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wollte. – Mein Zimmermann erhielt seinen teil aus den Händen des jüngern Bruders von dem Weber Philipp, dieser aber die seinigen durch seine Schwester, diese zwei braven deutschen zeichneten sich mit einem schätzbaren Gedanken aus, denn sie machten den Vorschlag, ihrem braven Lehrer Vandek, jeder zwei Stämmchen zu Vergrösserung seines Anteils zuzulegen, und ihn zu bitten, es als einen kleinen Beweis ihrer Liebe und Verehrung anzunehmen, und dabei zu denken, dass diese Gesinnungen für ihn immer wachsen und zunehmen würden, wie die Bäume seines Gartens.

Alle Colonisten stimmten mit Vergnügen ein, und es war ein schöner Auftritt, erst die Aemsigkeit zu sehen, mit welcher die Väter die schönsten Stämmchen aussuchten, und dann ihre Kinder zu dem Pfarrer abschickten. Philipps jüngere Geschwister sagten sehr treuherzig: unser Bruder und der brave Zimmermann haben noch keine Kinder, da schicken sie uns, Ihnen zu sagen, dass wir den Herrn Pfarrer lieben und ehren, wie alle andre tun. – Vandek war gerührt, dankte allen äusserst freundlich, und versprach diesen Bäumchen einen besonderen Platz und Sorgfalt zu widmen. Wattines bat sich von dem Vorsteher die Anweisung des Gartens für den künftigen Schullehrer aus, indem er dort in dem Namen seiner eigenen und aller Colonisten-Kinder, seinen Anteil pflanzen wolle; alle sahen auf ihn und nickten ihm Beifall zu, der Vorsteher lächelte gegen alle und trat dabei etwas vorwärts indem er sie anredete:

Meine Freunde und Miteinwohner haben mir beinahe nichts zu tun übrig gelassen, als ihren Lehrern zu der Liebe Glück zu wünschen, welche man ihnen bezeigte: ich bitte aber nun alle! ihre Obstbaumstämmchen als ein Herbstgeschenk von meiner Hand anzunehmen.

Der Ausdruck des Staunens auf den Gesichtern, und das eifrige Zudringen so vieler hände, welche jede die Hand des Gebers fassen und danken wollten, die Freude, mit welcher jede Familie ihren Anteil heim trug, machte diese Stunde zu einer der schönsten des ganzen Jahres, sagte der Vorsteher. Philipp und der Zimmermann freuten sich aber sehr, den Gedanken des Geschenks für den guten Herrn Pfarrer gefasst zu haben, ehe sie wussten, dass sie die Bäumchen umsonst erhalten würden. – Vandek segnete den Vorsteher für die wohl ausgedachte Gabe an seine Gemeinde, und Wattines drang darauf, das Persprechen zu haben, den folgenden Morgen den Schulgarten ausgemessen zu bekommen. – Ich, der als Zeuge des schönen Wetteifers, welcher alle Bewohner der freundlichen Hütten beseelte, so viel Vergnügen genossen hatte, war begierig auch etwas zu tun, und sagte: dass ich wünschte, den Arbeitslohn für die Umzäunung des Schulgartens zahlen zu dürfen, und auch dieser Wunsch wurde gut aufgenommen.

Der Vorsteher hatte nun noch mit den Fuhrleuten Geschäfte zu besorgen. Ich ass mit Vandeks zu Nacht, freuten uns noch dieses Abends, und fanden, dass viel Gutes geschehen und geweckt werden kann, wenn die Vorsteher mit einer menschenfreundlichen überlegung, in die Bedürfnisse ihrer Untergebnen eingehen, und ihnen in einem schicklichen Moment eine Wohltat erweisen. – Wattines, welcher, wie beinahe alle seine Landsleute, ein gebohrner Obstgärtner ist, ging den andern Tag bei den Colonisten umher, ihnen bei dem Pflanzen ihrer Bäumchen guten Rat zu geben, und besetzte den Schulgarten recht artig. Junge Leute kamen, ihm arbeiten zu helfen, und von ihm zu lernen. Der edle Mann ist ein wahrer Segen für diese Colonie, durch die Begierde, welche sich unter alle Colonisten verbreitet, auch so geschickt und so schön zu arbeiten, wie er. Nun ist wirklich der nordamerikanische Herbstregen eingetreten. Solche Wassergüsse sah ich nie, und wie glücklich finde ich mich in meiner kleinen Schule und bei meiner Schreinerei, wie viel mehr aber in Wattines Bibliotek. Nun fühlte ich die Wahrheit des Ausspruchs von dem edlen Lord Falkland, i c h b e k l a ge den Unwissenden, an einem Reg e n t a g e . Schauer überfiel mich bei dem Gedanken, was unsere teuren Wattines auf ihrer einsamen Insel ohne die hülfe ihrer Bücher geworden sein würden. Beide segnen auch die Anwendung, welche sie von dem Lehrsatze machten, dass man bei Veränderung eines Landes zu dem andern, wegen seiner Gesundheit das C l i m a , wegen Ruhe und Sicherheit d i e G e s e t z e , sich bekannt machen solle: ihr guter Schutzgeist aber ihnen dabei zuflüsterte, bei dem Wechsel von Europa mit Amerika, nicht nur diese Vorsicht für ihr körperliches Wohl, sondern auch gegen die Leiden der Seele, bei einem vielleicht einsamen Wohnsitz, und Entfernung von allen geselligen Vergnügen zu befolgen.

Diese innere stimme habe ihnen gesagt, ihre Büchersammlung mitzunehmen, weil W i s s e n s c h a f t ein so wesentlicher teil des Glücks edler Menschen sei, und man in wohlgewählten Büchern, immer den Umgang einsichtsvoller und erfahrner Männer aller zeiten und aller Nationen geniesse. Ach diese belehrten uns auf der einsamen Insel, dass Regengüsse und Stürme, Hitze und Frost, der Fruchtbarkeit der Erde eben so nützlich sind, als Widerwärtigkeit und Beschwerden des Lebens der Menschheit, welche die Tugend ihrer Seele, und die Fähigkeiten ihres Geistes übten, – gute Bücher also immer treue Freunde und lehrreiche Gesellschaft sind. –

Dieses Gefühl der Ehrfurcht und Liebe, mit dem lebhaftesten Ausdruck der Dankbarkeit verbunden, erscheint in Wattines schönen Zügen, so oft er einen Band seiner Bibliotek für sich, oder für Vandeks oder mich holt; oft auch bemerkte ich es, wenn sein Auge auf den Bücherschrank geheftet war,