, dass ich nur den Leidenschaften den Zugang erschweren möchte; weil diese immer das Glück der Menschen zerstören. Er lächelte und sagte:
Diess heisst dem Seefahrer sehr freundlich gewünscht, dass er keinem Winde ausgesetzt sein möge, weil es sehr gefährliche Stürme gibt; aber es ist männlicher zu sagen: Sorgen Sie für einen geschickten Steuermann. – Dieses werden wir bei der Erziehung unserer Kinder tun, indem wir soviel möglich ihrer Vernunft zu den Kräften helfen wollen, Schiff und Seegel, bei Wind und Ruhe, nach dem bestimmten Hafen zu bringen. –
Vortrefflich, sagte ich, – hier und in meinem fernen vaterland werde ich den Himmel um Segen zu diesem Plane bitten.
Dank, recht schönen Dank und Lohn für Ihre Liebe, erwiderte er, schwieg dann etwas nachdenkend, und ich rufte mir unsre Unterredung zurück, um auszufinden, ob ich etwas gesagt hätte, so ihn beleidigen könnte. Da ich ihn von Moment zu Moment forschend anblickte, sagte er, ich kenne ihn wohl, den traurigen Einfluss der Leidenschaften, aber sie sind in der moralischen Welt durch eine allmächtige Hand eingeführt, wie nützliche und schädliche Tiere unser liebes Amerika bewohnen. Wir Menschen haben aber die Kraft erhalten, beide zu zähmen und zu überwältigen, wenn wir nur immer eben so ernstaft für die Ruhe unserer Seele sorgten, als Sie uns hier, unsern Schlaf, und unsere Besitzungen gegen die Einfälle der Tiere besorgen sehen. Doch, wer die Vorsicht versäumt, wird durch Schaden klug, oder durch Unglück gestraft. Ich glaube, dass wir neuen Bewohner dieser Gegend alle, durch versäumte Vorsicht auf unserer ersten Lebensbahn Schaden genommen hatten, wünschen Sie uns nur, dass wir jetzt klüger sein mögen... Nun erwiderte ich, vergeben Sie mir, tbeurer Vandek! mich dünkt ich habe einen Gegenstand berührt, der Ihnen unangenehm ist. – Er sagte sanft aber ernst: bloss deswegen, weil er mir mit dem Wort leidenschaft, die Ursache meiner Entfernung von Freunden und Europa zurück ruft. Ein in mir liegendes Ideal vollkommner Regierung und Glück meines Vaterlandes, wurde der Gegenstand einer, wie ich glaubte, schönen und gerechten leidenschaft meiner Seele. Ich strengte mich an, verbessern und abändern zu helfen, es wurde auch Aenderung hervorgebracht, aber nichts besseres. – Ich möchte mir früher gesagt haben: wo Menschen sind, ist Unvollkommenheit. Sei du der beste, tue das beste in deinem Beruf, aber nicht mit leidenschaft, sie führt dich zum Verderben, und erbittert die andern. Sie, junger Mann! setzte er lächelnd hinzu, leiden auch an dem Weh der I d e a l e : nehmen Sie sich in acht! das wirkliche Leben leidet darunter; wir werden unzufrieden mit dem was wir hören und sehen, werden ungerecht und strenge gegen unsern nächsten und unser Schicksal, und was das schlimmste ist, man stiftet selten Gutes; wenigstens wünsche ich seit Jahren, dass nur Poeten und Künstler, die gefährlichen Reitze der Fähigkeit Ideale zu schaffen kennen möchten, weil diese ihr Glück dadurch gründen, und das Vergnügen der andern, durch Darstellung schöner Bilder befördern. –
Ich musste bekennen, dass er recht habe, sagte aber, dass ich die Gabe, Ideale zu denken, für ein süsses Geschenk der natur halte. Schnell fasste er mich bei der Hand, und antwortete:
Gut, bleiben Sie immer bei dem Genuss des Denkens und Dichtens; aber gehen Sie nie so weit, weder von sich selbst noch von andern ungewöhnliche Dinge zu fordern.
Während diesem gespräche waren wir aus seinem Loghouse herausgetreten, um noch etwas auf und ab zu gehen, als uns Wattines entgegen kam, und Vandek mir nur ganz kurz sagte:
Hier kommt ein menschliches Wesen, das wirklich zu Idealen gehört. –
Wie so, sprach ich?
Das werden Sie morgen auf der Insel hören, wohin ich sie führen werde. Wattines war nun bei uns, und erzählte von einem sehr glücklichen Fischfange, und dem Vorsatze, einen Versuch mit dem Einmariniren zu machen, wie sie es in Frankreich gewohnt waren. Diese Unterredung musste mit Madame Vandek fortgesetzt werden, ich ging also nach haus, diese Blätter zu schreiben, und auf etwas zu sinnen, womit ich, wie Vandek es wünschte, den guten Menschen nützlich werden könnte. O meine Freunde! ich war auf der Insel, und hörte Vandek erzählen. Nie, niemals wird der Eindruck erlöschen, welchen dieser Besuch auf meine Seele machte, nie habe ich süssere Wehmut und reinere Bewunderung gefühlt, und ich möchte hinzusetzen, nie die Menschheit in einem schönern Lichte gesehen. Ein Kahn brachte uns mit einem kleinen Vorrat Vesperbrod nach der mit hohen Bäumen bewachsenen Insel, deren Ufer von tausend, in Blüten, Blätter und Formen, verschiedenen Pflanzen besetzt, sie wie ein von Nymphen geflochtener Kranz zu umfassen scheint, welcher zwischen Wurzeln prächtiger Bäume durchgeschlungen, da und dort an gebogne abhängende Aeste geknüpft, sich zu Bade-Lauben bilden; denn das wasser der See ist so helle und rein, dass man Muscheln, Fische und Wasserkräuter wie in Crystal schwimmen sieht. Vandek schickte die zwei Ruderer mit dem Schischen zurück, weil er allein mit mir bleiben wollte, und sie uns erst um acht Uhr abholen sollten. Schmale Wege zwischen dichtem Gesträuch, leiteten uns zu dem etwas erhöhten teil dieser äusserst lieblichen aber tiefen Einsamkeit; endlich war ein ziemlich freier Platz mit Gras bedeckt vor mir, und bei dem Umwenden erblickte ich eine mit Mangolia und