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e r w i l l , rief ich bei dem Teile dieser Erzählung! – Vandek fuhr fort:

So, mein Freund! fand ich Herr und Frau v. Wattines, die mich nun zu ihrer Hütte führten, wie wir dahin zurück wollen. Vandek ging voran, mein Gedächtniss sagte mir vieles, was ich von den Schicksalen emigrirter Familien in unserm Europa gehört hatte, aber nie wäre ich fähig gewesen, mir ein Bild des Lebens zu denken, welches die Wattines hier erwartete. Auf einmal stand ich vor der Hütte, welche so lange Zeit dem höchsten Grade der Liebe, dem edelsten Mute und dem ehrwürdigen Unglück der Tugend zum Aufentalte diente. Das Erdreich hatte da eine sanfte Erhöhung, und mein Führer sagte:

Frau Wattines bat, die Hütte da zu errichten, damit der Regen von allen Seiten ablaufen, und sie einen trocknen Wohnort haben möchten. Sorgsam schonten sie schöne umher stehende Bäume, welche zugleich die Hütte beschatten und ihre rauhen Aussenseiten mit ihren Aesten bedecken konnten. –

Meine Freunde können leicht denken wie aufmerksam ich auf alles war. Die tür, und wenige Fensterladen sind von der Hand des damals 24 Jahre alten Wattines, aus mitgebrachten Bretern über einander genagelt, denn keinen Leim hatte er nicht: die Fenster sind mit Leinewand überspannt. Statt der Angeln befestigte er längst der tür und den Pfosten der einen Seite, einen Streif von Leder, denn aus Philadelphia hatte er nur zwei Kloben und Schlingen mitgebracht, um die zwei Türen von innen zuzuschliessen, denn die, welche zu den kleinen Abteilungen führten, wurden mit einem Stück eingeschnittenen Lederriemen an einem Nagel befestigt. Der durch die ganze Hütte laufende schmale Vorplatz, war die Wohnstube, und hatte zugleich in einer Ecke den Feuerheerd, wo man sich wärmte und kochte. In dem zweiten Teile war gegen Mittag die Schlafstätte, an dieser die Art Vorratskammer, wo sie gesammelte Früchte und ihre kleine Habseligkeit verwahrten. An der Wand des Herdes hin, war ein Stall für ihre mitgebrachten Hühner, neben welchem auch ihr Holzvorrat lag. – Nun machte mich Vandek auf den teil der Wand aufmerksam, welche von der Schlafstelle an, bis in die Ecke der Hütte läuft. Er deutete auf diesen Platz und sagte: denken Sie Freund! wie ich staunte, als Wattines hier, eine von seinen übrigen Bretern verfertigte Doppeltür öfnete, und ich die vielen Bände der besten französischen Werke fand, die über den Vorrat von Sägen, Hacken, Beil, Hämmer, Nägel, Eisendrat, Schaufeln, Sensen, einem Degen, zwei Flinten und Pistolen aufgestellt waren. Die Armut in allem, und der Reichtum in Büchern! Ich konnte mich nicht entalten auszurufen: Gott! dieser Vorrat hier. Edler junger Mann! Vandek setzte hinzu, hätten Sie nur den ernsten, aber schönen Ausdruck seiner Züge gesehen, als er mit einer Hand die Bücher, mit der andern eine Harke berührte und sagte: diess waren die vier Jahre hindurch die zwei Stützen unsers Lebens.

Sie sehen mich nun auch, meine Freunde, auf diese Wand blicken, Sie hören mich gewiss wiederholen: 300 Bände hier, auf dieser Insel?

Ja, sagte Vandek, sie hatten in York und Philadelphia vieles andere zu Gelde gemacht, um Bedürfnisse für diese wohnung zu kaufen, aber ihre Bücher veräusserten sie nicht.

Mir ward einige Augenblicke wunderlich zu Mute, weil ich mir sagte: Himmel ich war stolz, alles von meines Vaters Erbschaft, ja selbst meine Bibliotek wegzugeben, um auf meinen Reisen ganz frei, lauter Tatsachen zu sammeln, und Wattines opfert alles, nur Bücher nicht. Er, den das Schicksal zu so viel Tatsache bestimmte! Hatte wohl dieser französische Edelmann weniger Eigenliebe, als ich guter Schwabe? aber ich musste die Antwort aufschieben, weil mich Vandek weiter führen wollte. Er schloss die Hütte, und da ich die Einfassung mit den Muscheln betrachtete, sagte er: die geschichte dieser Arbeit werden Sie in den Noten meiner Frau erzählt finden.

Bei der Wendung um die Hütte, zeigte er mir zwei, einen Schuh ins gevierte in die Erde gemachte Gruben: hier mein Freund, haben die guten Wattines auf einem eng geflochtenen Dratgitter, schottisches Bergbrod gebacken. Ich starrte auf die Gruben hin, und da ich weder von Bergschottenbrod, noch von dem Brodbacken über einer Grube einen Begriff hatte, fragte ich darnach, und hörte, dass Frau Wattines es besser wusste, indem sie bei dem Brodmangel auf der Insel sich erinnerte, einst gelesen zu haben:

'Die Schotten machten einen Teig von Habermehl, welchen sie auf sehr dünne, ein Schuh breit und lang, mit lauter Löcherchen durchschlagnen Eisenbleche legten, und über solchen durch Feuer erhitzten Gruben zu backen wüssten. Wollten sie nun davon essen, so schlügen sie Stücken ab, würfen sie in wasser oder Ziegenmilch um sie etwas zu erweichen, und nährten sich recht gut damit.'

Nun hatten Wattines kein Mehl, aber die liebe Frau kochte Mais und Buchweizen recht weich, zerrieb sie zu Brei, machte einen Teig und dünne Kuchen, wie die guten Weiber der Schotten: Wattines machte die Gruben, und da sie kein Blech hatten, so wollte sie sich der eisernen Gartenschaufel bedienen. Wir haben auch wasser im See, um es einzuweichen, sagte sie, da leben wir wie die Bergschotten, welche mich bei der Beschreibung ihres armen Brods so jammerten, da ich noch unser gutes französisches Brod hatte. Ich glaube, sagte sie zu ihrem mann, dass