Sie das Misstrauen zwischen Bürger und Bürger, zwischen dem Fürsten und seinem volk. Gelang es Ihnen bei ihm nicht, so gelang es Ihnen vielleicht von der andern Seite. Soll es dahin kommen, dass er in seinem volk Verräter sehe, sein Volk in ihm, seinem Vater, einen feigen Tyrannen, der seinen fürstlichen Sitz schon unter sich beben fühlt? Wenn Sie dieses suchen, so haben Sie freilich die besten Mittel dazu erwählt, aber ich verweise Sie auf die Zukunft, wegen des Erfolgs für Sie.
Und wenn Ihre Blicke hier mich töten sollten – Sie schweigen ja, so lassen Sie mich reden! – Blicken Sie ergrimmt auf mich und schweigen Sie, bis Wort und Tat zu nichts mehr helfen.
Selbst die Prediger, die Lehrer der milden Menschlichkeit, der Güte und Sanftmut, haben Sie zu ihren Mitverschwornen gemacht. Sie, die das Volk in diesen traurigen zeiten unterrichten und trösten sollten, mussten von den Pflichten der Untertanen reden, als sprächen sie zu Sklaven, die Englands Gold an der brennenden Küste von Afrika kauft, in Ketten schlägt und nach andern Welten schickt, um dort unter dem Drucke des Elends, den qualvollen Strafen das Gold zu erwerben, wofür ihr Herr ihre zurückgelassnen Brüder kaufen kann, wenn sie selbst entkräftet niedersinken. Soll Ihnen unser menschlicher Fürst dafür danken, wenn er seinem volk unter diesem Bilde erscheint? Kann einer von Ihnen sagen, dass er ihm gleicht? Glauben Sie das Volk durch solche Vorspiegelungen in dem blinden, sklavischen Gehorsam zu erhalten, den Sie von ihm fordern? Glauben Sie, ihm dadurch Mut zu Ihrer Verteidigung einzuhauchen? Glauben Sie, das Volk sei so blödsinnig, Ihre Absichten nicht einzusehen? nicht einzusehen, woher Ihre plötzliche Furcht, Ihr Beben, Ihr Trotz, Ihre verlorne Hoffnung, es bei nahender Gefahr zusammenzuhalten, entspringen? Meinen Sie, es sähe nicht die Larve und den Grund der Heuchelei ein, wenn nun der längst verschriene Ungläubige am öftersten zur Kirche geht? wenn Leute laut beten, die schon lange Gott vergessen zu haben schienen? wenn die, welche einst über alles spotteten, sich laut zu Aufklärern des Haufens aufwarfen, nun den tollsten Wahnsinn, den verworfensten Aberglauben in Schutz nehmen und zu befördern suchen? wenn sie die Vernünftigen, welche dieser Unsinn empört, lästern und als Feinde der guten Sache und der Fürsten ausschreien? Nur die, welche dieses tun, machen die Sache der Fürsten verdächtig und untergraben ihre Trone; denn durch diese Mittel suchen sie Missbräuche der Macht zu heiligen, um die ihrigen zu sichern. Nur durch diese Mittel entüllen sie dem Auge, was sie fürchten.
So soll Heuchelei, Betrug, Gewalt, Ausspäherei, geheime Anklage zusammenhalten, was der Lauf der Zeit untergraben hat? Und was für ein Gemälde von dem gemeinen Wesen stellen Sie den Menschen auf, wenn es solcher Stützen bedarf!
Was fordert der Fürst jetzt von Ihnen? Missbräuchen zu entsagen, die schon zu lange dauern, das Volk drücken und für Sie ganz unbedeutend sind, dem volk zu zeigen, dass Sie seiner gedenken. Vor vielen Jahren, noch ehe ich geboren wurde, hob mein Vater diese Missbräuche auf, und ich darf kühn sagen, kein Gut im ganzen land trägt im Verhältnis mehr und keines nährt glücklichere, zufriednere Arbeiter.
Ich sehe es ja – Schweigen, Unwille, Hass, Grimm, starre und flammende Blicke sind Ihre Antwort. Mögen Sie mir drohen! ich fürchte keinen von Ihnen, ich fürchte Sie alle, verbunden gegen mich allein, nicht. Jetzt habe ich meine Pflicht getan, als teutscher Mann für meinen Fürsten, für das Vaterland gesprochen. Ich betrog mich nur darin, dass ich glaubte, ich spräche zu deutschen. Fahren Sie nur so fort, nennen Sie die Patrioten Aufrührer, fachen Sie den Parteigeist an, beschützen Sie die geheimen Angeber, lösen Sie alle Bande der Gesellschaft auf, zerstören Sie alle moralische Bande, alle bürgerliche Tugend, malen Sie den Fürsten als einen Tyrannen, das Volk als Verräter, übertünchen Sie Ihren Stolz, Ihre Hab- und Herrschsucht, Ihre Missbräuche, Ihre Gewalttätigkeiten mit den Sophismen, welche der Zeitlauf beschöniget, treiben Sie es auf dem ganzen deutschen Boden mit allen, die eines Geistes mit Ihnen sind, so weit, bis das Ungeheuer aus der Finsternis plötzlich hervorspringt, in die Sie alles einhüllen möchten! Dies Ungeheuer wird nur Ihr Werk sein. So laden Sie die rächende Nemesis, die nun dort ihre Strafe ausübt, auch auf den deutschen Boden ein – Ruft dann, wenn alles um euch her zerfällt: des Fürsten waren wir nicht wert!"
Kalt erhob der Präsident die stimme:
"Wir achten den Fürsten, darum schweigen wir. Durch unsre Rechte wollen wir die seinigen erhalten, darum schweigen wir. Unsre Antwort für jeden andern liegt in den Ereignissen des Tages. Jeder von uns in dieser gefährlichen Zeit getane Schritt kann Verrat an unserm Fürsten, den Mitständen, dem erhabenen Oberhaupte des Reiches werden. Dieses ist des Adels Antwort. Lasst Ruhe und Frieden wiederkehren ... beraten wir, dann scheint das nicht erzwungen, was wir geben, dann wird man uns danken. Jetzt würde jede Wohltat ein Beweis des Zwanges, des Schreckens sein, und wohin dies führt, beweisen uns unsre Nachbarn. – Ihre Rede würde sich übrigens in einem gewissen Klub in Paris recht gut ausnehmen, und sie ist Ihres Lehrers des mehr berüchtigten als berühmten Rousseaus, wert. Doch was Frankreich