der jugendlichen Eitelkeit hervorgebracht, sanfter auf seinen Wangen und in seinen Augen glühte, stand er schweigend vor ihr. Sie sah ihn lächelad an und sagte:
"Sein Sie froh, dass die fräulein in der Residenz zu mitleidig oder zu klug sind, Sie bei dem Worte zu nehmen, das Sie so rasch ausgesprochen haben. Wir würden sonst bald über Ihre Leiche weinen müssen, und das wäre doch zu früh." Ferdinand erwiderte, und ein Flammenblick begleitete seine Worte:
"Für eine einzige Träne aus solchen Augen wollte ich es schon wagen."
Und noch kühner setzte er hinzu:
"Spotten Sie nur; aber hüten Sie sich, diesem Fenster hinauszuwinken; denn ginge auch der Sprung durch die Erde, ich folgte dem Winke doch."
Nun zog sich Amalie sanft von ihm weg, fasste eine Gespielin unter dem arme und ging an das Klavier im Nebenzimmer.
5.
Beim Niederlegen sagte Hadem zu seinen Zöglingen:
"Morgen besuchen wir den Kammerrat Kalkheim; aber ihr müsst früh aufstehen, damit wir durch seine blühenden Felder wandeln, bevor die Sonne den Morgentau ganz aufgetrocknet hat. Die Lerche erhebt sich dann mit schmetterndem Gesange."
Sie brachen früh auf, und nach einigen Stunden sagte Hadem zu den Jünglingen:
"Hier fangen die Felder an, die unter des Kammerrats Aufsicht und Leitung bebauet werden. Vergleicht sie mit denen, an welchen wir vorübergegangen sind. Bemerkt doch, wie viel höher und voller die Ähren stehen, wie auf diesem überall blühenden und grünenden Schauplatze kein Fleckchen unbenutzt geblieben ist. Das ganze Land gleicht einem einzigen grossen Garten: so unschädlich und geschickt für Äcker und Wiesen sind die Fruchtbäume angelegt. Ehemals entbehrten die Einwohner der Gegend diesen frischen und erquickenden Genuss, und nun danken alle diese Bäume dem Kammerrat ihr Dasein und füllen reichlich die Behälter der Hausmütter. Die Kinder empfangen die süssen, gesunden Früchte aus den Händen der Mutter und geniessen sie unter dem Andenken ihres Wohltäters. Von jenem Hügel werden wir das Dorf schon sehen, in welchem der glückliche wohnt, dessen wohltätiger Geist diesen einst rauhen und unfruchtbaren Strich Erde so schön und blühend geschmückt hat. Es soll heute das Ziel unsrer Wanderung sein; den Rückweg nehmen wir durch eine andre Gegend, denn seine Verwaltung erstreckt sich über mehrere Dörfer und Felder."
Ferdinand hatte viel zu fragen. Hadem mischte in seine Antworten seine Gesinnungen über das Glück der Beschränkteit und Einfalt, um dem geist des reizbaren Jünglings die Richtung zu geben, die er ihm wünschte.
Als sie an das reine, wohlgebauete Dorf kamen, führte Hadem sie gerade nach dem haus des Kammerrats. Sie traten hinein, und Hadem bemerkte schon in dem Vorhause eine ihn befremdende Veränderung. Er öffnete die Tür des Zimmers, worin sonst Kalkheim wohnte, und fand hier alles verändert. Die Wände, die er bei seinen ehemaligen Besuchen mit den verschiednen Werkzeugen des Ackerbaues bemalt sah, waren blendend weiss übertüncht. Die Schränkchen an diesen Wänden, in welchen der Kammerrat in Flaschen oder unter Glase alle nötigen Gesäme in systematischer Ordnung aufbehielt, waren abgebrochen; das Bücherbrett im Winkel, alle Gerätschaften waren verschwunden, und das ganze Zimmer strotzte von langen Tischen und leeren Bänken. Hadem glaubte sich in dem haus geirrt zu haben und wollte schon umkehren, als ihm aus dem Winkel eine traurige stimme zurief:
"Nur immer zu, meine Herren!"
Hadem fragte nun nach dem Kammerrat, und der Mann sagte noch klagender:
"Ach, dass Gott erbarme! Er wohnt schon lange nicht mehr hier; aber ich armer, zugrunde gerichteter Mann – ein Gastwirt ohne Gäste – wohne hier in einem wirtshaus, das Ihr zum erstenmal als Gast betretet!"
HADEM: Ein Wirtshaus?
WIRT: Ja, ja! ein Wirtshaus, so schön als nur eins im land sein kann und so unbesucht als eins in dem grossen Teutschland. Haben Sie denn das Schild nicht gesehen, das so prächtig vergoldet über die Strasse hinüberhängt? Pracht von aussen, Herr, und Elend im inneren. Gras wächst vor meiner tür, dass der Hirt die Kühe nicht vorüberbringen kann, wenn er hinaustreibt. Haben Sie das nicht bemerkt?
Hadem trat an das Fenster und las die Aufschrift "Zum Verschwender" mit grossen goldnen Buchstaben. Das Schild selbst war mit einem anspielenden Gemälde geziert, das den Geist verriet, der es angegeben hatte. Und nun erfuhr Hadem: der Kammerrat sei von der kammer abgesetzt worden, man habe das Haus um einiger Schulden willen verkauft und zu einem wirtshaus gemacht. "Aber", setzte der Wirt hinzu, "es ist ein Kauf, der mich zum Bettler macht. Kein Bauer des Dorfs und der Gegend hat noch den Fuss über meine Schwelle gesetzt. Mit Vergnügen sieht jeder das Gras vor meiner tür wachsen und sagt laut: ich müsste in diesem haus entweder verhungern oder toll werden. Der Kammerrat, der mich bedauert, ist noch der einzige, der mich zuzeiten besucht; aber selbst sein Beispiel vermag nichts über die Halsstarrigen, die nie an meinem haus vorübergehen, ohne einen Fluch in ihren Bart zu murmeln. Und mich recht elend zu machen, spricht keiner ein Wort mit mir, keiner dankt meinem Grusse, in der Kirche muss ich allein sitzen, und selbst die kleinen Kinder laufen schreiend weg, wenn ich sie anreden will. Ich war bei dem Pfarrer, auch der schweigt und seufzt und scheint unzufrieden mit der kammer."
FERDINAND: Und warum setzte denn die kammer