ihm verdankt, wollen wir ihm nicht verdanken, und sollten wir auch das Unglück haben, seinem feurigsten Schüler zu missfallen."
Diese Worte drangen mit allem ihrem Gifte in Ernstens Seele; doch fasste er sich:
"Und dies ist alles, was der Fürst zur Antwort erhält?"
PRÄSIDENT: Alles, was Sie zur Antwort erhalten. Wir sind nicht allein dieses Fürstentums Adel, wir sind auch des Reiches Adel, haben Pflichten gegen dessen erhabenes Oberhaupt. Und nun noch eine Frage von unsrer Seite an Sie: Sagten Sie alles, was Sie uns sagten, kraft der Vollmacht des Fürsten?
ERNST: Nein.
PRÄSIDENT: Wir dachten es wohl! Und es ist darum gut zu wissen, wenn diese Rede etwa bis zu höhern Orten gelangte. So liegt ja in Ihrer Antwort unsre Rechtfertigung, und hier sind der Zeugen genug.
ERNST: Nun erlauben auch Sie mir eine Frage: Wer ist der Aufrührer (denn dieses wollten Sie mir doch vorhin sagen), der, welcher seines Fürsten Antrag mit Schweigen beantwortet, oder der, welcher Sie zur Beherzigung desselben nach Pflicht und Gewissen auffordert?
PRÄSIDENT: Unser Schweigen ist weiser, ehrfurchtsvoller für den Fürsten als Ihr Reden.
Leise zu ihm: Sie werden nun erst die Kraft des Wortes System kennenlernen, das Ihnen in Ihrer Jugend so abscheulich vorkam.
ERNST ebenso leise: Eben weil ich es mir damals so dachte, kam es mir so vor, und Sie haben nie ermangelt, seine Bedeutung in diesem Sinne zu rechtfertigen.
11.
Ernst ging zu dem Fürsten und meldete ihm alles, was vorgefallen war. Der Fürst hörte ihn an und sagte endlich:
"Junger Mann, wir sind hier die einzigen deutschen. – Die Herren wollen es so, und mir bleibt nichts übrig, als zu wünschen, dass sie den heutigen Tag nicht zu bereuen haben mögen. Ich fühle, was ihnen früh oder spät bevorsteht, und kann es nicht ändern. So handeln wir hier, während die wenigen edlen und Tapfern für das Vaterland fruchtlos fallen.
Fassen Sie Mut! Sie brauchen ihn jetzt; denn an diesem Tage muss ich Ihnen noch ein Trauerbote sein. In der letzten Schlacht, wo abermals das Blut der deutschen floss –"
ERNST: Mein Vater –
FÜRST: Er ist schwer verwundet.
ERNST: Oh, er ist tot!
FÜRST: Den Nachrichten zufolge, die ich erhalten habe und die einander widersprechen, nicht. Reisen Sie und stärken Sie ihn durch Ihre Gegenwart. Sie werden ihn in *** finden. Kann es Sie trösten, so sage ich Ihnen von ganzem Herzen: Sie verlassen einen Freund in mir, der auf Sie zählt, auf den Sie zählen können. Und nun geschwind. – Sie müssen noch heute fort.
Er reichte Ernsten die Hand, zog ihn in seine arme und drückte ihn an seine Brust, indem er sagte:
"Vergessen Sie nicht, dass ich auf Sie zähle, dass ich in diesen schweren zeiten Ihrer bedarf, dass Ihr Vater Ihre Pflicht mit seinem Blute auf den deutschen Boden geschrieben hat!"
Als Ernst aus dem Zimmer des Fürsten trat, bemerkte man seine Blässe, seine Tränen, sein Schwanken, sein hastiges Eilen. Die Bosheit fasste es auf, deutete es nach ihrem Wunsche und frohlockte schon über seinen vermeinten Fall. Sowie Ernst nach haus kam, befahl er, die Post zu bestellen und alles zur Abreise fertig zu machen. Er eilte zu Amalien, bei welcher er Ferdinanden fand. Die Worte des Fürsten hatten ihm sein Unglück nur allzu klar angedeutet, er sagte also, sein Vater sei wirklich tot oder habe nur kurze Zeit zu leben und er reise in dieser Stunde ab. Er fragte nach seinem Franz. Ferdinand lief, ihn zu holen. Tief gerührt nahte sich Ernst Amalien, sie liess ihr Haupt sanft auf seine Schulter sinken, und Tränen füllten ihre Augen. Sie bat ihn, Ferdinand mitzunehmen, da er gewiss in dieser für ihn so traurigen Lage eines Freundes bedürfte.
Ernst antwortete, indem er sie zärtlich küsste: "Sein Sie nicht für mich besorgt, Ihr Geist, Ihre Wünsche werden mich dortin begleiten. Ich weiss ja, dass ich hier die Quelle meines Trostes und Glückes zurücklasse und dass ich sie wiederfinde."
AMALIE: Ich bitte Sie, nehmen Sie Ihren Freund mit. Um der Gefahr willen –
ERNST: Wäre Gefahr für mich, so würde ich ihn umso weniger zum Begleiter wählen, und Sie wissen ja, er ist nicht in der Stimmung, die einem kummervollen Herzen wohltut. Wann ich ruhig bin, kann ich alles von ihm ertragen, da ich die Ursachen fasse. Vielleicht könnt ich dieses in meiner jetzigen Lage nicht, vielleicht könnte ich vergessen, dass er unglücklich ist. Liebe, die Menschen verlassen mich alle hier, ich will mir gerne den Freund meiner Jugend erhalten. Sagen Sie ihm darum ja nichts von meiner Äusserung über ihn, seine lebhafte Einbildungskraft könnte sie leicht in einem gehässigen Lichte ansehen.
AMALIE: So erlauben Sie, dass ich Sie begleite.
Ernst küsste sie heftig: "Oh, ich danke Ihnen für den Gedanken, für die Empfindung –"
Amalie sank auf den Sofa und drückte ihre hände an ihre Brust. Ferdinand trat mit Franz herein, und Ernst fuhr fort:
"Dieser – unser Franz bedarf Ihres Schutzes, nur unter Ihrer Aufsicht kann ich ihn verlassen."
Als Franz hörte, dass sein Vater ihn verlassen würde, rief