in Ihre arme; und dann sollen Sie den Greis in den Tempel führen, an dem Sie bauen.
Viertes Buch
1.
Ernstens Jahre des Glücks und der Ruhe flogen schnell und mit guten Taten bezeichnet vorüber; aber das allgewaltige Schicksal schien ihn nur darum in einen so sanften Schlummer versenkt zu haben, um ihn schrecklicher daraus zu erwecken, um ihn beim Erwachen zu zermalmen. Warum muss ich die Feder wieder aufnehmen! ich, der Zeuge des an ihm ausgeübten Frevels! ich, dessen Herz bei dem Anblick der an ihm begangnen Ungerechtigkeit so unaussprechlich litt! Und doch muss ich dem zug folgen und das nun einmal übernommene Geschäft vollenden, so qualvoll es auch jetzt für mich wird. Die Ungerechten sollen wenigstens sehen, wen sie in diesem mann verfolgt haben; und das Mitgefühl der edlen wird mein Lohn sein. Fasse dich, mein empörter Geist, und wende dich von dem zerstörenden Gedanken weg, nur das, was du zu berichten hast, habe der Rechtschaffene von den Menschen zu erwarten!
Der Kammerrat hatte schon die Grafschaft *** zum Garten umgeschaffen, und Ernst ging neben dem treuen Pflanzer Gottes in dem blühenden Bezirke, den verschönerten reinlichen Dörfern, wo nun Zufriedenheit und einfaches Wohlleben herrschten. Hier wandelte er an der Seite des Kammerrats mit höherem Herzen als Alexander an der Seite seines Lieblings in den Ebenen des von ihm eroberten Asiens. Seine Trophäen waren blühende Bäume, reiche Kornfelder, grünende Wiesen, Striche, die einst das wasser ertränkte, zu Wiesen durch Fleiss gewonnen. Und beide Freunde belebte die Hoffnung, das Glück, welches sie hier gestiftet hatten, noch weiter um sich her zu verpflanzen. Ernst hatte mit Genehmigung des Fürsten in diesem Bezirk eine neue Ordnung der Steuern und Abgaben zur probe eingeführt, und diese probe war so gut ausgefallen, dass er beweisen konnte, seinen beabsichtigten Zweck erreicht zu haben. Durch diese neue Ordnung fiel alles Drückende von dem Landmann ab, und der in den ersten Jahren von dem Adel und den Gutsbesitzern erlittene kleine Verlust ersetzte sich in den folgenden vollkommen. Ausserdem hatte sie das vorzüglich Gute an sich, dass sie allem Zwist, allem Hader, allen Klagen über Gewalt und allen heimlichen Eingriffen ein Ende machte. Ernst konnte dartun, dass alle Landleute ihre Abgaben richtig bezahlt hatten, dass keiner verarmt war und dass der Ertrag des Landes um ein Drittel mehr ausmachte als sonst. Dieses legte er seinem Schwiegervater, dem Minister, vor und teilte ihm sein Vorhaben mit, diesen seinen Plan mit Genehmigung des Fürsten dem versammelten geheimen Staatsrate für das ganze Land vorzuschlagen. Der Fürst, der von allem unterrichtet war und mit eignen Augen den guten Erfolg gesehen hatte, forderte Ernsten selbst dazu auf. Er war so entzückt darüber, dass er an seiner Tafel, in seinem Kreise mit Fremden und Einheimischen von nichts sprach als von der Hoffnung, bald sein ganzes Land so blühend und wohlhabend zu sehen als Ernst und Kalkheim den gesegneten Strich gemacht hätten. "Und dann", setzte er hinzu, "werde ich erst recht fühlen, wie glücklich ich bin, Fürst eines kleinen Landes zu sein; denn nur hier fruchtet die Arbeit guter Menschen, nur hier sind Mittel und Hindernisse gleich sichtbar."
Doch dieser Plan drohete nicht allein der Gewalt und dem Eigennutze verschiedner Landeskollegien; er griff zu gleicher Zeit auch den Stolz des Adels und der Gutsbesitzer an, denen die alte Ordnung schmeichelte, weil ihre Vorfahren dieselbe entworfen hatten. Sie sahen in der gelinden Abhängigkeit des Landmanns von ihnen, da diese doch allein den Fleiss und die Erfindungskraft desselben beseelt, indem sie ihn von den äussern, drückenden Zeichen der herrschaft befreiet, nur die Auflösung ihres Ansehens und ihrer Eigenmacht. Es war ihnen nicht genug, dass der Landmann, und sie durch diesen, reicher würden; sie wollten auch, dass er immer in der knechtischen Furcht vor seinen gestrengen Herren verbleiben sollte. Sie wollten nicht dessen Wohltäter, Freunde und Ruhestifter, sondern dessen Herrscher und drohende Richter sein. In den freien, vertraulichen, heitern Gesichtern der Landleute dieses sich auszeichnenden Bezirkes sahen sie Hohn und Aufruhr; in ihren reichen Feldern, ihren schön gebaueten Dörfern, ihrer anständigen bessern Kleidung Reiz zur Üppigkeit, Verschwendung und Eitelkeit, und ihr Spruch war: der Bauer muss immer fühlen, dass er nur Bauer ist.
natürlich stimmte die kammer in diesen Ton mit ein, und Ernst wurde bald als ein Feind des Adels und der alten guten Ordnung angesehen. Seine Ruhe, seine Zufriedenheit, seine Sorglosigkeit bei ihren hämischen Äusserungen entzündeten den Hass und Unwillen des Adels noch mehr, und es bildete sich, ohne Verabredung und mit Verabredung, eine geheime Verschwörung gegen ihn, die nur auf gelegenheit lauerte, den gefährlichen Widersacher zu stürzen. Indes stellte man ihn allentalben als einen Mann dar, der, stolz auf die Gunst des Fürsten, seinem Dünkel und seiner eingebildeten Weisheit alle zu unterwerfen strebt, der durch die Zerstörung alles Alten sich einen glänzenden Namen machen will und seinen herrschsüchtigen Geist unter dem sanften Schimmer gleisnerischer Tugend zu verbergen sucht.
Ernst ahndete das nicht. Er sah und fühlte wohl, dass den meisten das nicht gefiel, was er tat; doch hoffte er noch immer, der gute Erfolg würde jeden nach und nach von seinen reinen Absichten überzeugen. Bei seinem Plane rechnete er um so mehr auf das Gelingen, da der Vorteil eines jeden so sichtbar war. Aber als er ihn in dem geheimen Rate vorbrachte und sein Oheim heftiger als je auffuhr,