ö g e n und a u s f ü h r e n ? – Wie tief ist dieses alles in meine Seele gegraben! Wie heilig, wie lieb werden diese Erinnerungen mir mein ganzes Leben sein! Wie oft sagte ich schon hier meinen Schülern, wenn ich mit ihnen von Wattines sprach: wie viel kann der g u t e , f l e i ss i g e Mensch tun! und wenn ich die Encyclopädie sah, wie viel kann unser Geist denken, wissen und entdecken! – Wir haben die Briefe eines Amerikaners aufs neue mit grosser Aufmerksamkeit durchgelesen, dieser sagt einmal:
Warum kommen die Europäer nicht zu uns, neue Tugend und Glück zu sehen? warum gehen sie in das ausgeartete Griechenland, in das alte Italien, wo sie nichts mehr von dem alten Glanze finden, wo niemand das Grab des Socrates und des Aristides, des Catons und des Fabius zeigen kann? sonst würde ich selbst diese Reise machen, kommt, besteigt statt des Aetna und Vesuv unsere Apalaches, betrachtet von einer Seite, was wir auf 900 Meilen angebaut, auf der andern noch anbauen werden, setzt an die Stelle der alten Trauererinnerungen von Italien in seinen Ruinen den belehrenden und angenehmen Anblick von vier Millionen angebauten Ackerland, 600000 Häuser. Die grosse Scheune voll Garben des fleissigen Colonisten soll euch wohl mehr Freude geben, als die Ueberreste eines Tempels der Ceris. Unsere Gesetzgebung, unsere Mechanik, unser Landbau und schönen Städte, schulen und liebreiche Versorgungshäuser der Armen, – was für schönen Stolz, welchen, lassen Sie mich es meinen geliebten Britten zu gerechtem Ruhme hinzusetzen, edlen, auf Glück und Verdienst gestützten Stolz könnte der Amerikaner nicht haben, wenn er nicht unter dem Einflusse des Geistes der englischen gesetz und Sitten geboren und erzogen wäre