wenn von der Insel oder Einsamkeit gesprochen wurde, und Vandek während der Regentage einen Besuch machte, und von ungefähr eine Klage über die Witterung hörbar wurde; da lächelten die Wattines sich zu, blickten zum Himmel und auf ihre Bücher, Emilie aber sagte: o mein teurer Freund! wie erträglich würden sie diesen Regen neben der Hütte eines Nachbars finden, wenn Sie ihn drei Jahre alle Herbst mit Sturm in ganz einsamer Gegend rauschen hörten, und kein Obdach hoffen könnten, wenn das Ihrige einstürzte. Mein Herz wusste wohl, dass es die stimme der Allmacht meines Gottes war, aber ich zitterte oft halbe Nächte hindurch, bei der Vorstellung der Möglichkeit des Verlusts unserer Hütte. – Wohin mich retten mit den Kindern? war eine Herz zerreissende Frage, in dem Brausen der Windstösse; aber nun würde ich bei Vandeks Tugend und Freundschaft Schutz finden, wobei sie seine Hand fasste und an ihre Brust drückte. Vandek war äusserst gerührt, und sprach dann von den Eindrücken des ersten Winters auf ihn und seine Familie, welches aber, wie er es wohl erkannte, mit den Beschwerden auf der Insel in keinem Falle zu vergleichen war, auch sie alle sich jetzt keine Klagen erlauben würden. – So wahr ist es, dass die Betrachtung welche wir über den Zustand der weniger Glücklichen anstellen, uns zufriedener mit unserem Schicksal, und menschenfreundlicher gegen andre macht.
Die hier angesiedelten Familien aus unserm vaterland haben eine in Oberschwaben übliche Gewohnheit eingeführt, alles spinnt, weil im feld nichts zu tun und alles Ackerwerkzeug ausgebessert ist, so kommen sie nach der Reihe in den Nachbarshäusern zusammen, bringen ihr Abendbrod mit, und die Hausfrau gibt jedem einen Becher Milch oder im haus gebrautes leichtes Bier, dabei wird gesungen, in die Wette gearbeitet und fröhlich schlafen gegangen. – Bei Wattines ist alle Tage das alte Bild der Schlosshallen in verflossenen zeiten sichtbar, an dem grossen Camine wird gekocht, unweit davon die einfachen Mahlzeiten genossen und wenn alles gesäubert und aufgeräumt ist, spinnt die Frau und der Mann, welche als Knecht und Magd bei ihnen leben, das Mädchen lernt von Madame Wattines nähen und stricken, Carmil und Antonette spielen, Wattines hält sich so lange es Tag ist, mit dem Zimmermanne in der Arbeitshütte, um die Bekleidung seines Hauses bald zu endigen, ich bin fleissig an meinem Tisch und Stühlen, wenn aber Licht nötig ist, mit meiner Feder bei den Auszügen beschäftigt. Scriba, Vandek und Wattines nebst mir, leben auch gesellschaftlich, lesen auch zweimal die Woche in Scribas haus einmal die Zeitungen, das andremal etwas die Landwirtschaft betreffendes, und sprechen mit den Colonissen darüber. Fischfang beschäftigt auch, wenn es der Regen erlaubt, auch haben wir schon getanzt, fernere Arbeits- Handels- Bau- und Reichtumsplane gemacht, so fliessen selbst Wintertage im Genusse des Fleisses, des Mitteilens, der Entwürfe und Eröfnung der Aussichten auf glückliche zeiten, schnell und angenehm vorüber, so schnell, dass ich mich abwende von dem Gedanken des Frühjahrs, weil meine Abreise damit verbunden ist. Eine Lieblingsidee habe ich heute noch, in dem liebenswürdigen und so äusserst tätigen geist des edlen Wattines niedergelegt, meinen S a e p f l u g , welcher jetzt noch nicht brauchbar ist, indem noch Jahre hingehen werden, ehe der Ackerboden so genau von den Baumwurzeln gereinigt sein wird, dass man ebenes Feld genug vor sich haben kann, um den dreifachen Nutzen der Säfurchen Aussaat, Egge und Ersparnis von zwei Drittel des Saamenkorns zu geniessen: ich erhalte dafür von den schätzbaren Wattines getrocknete Pflanzen von ihrer Insel, nebst einem von Emiliens Händen aus Maisblättern geflochtenen Sonnenhut und Körbchen, welche, ich bekenne es, mehr, unendlich mehr für mich sein werden, als alle meine Schreinerarbeit für sie sein kann. Meine Schüler sind gute junge Leute, welche mir noch die Uebung ihrer verbesserten Handschrift zu danken haben, denn wie ich meine Auszüge und kleine Noten blattweis im Reinen habe, so müssen sie solche abschreiben, damit jeder ein Exemplar bekomme, und sich den Inhalt um so tiefer einpräge: bei diesem Anlasse sprach ich mit ihnen von der Buchdruckerkunst und dem hohen Werte dieser Erfindung, wodurch der Geist aller Nationen und aller Jahrhunderte, sich mitteilt und bekannt wird. Der Unterricht, welchen ich diesen Knaben gebe, ist für mich eine angenehme Wiederholung dessen, was ich lernte, und in Wahrheit, im Mitteilen mich bereichere, weil alles neu und deutlich auf einem abgekürzten Wege vor mir vorüber geht. In der eigentlichen Schule wird ihnen die geschichte von Amerika und den europäischen Colonisten erzählt und zu Leseübung gegeben, welches ich als vortreffliche Anstalt des Vorstehers betrachte, weil es sie mit der englischen Sprache, welche sie ohnedem verstehen müssen, und mit den Vorbildern ihres Schicksals und der Verdienste des Fleisses und des Nachdenkens bekannt macht. –
Meine geliebten Wattines nehmen doppelte Lehrstunden im deutschen, einmal mit mir, dann spricht der Zimmermann mit ihnen. Der holde Carmil wächst mit der Kenntniss von drei Sprachen auf, und gab dadurch im Vandekschen und seinem eigenen haus schon manche liebliche Scene, wenn er nun seine Gespielen oder seiner Schwester neue Wörter lehren will, welche er haschte. Sein Vater lehrt ihn zugleich lesen und schreiben, welches bei dem Französischen sehr leicht geht, da aus ihrem c oder halben Ring so viele Buchstaben gebildet werden können, wobei die Kinder ihr Lieblingsvergnügen geniessen, allen Dingen eine andre Gestalt zu geben. In vielen, oder vielmehr im Ganzen wird sein junger Geist und Gefühl nach