so wünsche ich, dass Sie Ihren Zweck erreichen mögen.
Als der Kammerrat Kalkheim Ernsten erblickte, rief er ihm zu:
"Nun, Herr Oberkammerrat? hab ich es nicht gut gemacht?"
ERNST: Das Rechte ist immer gut getan. Aber wie kommen Sie so schnell dazu?
KAMMERRAT: Das Ding kam mir gerade aus dem Herzen in den Kopf, und da dachte ich, lieber wollte ich zu meinen Freunden auf dem land zurückkehren als schweigen. Ich bin ein guter Narr, wie die kammer sagt; aber wenn mir so etwas und auf diese Art einfällt, so lass ich ihm freien Lauf. Und hören Sie, Ihnen bleibe ich auf jeden Fall, die kammer mag beschliessen was sie will; und wenn es Ihnen gefällt, so gehe ich schon morgen hinaus und setze mich dort fest. Die Leute kennen mich alle, und wenn ich gar sage, dass ich von Ihnen komme, so wird der Freude kein Ende sein, denn der Schulze, bei dem Sie mich als Junker besuchten, hat schon damals einen so grossen Lärmen von Ihnen gemacht – Sie sind doch nicht böse?
ERNST: Worüber könnte ich es sein?
KAMMERRAT: Wegen der kammer da – wegen meiner Vorstellung. Gewiss, ich konnte nicht anders, und es betrifft mich ja nicht allein.
ERNST: Und wen betrifft es denn noch?
KAMMERRAT: Den armen zugrunde gerichteten Wirt in der Schenke zum Verschwender. Sehen Sie, wenn mir die kammer mein Haus zurückgibt, so muss sie die Summe dafür zurückzahlen, und das Ende seines Elends ist da.
ERNST: Vortrefflich! Ich dachte wohl, dass Sie noch einen besonderen Beweggrund hätten. Ach, lieber Kalkheim, auch dieser Grund würde an den harten Ohren jener Herren vorüberrauschen.
KAMMERRAT: Wenn Sie ihn nur hören und die nur tun müssen, was rechtens ist. Und mein prächtiges Porträt, das müssen sie dem Wirte gewiss bezahlen.
9.
An dem Abend eben dieses Tages sollte Ernst durch die reinste und schönste Empfindung seines Herzens der harten Prüfung entgegengezogen werden, die das Schicksal ihm bestimmt hatte. Er konnte nicht ahnden, dass es den schönsten Rosenweg des menschlichen Lebens, auf dem die natur uns zu ihrem schönsten Zwecke hinführt, dazu wählen würde. Ich kann nicht umhin anzudeuten, was ich vielleicht jetzt noch verbergen sollte. Das noch ferne, düstre Geschick des edlen Mannes, welches sich von nun an aus allem, was er beginnt, entwickelt, schwebt unter einem Trauerflore so nahe vor meinem geist, dass ich selbst bei den glücklichen Augenblicken, die ich nun beschreiben sollte, die tiefe melancholische Rührung nicht verbergen kann. Und schwiege ich auch davon – würde sie nicht sichtbar sein? würde ich dem Leser nicht als ein Mann vorkommen, welcher einen der Jugend zum frohen Tanze bestimmten Saal mit schwarzem Boie ausschlüge und unter rauschende Musik stille Trauerchöre mischte? Ich will mich fassen, soviel ich kann.
Ernst war von dem Minister *** zum Konzert eingeladen. Die blühende Jugend der Stadt hatte sich da versammelt, um die Alten durch ihre in der Musik gemachten Fortschritte in den Frühling des Lebens zurückzurufen. Amalie, die Tochter des Ministers, hatte nun den schönsten Grad ihrer Blüte erreicht, und vergebens würde ich es wagen, ihre Schönheit zu beschreiben; denn ihre Schönheit hatte sich mit dem erhabenen Ausdruck des Geistes und der inneren Anmut so vermählt, dass die Seele zwar diese Harmonie wahrnehmen und in ein Bild vereinigen kann, aber vergebens sich bemühet, sie durch sinnliche Zeichen und zerstückelte Züge zu schildern. Das, womit die natur sie so liebkosend überschüttet hatte, erhielt durch die erworbenen Talente, und besonders durch die Musik, einen solchen unwiderstehlichen Reiz, dass ihr Anblick selbst diejenigen begeisterte, die nur für das bloss Sichtbare Sinn zu haben schienen.
Als sie aus dem Kreise ihrer Gespielinnen hervortrat und sich dem Klaviere näherte, erblickte sie Ernst. Er erkannte sie. Ihr Bild ruhete in seiner Seele, ihm unbewusst; nun entüllte es sich. In diesem Augenblick erwachte die ganze damalige Szene in seinem geist; er erinnerte sich alles, der Worte Hadems über die Romane und seines eignen Gefühls, so lebendig, als habe die Zeit bis hierher stille gestanden. Er sah sich um und suchte Hadem, suchte ihn, als forderte er ihn auf, mit ihm zu bewundern, als einen Geist, an den er sich um hülfe drängte. Amalie ging langsam an ihm vorüber, und sein Herz lispelte dem geist Hadems zu: "So würde meine Göttin einhergehen, wenn sie auf Erden in menschlicher Gestalt erschiene." Und als sie die saiten berührte und ihre stimme sich mit den Tönen des Klaviers in muntern, dann sanft klagenden und erhabenen Gefühlen vermischte, malte sich das Bild seiner Jugend und seines ganzen Lebens, Denkens und Fühlens, wie von einer mächtigen, kühnen Zauberhand aus Farben einer hohen Welt geschaffen, vor seiner Seele. Und als sie aufstand und der Vater ihn seiner Tochter, mit Entschuldigungen darüber, dass er es nicht eher getan habe, vorstellte, zog die Liebe ihren Schleier, aus Morgenröte gewebt, leise über das Gemälde, das vor Ernstens Seele schwebte. Soll ich Liebe nennen, was Ernst nun fühlte? Bezeichnet dieses Wort das, was sein ganzes Dasein so plötzlich emporhob, als löste sich alles Sterbliche und Irdische von ihm? Er trat an der Hand des vor ihm stehenden Wesens in das Land des Unsterblichen, und, gleich dem Gebete des Opfernden, das