, und mag noch eine kommen, wenn es sein muss! Diese bekam ich, als ich für Sold, für Ehre diente; die für das Vaterland wird nicht so schmerzlich sein. Ich kann es nicht mehr ansehen, Ernst, und ich würde über das, was ich höre, vor Unmut sterben; in Tätigkeit werde ich neue Lebenskraft bekommen. Vielleicht wirkt auch mein Beispiel auf die Schreier, die alles getan zu haben glauben, wenn sie einen Feind lästern, den sie bekämpfen sollten. Ich sehe Verheerung, ich sehe Schimpf, Schmach, ich sehe Ketten für Teutschland in der Zukunft und kann die Vorstellung nicht ertragen, dass ich die Wirklichkeit davon erleben könnte.
ERNST: Und wenn ich Ihre Schuld an das Vaterland übernähme?
VATER: Es ist dein Gewerbe nicht, und ich verlasse dich hier in einem Kriege, wozu mehr Mut gehört als zu dem, zu welchem ich aufsitze. Streite du hier und lass mich dort kämpfen, wir streiten beide für eben dieselbe Sache. Seinem Feinde Stirn gegen Stirne in offnem feld gegenüberzustehen und zuzuschlagen, das ist nichts; aber dem Feigen, dem Elenden, der im Winkel seine Pfeile zuspitzt und vergiftet, um sie in der Finsternis ohne Gefahr abzuschiessen, dem zu widerstehen, dazu gehört mehr. Und doch hoffe ich auf dich; und darum schweige ich zu allem, und darum verlasse ich dich voll Mut und Vertrauen. Du musst dem Fürsten bleiben. Hat er einen wahren Freund unter diesen wilden Schreiern? Verteidigt einer seine Sache ausser nur um seines eignen Vorteils willen? Nur solange er ihnen diesen sichert, halten sie sich an ihn; kann er dies nicht mehr, so sind sie seine gefährlichsten Feinde.
ERNST: Oh, mein edler Vater, leider ist dieses der Fall nicht bei uns allein. Schon längst hätten diese Menschen gerne Teutschlands Fürsten zu unweisen und gewaltsamen Massregeln gegen ihr treues Volk verleitet. Jedes Wort, jede Äusserung des Volkes machen sie ihnen verdächtig und glauben sie zu erhalten, wenn sie die schützenden Engel, das Vertrauen und die Liebe, von ihrer Seite entfernt haben. Hier ist bisher noch ihr ganzes Bemühen fruchtlos gewesen, aber mit jedem widrigen Gerüchte von empörenden Äusserungen, die nur Leute ihrer Art hervorbringen, verdoppeln sie den Angriff. Und da der Fürst immer von ihnen fordert, durch Weisheit dem drohenden Übel zuvorzukommen, bevor die notwendigkeit sie dazu zwingt und alles zweideutig macht, was sie alsdann tun mögen, so glauben sie in seinen väterlichen Gesinnungen, in seiner sorge für sie nichts zu sehen als mein Bestreben, einen Plan durchzusetzen, der längst allen diesen Bedenklichkeiten ein Ende gemacht hätte.
VATER: Mit diesen Worten hast du deine Bestimmung entworfen. Folge ihr, ich folge der meinigen. Lass den edlen Mann einen Freund in dir finden; du weisst, wie er dich geworben hat. Ernst, nie hatten die deutschen Fürsten Freunde nötiger als in dieser bedenklichen Zeit. Furcht, Eigennutz und nahe Not zwingen viele, diese Maske vorzunehmen; aber eben darum sind ihre Eingebungen so gefährlich. Ein teutscher Fürst hat nichts zu fürchten, solange er sein Volk nicht verkennt, solange er selbst treu und ehrlich auf seines Volkes Treue rechnet.
ERNST: Ich will es noch einmal versuchen, mein Vater, und es ist schon eingeleitet. Ja, Sie haben recht. Der Krieg, den ich zu führen habe, ist gefährlicher als der Ihrige. Als Sieger Hass, als Überwundner Hass, dies ist mein Los; dies ist der Unterschied zwischen Ihrem und meinem Schlachtfelde. Auch Sie verlassen mich nun, und ich bleibe allein. Sie gehen in einem Alter, wo Sie der Ruhe bedürfen, dem tod entgegen und ich in blühender Jugend vielleicht der Schmach; doch Ihr Entschluss, die Wärme, mit der Sie mir ihn angekündigt haben, erhebt mein Herz. Ich fühle vor Ihnen, dass ich ein Teutscher bin, dass ich ein Vaterland habe.
VATER: Oh, dass man diese stimme, diesen Ruf durch ganz Teutschland hörte! dass er auf alle Herzen wirkte wie auf das meinige! so wäre das Vaterland gerettet. Ach, Ernst, freilich wir sind Teutsche, aber ich sehe keine Teutsche. Umso mehr tut es not, dass sich hier und da der einzelne zeigt. blieb' ich auf dem Gute – ihre Lauheit, ihre Gleichgültigkeit und ihr Geschrei machten meinen alten Kopf noch wahnsinnig. Darum fort! Freilich wäre es besser gewesen, wenn man die Leute dort ihre Sachen, klug oder toll, hätte machen lassen; auch mögen die Absichten der Mächtigen von unsrer Seite nicht so rein sein, als sie vorgeben. Aber, wie dem auch sei, der Feind steht auf dem deutschen Boden, nur dieses müssen wir jetzt denken und weiter nichts; denn nur dieses dachte und empfand der Franzose, als unsre Heere sein Vaterland betraten, wenn er auch gleich anderer Meinung war. Wache du, dass die Ruhestörer diesen Bezirk nicht anstecken, dass die noch gefährlicheren Eigennützigen, die bei jedem kleinen Vorteil jauchzen und drohend einhergehen, aber bei jeder Schreckenspost zusammenfahren, unsern Fürsten nicht betören. Ich will zu ihm gehen, will ihm sagen, was ich denke. Und dann zu deinem Oheim!Ihm muss ich durch den Sinn fahren, bevor ich reise. Er ist einer von denen, die gern einen teil des Volkes erwürgten, um dadurch den andern durch Schrecken zu nötigen, auf ihren Zwangmühlen fortzumahlen, in ihren Zwangöfen fortzubakken. Ich muss ihm