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er hinzu: Unser vortreflicher Prinz Conde zu Chantilly, unsere gute unglückliche Königin zu Triauon, und die Gemahlin des Grafen von Provence, bauten zu Ende der prächtigen Gärten kleine Dörfchen, um die durch den Glanz der Höfe ermüdeten Augen an dem kunstlosen Anblick wieder zu stärken, und sich da zu erholen. Ach, Emilie! nicht einmal diese Bauerhüttchen sind ihnen geblieben! – Wir haben einen Pachtof, ruhige wohlmeinende Nachbarn, friedliche Stunden zu Arbeit und Schlaf, können, wenn unsere, dem Leben der Erde nötige Haus- und Feldarbeit besorgt ist, den Anbau unsers Geistes, durch unsere Bücher fortsetzen, und den edlen Ehrgeitz zu vergnügen suchen, Modell einer verdienstvollen Pächterfamilie zu werden, welche dem Staat durch gute Kinderzucht nützliche Bewohner bildet. – Er umarmte hier seine in sanfte Trauer gesunkene Emilie, und sagte: wir wollen uns, meine Beste! in die zeiten des Adels der Normandie und der Schweiz versetzen, wo der erste von dem König unterjocht, der andre, wie wir, von dem Volk ihrer grossen Güter beraubt wurden, und kaum einen armen Meierhof erhielten, ihr Brod anzubauen. Die Normandie hat Frankreich, in dessen unterdrückten und verarmten Familien, eine Pflanzschule vortreflicher Seeoffiziere gegeben, in welchen die Namen alter Barone nicht mehr wegen Reichtum und Macht, aber durch Verdienst und Kenntniss neues Ansehen erhielten; wie man von den Schweizerfamilen sagt, dass sie durch Tapferkeit in fremden Kriegsdiensten, und durch Regentenweisheit in ihrem vaterland, ihren alten geschätzten Namen neue Verehrung erwarben. Unser Carmil soll hier nie von dem Adel seines Namens sprechen, aber den moralischen Adel der Seele in Wissenschaft und männlicher Tugend beweisen. – Ein, durch seinen Vater angebauter, zu reichem Ertrag und einfacher Naturschönheit gebrachter, Bauerhof, soll sein Erbteil werden. Die geschichte seiner Eltern soll er auch finden. Ich werde ihm sagen, dass sein Grossvater der Nordamerikanischen Regierung das so schöne Recht erkämpfen half, den Orden des Cincinatus zu errichtenIch werde ihm von den Ehrenzeichen erzählen, welche seine Voreltern in Europa erworben hatten, und will ihn zu den Tugenden bilden, welche den Namen des Cincinatus verewigten, und unserm Carmil einst gerechte Anwartschaft auf eine Stelle in diesem Orden geben sollen. – Und so, meine Emilie, stehen wir nun zwischen den in der alten Welt niedergerissenen und zu Boden getretnen Vorzügen unsrer Familien, und der aufblühenden hoffnung, in der neuen Welt den Namen Wattines auf der Höhe des edlen nützlichen Verdienstes neu glänzen zu sehen.

Wie innig waren unsre Blicke auf Carmil geheftet, und dann zum Himmel erhoben, welcher uns günstig schien, sagte Frau Wattines; denn nie hatten wir schönere Abendwolken gesehen: die holden jugendlichen Züge unsrer Kinder waren so schön beleuchtet, und die ganze Landschaft glänzte in dem Schimmer der Abendröte. Wattines sah mit Entzücken auf uns, und sagte dann lächelnd: ich hoffe, dass es zu den zeiten des Glaubens an Vorbedeutung auch einen jungen Vater gab, welcher in einer so lieblichen Stunde von Verdiensten und Glück seiner Kinder träumte, wie es mir so eben begegnete; war die Mutter eine Emilie, so genoss der alte Grieche oder Römer gewiss eine unaussprechliche Freude bei diesem prächtigen Niedergang der Sonne, weil es ihm Anzeige der Erfüllung seiner Wünsche war. Auf meine Einbildungskraft wirkte es nur halb, indem unsere Lehrsätze jede Deutung verwerfen, und ich jetzt auch alles in einen grauen Nebel sinken sehe. – Dieser Nebel ist mir, sagte Emilie, das Sinnbild des Schleiers, hinter welchem die göttliche Vorsicht, der ich mich und alles was ich liebe überlasse, die begebenheiten unserer künftigen Tage verbirgt, aber gewiss unsere Wünsche und Entwürfe nicht übel nimmt.

Mit diesen sanft dämmernden Ideen gingen sie nach haus, und freuten sich, dass der letzte Sonnenstrahl, welcher den ganzen See durchstreifte, noch einen Augenblick auf ihrer Hütte weilte.

Er musste, sagte die holde Emilie, an der Insel und unserer alten wohnung vorbei, ehe er den kleinen teil unsers jetzigen Aufentalts berührte, und dann an den Wipfeln der hohen Bäume verschwand, welche Wattines, von dem Geist des wahren Schönen geleitet, hatte stehen lassen. Meine Blicke folgten der Beleuchtung des letzten Blatts, und ich dachte tröstend: der erste Lichtstrahl, welcher die Nacht endigt, kommt wie der Hauch des Lebens meiner Seele von dem Himmel, und beide gehen zu ihm zurück, Mein Abendgebet war durch Wattines Betrachtungen, über das Vergangene, und durch seine Entwürfe für unsere Kinder, inniger geworden. Er seufzte und betete auch ganz leise, aber wir schliefen beide einen recht erquickenden Schlaf, wie die ganze natur; denn der schöne Herbstmorgen war nicht heiterer als wir. Nun hat Wattines Garten seine völlige Einteilung, und für die ersten Jahre bestimmten Anbau erhalten: alle Arten von Gemüspflanzen finden eine Stelle, alle haben auch schon ihre eigenen Vlumen zu gefährten angewiesen bekommen. Sie nehmen nicht viel Platz ein, und geben bei der grossen Ordnung des Ganzen, dem Garten einen Reitz, den kostbare Blumenstücke nicht haben. Als ich mit Wattines davon sprach, antwortete er lächelnd: ich glaube, dass diese Phantasie ein Ueberrest des Eindrucks ist, welchen ein gesellschaftliches Gespräch auf mich machte, worin Poeten und Maler den Kunst- und Weingärtner, prosaische Schriftsteller aber, den Weitzen und Gemüsbauer ähnlich gefunden wurden. Die ersten ergötzten und die zweiten nährten. Mein Garten verbindet beides, und ich kann sagen, meine Gemüs-Felder sind mit Blumen verziert, wie oft ein sehr nützliches prosaisches Werk mit poetischen dazu