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sehr natürlich finden, dass Wattines und ich auf den Inhalt begierig wurden: es waren wenige aber schön gedachte Zeilen: –

über die Gärtnerei.

"Man hat sie s c h ö n e K u n s t u n d ü p p i g e P r a c h t l i e b e des glücklichen Ackerbaues genannt, mich dünkt sie der anständigste, tugendvollste Zeitvertreib, des mit Reichtum gesegneten Mannes zu sein. Sie ruft ihm die unschuldige Beschäftigung des ländlichen Lebens zurück, und die Ausgaben, welche er zu Verzierung seiner Gärten verwendet, gewährt ihm die Befriedigung seines Geschmacks am Schönen, und der Neigung zu Aufwand, welche immer mit grossen Glücksgütern verbunden ist; ohne gegen die moralischen Gefühle zu handeln. Liebe der Gärtnerei ist weit von den gewöhnlichen Vergnügungen der Höfe und der grossen Welt entfernt; denn sie besänftiget die empörten Leidenschaften der Seele, und jeder blick in ihrem holden Gebiete, scheint die zarten reinen Bande zwischen uns und der natur zu verstärken." Diese letzte von Emilie dem englischen Original zugegebne idee rührte mich, und ich sagte der frommen Frau: Sie werden auch so lange, als die Welt und Menschen, dauern, diese schönen, von Gott selbst im Paradiese geknüpften Bande, aber ich sehe in diesem Gedanken auch den Faden von der edlen sympatetischen Verbindung zwischen Ihnen beiden und Ihrem Lieblinge St Pierre. – Wie das? fragte Wattines sehr schnell. Weil mir das schöne wehmutsvolle Stück in Erinnerung kam, welches Sie mir auf der Insel vorlasen, wo St. Pierre von dem grab unter dem Eibenbaume so rührend sagt: u n s e r Staub bleibt da durch Tau und Regen, durch die Stralen der Sonne und des Mondes, durch den Wind, welcher die Grashalme auf unserm Hügel bewegt, in Verbindung mit der ganzen natur, – und Sie edler gefühlvoller Freund! setzte ich gegen Wattines hinzu, welcher auf der lieben Insel das Gebiet der Verwesung in eine Blumenflur verwandelte, Sie werden meine Bemerkung nicht unrecht angewendet finden. – Wattines drückte meine Hand und sagte:

O nein! mir ist im Gegenteile Ihre Aufmerksamkeit für alles was die Wattines der neuen Welt betrifft, Unterpfand Ihrer Liebe und Ihrer Teilnahme, und nun müssen Sie eine so eben entstandne Bitte meines Herzens erfüllen und hier in der Ecke des Gartens, nahe bei dem von dem Dach meiner Scheune halb bedeckten Platz, neben Carmils Garten, fünf Zuckerahornbäume pflanzen, welche in einem Halbzirkel stehend, unsere Namen tragen sollen. Ihr Friedrichsbaum in der Mitte, Emilie, ich, und unsere zwei Kinder zu beiden Seiten. – Diese von Ihnen gepflanzten Bäume, werde ich besorgen, und Blumen zwischen ihnen pflanzen, dort werde ich mit Emilien mich erinnern, dass Sie unsere Felder, welche man von der Stelle alle sieht, segneten, und unsern Garten anpflanzen halfen; dort soll ein Tisch und Stühle hinkommen, dort mein Carmil das erstemal die Geographie von Deutschland hören, bei Ihrem Namen soll er den Wert der edlen Wissbegierde, und die Eigenschaften eines edlen jungen Freundes kennen lernen, und bei dem Punkt von C a r l s r u h , wo Sie die erste und endliche Bildung Ihres Geistes erhielten, werde ich ihm den Weg der Kenntnisse bezeichnen, Begriffe von den Ländern geben, welche Sie durchreisten, von Ihrem Aufentalt bei uns erzählen, und ihm sagen, mit wie viel dankbarer Verehrung Sie sich stets Ihres verdienstvollen Lehrers der Matematik, und das edle Beispiel des Denkens und Lebens vom Rat Wucherer erinnerten, und dadurch so schön eine Tugend und Vorschrift des würdigsten der Kaiser befolgten; da Marc-Aurels Leben beweist, wie er noch als Regent des grössten Reichs der Erde, das Andenken seiner Lehrer segnete. – So will ich Ihr Andenken feiern. Ihre in der schönen Jahreszeit uns zukommenden Briefe sollen auch hier gelesen werden. – Wenn unsere Felder gut stehen, wenn alles im Garten blüht, will ich Carmil sagen: die Wünsche der wahren Freundschaft wirken noch über Berge und Meere herüber auf unsere kleine Besitzungen. Er soll auch jeden Frühling die Blumen besorgen helfen, welche zwischen den Bäumen gezogen sind, und bald, sehr bald, hoffe ich, soll er die Bedeutung fassen, welche ich damit verbinden werde: dass schöne Kenntnisse und abwechselnde angenehme Unterredungen, uns mit IhnenIhre wohlwollende Güte und Geduld, S i e mit uns verband, wie diese fünf Bäume durch die Blumengewinde verbunden sein werden. Er soll dort hören, dass ich am Ende Mühevoller Tage in Ihrem Umgange mich erholte, neue Stärke und Heiterkeit des Geistes sammelte, wie der Schatten der lieben Bäume mir in heissen Stunden erquickende Ruhe schafte, und Ihr Zuckersaft bittres Getränk versüsste.

Diesesmal brachte mich Wattines durch das liebliche Gemälde meines mir gewidmeten Denkmals auch zum Fliehen, denn er hatte dadurch meiner Einbildungskraft, meine Abreise und weite Entfernung so vorgestellt, dass ich die Pferde schon gesattelt, und einen Wagen zum Abfahren fertig sah. In dieser Empfindung umarmte ich ihn, ohne ein Wort zu sagen, und verliess ihn eben so eilig, als ob ich die Schmerzen des Abschiednehmens vermeiden und abkürzen wollte. Er hielt mich nicht zurück, weil seine lebhafte Beschreibung eben so sehr auf ihn gewirkt hatte als auf mich. – Ich dachte zu haus nach, ob ich nicht auch etwas finden könnte, welches Wattines zum fühlbaren Andenken bleiben möchte, und ich glaube einen guten Gedanken auszuführen, bei welchem mein Zimmermann mich unterstützen wird. Da Wattines bei den fünf