Bäumen auch einen Tisch und Stühle nannte, so will ich nicht nur die erstern pflanzen, sondern auch diese verfertigen, und dabei, wie er von dem Ankauf seines Eisendrats sagte: es war Phantasie, welche am Ende ernstaft nützte – so sage ich, in meinem vaterland erschien meine genaue Befolgung der Grundsätze des Rousseau, die Schreinerei zu lernen, auch als Phantasie, und jetzt hilft sie hier meinen Freunden, einen Dienst erweisen, und Vergnügen zu machen. Mit dieser Arbeit wird mein Winter sehr angenehm verfliessen, denn ich will jedem Stück den höchsten Grad Vollkommenheit geben, der in meinen Kräften steht. – Vielleicht wird dieses Vorhaben zum Beweis, dass die Freundschaft einen Schwaben zu einen eben so geschickten Schreiner machte, als die Liebe einen Holländer zum Maler schuf. Aber ehe ich an diesem Entwurf Hand anlegen kann, werde ich mit der ganzen Colonie an einem Tempel der treuen Liebe arbeiten helfen, wovon ich hier die kleine geschichte erzählen will. – Vorgestern kam noch eine neue Colonistenfamilie hier an, welche in einem jungen Weber, seiner Mutter, einem Bruder und Schwester besteht. Da es schon spät in der Jahreszeit ist, waren wir alle verwundert, noch Leute ankommen zu sehen. Neugierde führte alles zusammen. Ich ging mit, und sah gerade noch, wie ein ziemlich hübscher junger Mann einer ältlichen Frau mit grosser Sorgfalt von dem Wagen half, sich unter den vielen Menschen eifrig umsah, den Hals nach den abgesetzten Häusern ausstreckte, und jemand fragte: wohnt der Becker Illig weit weg? Ja, sagte ich, am obersten Ende der Strasse. Er wurde rot, blickte traurig auf die alte Frau, welche er bei der Hand fasste, und zu mir sagte: O lieber deutscher Herr! w o l l e n S i e n i c h t e i n e n Augenblick bei meiner guten Mutt e r b l e i b e n , bis ich wieder von dem Becker komme.
Ich will gewiss gleich wieder zurück sein, sagte er gegen die Frau, sie lächelte unter Tränen, und antwortete liebreich: geh in Gottes Namen – und fort war er wie ein Pfeil, längst der Strasse hinauf. Alle sahen ihm staunend nach, die Blicke der Mutter blieben auf ihn geheftet; endlich sagte sie, ihre Augen zum Himmel erhebend: Guter Philipp! Gott helfe dir! dann wandte sie sich zu mir, und fragte: ob der Becker und seine Kinder noch lebten? Bei der Antwort ja, dankte sie Gott mit freudigem Wesen, und gegen ihre Tochter: ach jetzt wird ihm wohl sein.
Indessen war der Fuhrmann mit dem andern Sohne und einem Colonisten zu Herrn Scriba gegangen, und die Tochter der alten Frau sprach bescheiden und gutartig mit den Leuten umher, bat einen Mann, ihr einen Pack von dem Wagen heben zu helfen, damit ihre Mutter sich setzen könne, bis die Brüder wieder kämen. Die Mutter wollte es nicht, sondern sagte, sie würde ein wenig mit mir sprechen, und kehrte sich etwas ab, als ob sie mit mir dem Sohn nachgehen wollte. – Traulich sah sie in mein Auge, und sagte: Herr! Sie sind gewiss ein guter Landsmann, Ihnen will ich auch sagen, warum mein Sohn so fortlief. Des Beckers älteste Tochter ist schon zwei Jahre seine Braut, da ist es ja natürlich, dass er sie gleich besucht. – Ich fand es auch so, indem ich aber fragen wollte, so rief die Tochter, auf die Strasse deutend: Mutter, da kommt Philipp und Suse gelaufen. Wirklich kamen sie, und diese eilte auch entgegen. – Die arme Suse war ganz ausser Atem, als sie uns erreichte, und der alten Frau um den Hals fiel, indem sie rief: Mutter, Mutter! Diese hielt das Mädchen umsasst, und sagte: liebe, liebe Susanna! Der Sohn, äusserst gerührt, nahm eine Hand von Suse, und wiederholte: o gewiss, liebe, liebe Susanna! – Wir alle nahmen Anteil an dieser Familienscene.
Indessen hatte Herr Scriba die Zeugnisse und nötigen Schreiben gelesen, und kam mit Herrn Vandek, mit den Leuten zu sprechen. Der Becker war nun auch da, und bot der Frau und Tochter sein Haus an. Ich trat auf, und sicherte den zwei Brüdern die Abteilung meiner stube, Wattines gab seine Scheune, um ihr Gepäcke dort abzuladen und zu verwahren; andere sagten zum Becker, sie wollten zum Essen beitragen, alle gingen mit der Freude über neue Landsleute beschäftigt nach haus. Ich besorgte den Schlafplatz der jungen Leute, welche ich, da sie nach dem Abendbrod bei dem Becker zu mir kamen, ausfragte: Warum seid Ihr nicht früher aus Europa herüber gereist? Treuherzig sagte Philipp: Ach, mein Vater konnte nicht früher sterben, und dann weinte die Mutter so lange, dass viele Zeit hinging, ehe das Haus und Gütchen verkauft wurde. Helfen Sie, lieber Herr, aber doch hier, dass meine Mutter in dem neuen haus ein gutes Stübchen bekommt, meine Schwester wohnt dann bei ihr, ich und meine Braut in der grossen stube, und mein Bruder will nur ein Winkelchen. Ich versprach ihm, mit dem Zimmermann zu reden, sagte aber nicht, dass mir die Mutter etwas von der Braut gesagt habe, und fragte scherzend: also hat er eine Braut mitgebracht? – Ach nein, so glücklich war ich nicht! Susanna ist schon ein Jahr mit