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ihren Eltern in Amerika, ich durfte nicht mit, weil mein Vater dem grab zuging; aber da meine gute Mutter wusste, dass ich ohne Susanne nicht leben könnte, versprach sie mir, sobald der Vater bei Gott sein würde, mit uns allen herüber zu gehen. Sie hat Wort gehalten, die gute Mutter, wir sind hier; Susanna und ich wollen ihr auch Wort halten, dass sie bei uns glücklich sein soll, in gesunden und kranken Tagen, ohne dass sie viel arbeite. –

Meine Freunde erkennen hierin mit mir nach dem alten allgenieinen zeugnis, einen runden redlichen Schwaben. – Ich wollte nun meine fragen Schritt vor Schritt fortsetzen: Wo ist denn seine Susanna? – Ei hier in dem hölzernen dorf, sonst würde ich nicht hergekommen sein; aber ich ginge noch viel weiter nach ihr, wenn es sein müsste, doch danke ich Gott, dass wir da sind. Es ist schön an dem hellen wasser, es gefällt auch der Susanne recht wohl, und sobald unser Haus fertig ist, wird uns, hat sie gesagt, ein recht braver Geistlicher einsegnen, und wir wollen recht gut haushalten.

Wer sind die Eltern seiner Susanne? – Die braven Beckersleute, welche Ihr gutes Brod backen, und gewiss dabei die besten Kornbauer sind. – Ich habe nie nichts von ihnen gehört, sagte ich. Er staunte, und erwiderte schnell: Das wundert mich, denn er ist der rechtschaffenste Mann, und seine Tochter Suse war immer das schönste Mädchen in unserm dorf, schon in der Schule, und dann bei dem Tanz. – Ernstaft fragte ich: Versteht sie aber auch die Feld- und Hausarbeit von einer guten Landwirtin? – O das werden Sie sehen. Sie ist fleissiger und geschickter, als zehen andere, und immer gut und lustig dabei. – Nun so wird sie eine gute und schätzbare Amerikanerin werden; denn diese sind munter, sehr fleissig, und wie die Engländerinnen in allem reinlich.

Ich konnte alle weibliche Verdienste nennen, Susanne übertraf alles. Sie war über das Meer gegangen, und liebte ihn wie vorher, hatte vielen andern gefallen, wollte aber nur für ihn leben, und ich würde sehen, wie glücklich sie sich in ihrer treuen Liebe fänden. Nun war der erste Zug von Glück, dass unser Zimmermann schon behauene Bäume daliegen hatte, welche heute auf den Platz des neuen Hauses geführt wurden, und alles Hand bot, damit es bald in wohnbaren Stand komme. Die Braut kam Abends mit Mutter und Schwester, uns Kuchen auszuteilen, uns zu danken, zu beweisen, dass sie eine recht artige Hausfrau sein würde. Sie hatten in der Frühe bei dem Vorsteher als Brautleute sich gemeldet, und als die zwei Mädchen mit Körben voll Kuchen, Philipp und sein Bruder aber ein Fass gutes Bier herbeibrachten, liefen kleine Jungens und Mädchens mit Blättern und kleinen Baumästen um sie her, und riefen: G l ü c k z u , junge Frau! – Glück zu, junger M a n n ! – und streuten die Blätter und Zweige vor ihnen her. Die alte Mutter fand dieses schön und von guter Vorbedeutung. Der Kuchen und das Bier wirkten auch so stark auf die freiwilligen Arbeiter, dass der Zimmermann versicherte, morgen Abend fertig zu sein, und bat Weiber und Mädchen zu hülfe bei dem Ausstopfen der Fugen und Lücken, denn kleine Knaben und ganz junge Mädchen rauften Moos dazu. Die Dankbarkeit der neu angelangten Familie war äusserst rührend, da sie sich Glück wünschten, unter so guten Nachbarn zu leben. Ich stand unweit Philipps Mutter, welche mit ihren Blicken bald ihrem Sohn, bald Susannen folgte, welche, während die andern nach dem Vesperbrod noch Balken und Breter tragen halfen, mit einem Rechen die Spähne zusammenraffte, und einer Frau, die ihr zurief: o das Holz ist ja umsonst! antwortete; ich spar' es doch, es ist Gottes Gabe. Da rollten der alten Frau Tränen von den Backen, indem sie zu mir sagte: Lieber Herr! bekommt mein Sohn nicht eine gute Frau? Ich versicherte sie, dass ich es glaubte. Nun sprach sie fort – O ich habe ihr alles von Jugend auf angesehen, sie ist auch mein Patchen. – Dieses letzte däuchte mich mit dem Tone gesagt zu sein, als ob sie der alten Sage sich erinnerte, welche in unserm vaterland zu haus ist: dass die Kinder den neunten teil des Charakters ihrer Taufpaten bekommen.

Philipp hatte so eben einen Balken zu dem inneren teil des Hauses getragen, kam zurück, wieder einen zu holen, bot Susanna vorbeieilend die Hand, und wollte weiter; die Mutter rief ihn, und streichelte seine Achsel, indem sie fragte: hat dich der Balken nicht zu schwer gedrückt? – Nein, liebe Mutter! er war zu Eurer stube, und sie wird bald fertig sein.

Schön war diese Antwort, und schnell war er aus unsern Augen. Die Mutter blickte auf mich, gleich als ob sie sagte: Habt Ihr gehört, wie mein Sohn denkt? Ich erwiderte: Gute Frau! Sie hat recht gute Kinder, ich wünsche Ihr Glück! – Mit Tränen im Auge dankte sie mir, und setzte hinzu: Ja Gottlob! es sind gute brave Kinder, und es freut mich sehr, dass es schon einer von den Herrn in diesem fremden land weiss.

Susanna, welche neben ihrer Arbeit immer nach ihrer Schwiegermutter blickte, bemerkte nun, dass sie sich