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. Beide Wattines schienen mit unserm Herder äusserst vergnügt, da er den Liebling der besten Menschen von der ganzen Nation mit Verehrung nannte, aber Wattines wurde entzückt, seinen B e r n a r d i n d e S t . P i e r r e den Schüler Fenelons nennen zu hören, und indem er sagte: O er war es, er kannte Fenelons Geist ganz! hatte er schon den ersten Band von den Studien der natur geholt, und sagte im blättern:

Ihr Freund schätzte Fenelon, weil er gegen gewaltsame Religionsbekehrungen eiferte. – Sehen Sie, wie sein Schüler diese Seite des Charakters des wahren Bischoffs darstellt, da er von den zeiten spricht, sagte er gegen Emilie lächelnd, wo unsere Voreltern noch vor Freude hüpften, wenn sie einen wilden Pflaumenbaum entdeckten, oder in den Ebnen der Normandie ein Reh im Laufen gefangen hatten, und ihre Priester, die Druiden, ihnen eine Menge Vorurteile und Grausamkeiten im Namen ihrer Gotteit einflössten, unser Fenelon mit seiner Tugend zu ihnen getreten, und gesagt haben würde: Wie irrend ängstigt Ihr Euch und das Volk durch fürchterliche Begriffe von unserm Urheber, welcher diese Ausbreitung falscher Ideen an Euch selbst durch bange Erwartungen straft! Spricht er nicht zu den Menschen durch tausend um sie verbreitete Wohltaten? Ihr sucht sie durch Furcht zu regierenMeine Religion ist, sie durch Liebe zu leiten, und wie die Sonne Gute und Böse beleuchtet, gegen beide wohltätig zu sein. – Gewiss hätte er ihnen zugleich Geschenke der natur bekannt gemacht, und den Nutzen der Waizengarbe, des Traubenstocks und der Schafwolle gezeigt. O wie würden unsere Voreltern ihm gedankt und seine Religionsgrundsätze befolgt haben!

Dieser Geist, setzte er hinzu, verband unsern St. Pierre als Schüler mit Fenelon, und, fiel ich ein, schaffte ihm an Herders Hand eine Stelle neben seinem Lehrer, weil jede von Bernardin Schriften, bis auf die kleinste Erzählung, im Geist der Menschenliebe geschrieben wurde, da er so gerne die natur mit der geschichte der Menschheit verbindet, von welcher er das Gute mit so viel Freude, das Böse mit so viel Milde erzählt. – Mit Recht setzte Herder den guten A b t S t . P i e r r e unter die Menschenfreunde, weil er Gerechtigkeit, Tugend, Vernunft und Wohltätigkeit lehrte. Emilie wurde über das Lob der Quäker äusserst gerührt, da Herder sagt, dass sie von Penn an eine Reihe verdienstvoller Männer nennen, welche zum Besten der Menschheit mehr getan haben, als tausend a n m a ss e n d e W e l t v e r b e s s e r e r : die tätigsten Bemühungen zu Abschaffung des Negerhandels und des Sklavendienstes kamen von Quäkern, und auf dem Denkmahl im Vorhof des Tempels a l l g e m e i n e r M e n s c h l i c h k e i t , dessen Bau künftigen zeiten bevorstehet, werden die Namen von Quäkern glänzen.

Kaum hatte ich diese Stelle übersetzt, als Wattines und Emilie sich bei der Hand fassten und sagten: O wir wollen den Namen unsers wohltätigen Freundes John eingraben! – Tränen der Rührung und der Dankbarkeit füllten ihre Augen, und ich kann wörtlich sagen, ihr Mund überfloss von dem Ruhm der Tugend und der Weisheit des väterlichen Freundes. – Dass Herder auch M o n t e s q u i e u unter die Wohltäter der Menschheit stellte, hatte einen Ausruf der Freude hervorgebracht, indem wir alle den vortreflichen Mann mit gleichem Eifer lieben und ehren. Hier behauptete ich aber einen Vorzug, weil ich die schöne Wallfahrt der Hochachtung zu dem Wohnsitz seiner Familie bei Bordeaux machte, das alte einfache Schloss la Brede, mit der grossen Halle voll Bücherschränken, die getäfelten Zimmer und hundertjährige Tapeten, wie Reliquien verehrte, und mich so sehr freute, das Haus zu kennen, in welchem Montesquieu gebohren wurde, und das kleine Kabinet gesehen hatte, in welchem er das grosse Werk über den Geist der gesetz schrieb. – Wir sachten in der Encyklopädie und dem Dictionaire des Hommes illustres die Namen aller dieser Männer, auch Penn nach, feierten das Andenken ihrer Verdienste, und machten Wünsche, dass sie Nachfolger haben möchten.

Doch hören Sie, wie einer der schönsten Züge aus des edlen Montesquieu Leben, durch Emilie verherrlicht wurde, indem sie ihn ihrem Mann zueignete, als wir auf die Stelle kamen: M o n t e s q u i e u suchte das Glück seines Lebens nicht in der grossen Welt und grosse Gesellschaften, denn er floh stets sobald als möglich in das gotische und einsame Wohnhaus seiner Voreltern zurück, wo ihn seine P h i l o s o p h i e , seine B ü c h e r und R u h e erwarteten. – In seinen müssigen Stunden war er von Landlenten umgeben, wo er nach erschöpfter Kenntniss des Geistes der Nationen und des Zirkels der Gelehrten, in diesen von der natur allein unterrichteten Menschenseelen sich umsah, und oft behauptete, von ihnen gelernt zu haben. Er sprach vertraulich mit ihnen, und suchte, wie Sokrates, ihren Geist durch fragen zu üben und zu entwickeln, entschied und verglich ihre Streitigkeiten, und unterstützte sie in allen ihren Bedürfnissen.

Ich bemerkte wohl, dass Wattines stimme sich immer mehr änderte, je weiter er las, endlich zu stark gerührt, das Buch hinlegte, und sagte: Montesquieu war Präsident eines Parlaments, wo ist sein Geist