Jahr zu 365 Tagen gezählt, verfliessen? Es sind, sagte er, 47 Millionen 304 tausend Secunden.
Wie mühsam und fleissig lernte Fuller, ohne dass er lesen oder schreiben konnte, indem die geschichte seiner Rechenkunst darin bestand, dass einer seiner Nebensclaven ihn bis hundert zählen lehrte, er aber nachdem sich in Berechnung der Körner eines Scheffels Weitzen übte, und am Ende genau wusste, wie viele Körner zu der Ansagt dieses oder jenes Stück Feldes erfordert würden. – Hier sagte Emilie: was würde eine edelgesinnte, menschenfreundliche herrschaft aus einem solchen Genie, mit solchem Fleisse vereint, gebildet haben! Warum gab ihn das Schicksal nicht in die hände des vortrefflichen Benezet? was würde Fuller für ihn, wie viel für seine Schule gewesen sein, der Schüler B e w e i s der unendlichen Fähigkeiten der Negers, der Lehrer B e w e i s , dass Europa Herzen voll Güte und Gerechtigkeit hat. Wie würde Fullers edle Seele die Hand gesegnet haben, die seinen Geist in allem angebaut hätte. Er, welcher seiner herrschaft dankte, weil sie ihn nicht verkaufen wollte. – Ich bekenne, setzte Wattines hinzu, dass es mir Freude machte, als ich hörte, dass die schöne Seele voll Menschenliebe dieses Benezet aus Frankreich stammte; doch vereinte sich mit der gerechten Bewunderung dieses grossen Characters, sehr bald die schmerzvolle Betrachtung, dass ich hier, in dem Herzen von Nordamerika, die überfliessende Güte eines Franzosen segnen und wünschen muss, dass Frankreichs Adel und Geistlichkeit, in der Nationalversammlung, einen solchen menschenfreundlichen Verteidiger gefunden haben möchten, als die Negers in der Seele unsers Benezet trafen. Nun schwieg er ernstaft vor sich hinsehend, und ich bemerkte, wie tief diese Vergleichung sein Herz verwundete, und ihm Trauerscenen zurückrief. Ich suchte ein Mittel, ihn von dieser Vorstellung abzulenken, aber ehe ich eines finden oder wählen konnte, zeigte sich Wattines Herz durch Betrachtung fremder Tugend, und des Wohls anderer Menschen gestärkt und erheitert, indem er ausrief: Wie glänzend erscheint zu beiden Seiten der englische Nationalgeist, denn dieser unterstützte Venezets Bemühungen zum Besten der Negers mit Gold und mit Fürsprache bei der Negierung; so wie dieser edle Geist jetzt, tausend und tausend verfolgte Unglückliche, des französischen Adels und der Geistlichkeit, unterstützte und aufnahm.
O, meine Freunde, wer kann es Wattines übel nehmen, wenn bei solchen Anlässen Rückerinnerungen, Trauer und Wünsche in seiner Seele entstehen? – Wer sollte ihn nicht bedauern und doppelt lieben, wenn man den schmerzvollen aber schönen edlen gang seines Denkens und seines Lebens beobachtet? Mir wird er auch immer unvergesslich bleiben, und mit äusserstem Kummer werde ich mich von ihm trennen. – Indessen will ich seine Verdienste um die Colonie nachahmen, und daneben mein Andenken in einigen Familien stiften; denn ich habe mich zum Unterricht im Zeichnen erboten. Da werden nun alle Tage fünf Knaben auf zwei Stunden zu mir in die Lehre gehen, mit welchen ich von der Nutzbarkeit und dem Vergnügen der Zeichenkunst sprechen, und davon bei der Ausarbeitung des Tisches und der Gartenstühle Beweise geben will; wobei sie zugleich die Anfangsgründe und Handgriffe der Schreinerei lernen können; und da ich aus freundschaftlicher Phantasie meines Herzens diese Stücke für Wattines alle allein verfertigen werde, so kann ich den Knaben daneben vorzeichnen, ihre Versuche korrigiren, und mit ihnen reden; so können sie dabei den Wert der Einteilung der Zeit, und des überlegten Fleisses eines einzelnen Menschen kennen lernen.
Ich sprach ehegestern mit den edlen Wattines von dieser idee; sie fanden für seht gut, aber da ich hinzu setzte, dass ich den Jungens zugleich von alle dem sagen würde, was Herr Wattines bisher allein gearbeitet habe, so bat er mich, es ja nicht zu tun, indem es schon allen Einwohnern bekannt sei. – Lassen Sie meine Felder und meine Blumen von Nutzen und Vergnügen meines Tagewerks reden, und gönnen Sie mir den Genuss Ihrer vorzüglichen Freundschaft, ohne die Besorgnisse, eines Fremden Schmerz über ihren Mangel, oder des Neides darein zu mischen. – Ich bitte Sie darum, sagte er, mir die Hand drückend; aber indem ich die Klugheit, Bescheidenheit und Menschenkenntniss, des Mannes bewunderte, stand Frau Wattines von ihrer Arbeit auf, ging an den Bücherschrank, und holte, da sie den Ausdruck T a g e w e r k in der Unterredung ihres Mannes bemerkt hatte, den kleinen Band, des von Gin übersetzten Hesiodus, reichte ihm mit anmutsvoller Errötung und einem halben blick nach mir, ihrem Wattines dar, wobei sie sagte: Lieber! unser Freund will mit den guten Knaben von nützlichem Tagewerk reden, du willst nicht genannt sein, könnte nicht aus dem guten alten Hesiod etwas zu ihrer Belehrung gezogen werden?
Was ist, meine Freunde, mein Zeichnen, mein Schreiben, da ich nicht fähig bin, diese Frau mit dem Buch in der Hand darzustellen, oder die Miene und den Ton zu beschreiben, welche ich sah und hörte. Wie viel weiblicher Geist, Feinheit und Wohlwollen liegt hier vor uns! – Ich war da, staunend und äusserst gerührt, Wattines sah auf mich und sie, lächelte, nahm das Buch, und sagte gegen mich: In Wahrheit, Emilie hat das beste für Ihre Absicht gefunden. – O benutzen Sie ihn, den guten Hesiodus, indem er mir ihn darreichte.
Ich wusste wohl, dass die Griechen einen Dichter dieses Namens hatten, kannte die Zweifel, ob er vor oder nach Homer lebte; aber da ich