Lohn wird Hass und Undank sein. Sie werden sich und die Menschen, für die Sie arbeiten zu wollen vorgeben, auch um das wenige Gute bringen, das die Menschen uns zu tun erlauben.
ERNST: Es ist traurig und niederschlagend, was Sie mir sagen, und doch für mich nicht abschreckend. Geschieht dieses, so werde ich mich damit trösten, dass es nicht meine Schuld ist. Diejenigen mögen die Schuld über sich nehmen, die uns zu solchen Erfahrungen zwingen.
PRÄSIDENT: Oh, sie tragen leicht daran.
ERNST: Dieses weiss ich leider, so jung ich bin, und beneide sie nicht darum.
PRÄSIDENT: Ich sagte Ihnen das, weil ich mehr an Ihr Bestes denke als Sie selbst. Sie wollen Kalkheim nicht bereden?
ERNST: Bereden!
PRÄSIDENT: Das Wort ist teutsch, Neffe – warum nicht? Es sei denn, dass der Tor Ihnen lieber ist als Ihr Oheim, der Bruder Ihrer seligen Mutter. – Sie schweigen? – Gut, ich werde dem Fürsten die Vorstellung übergeben; denn mir liegt ja mehr an meines Neffen Freundschaft, an seiner guten Meinung als ihm, wie es scheint, an der meinigen.
ERNST fasste gerührt seine Hand: Liebster Oheim, hören Sie jetzt auf, Präsident der kammer zu sein – vergessen Sie, dass wir verschieden denken; sein Sie mein Oheim, ich bitte Sie. Erinnern Sie sich, dass Ihr Neffe unter Ihrer Leitung, Ihrer Aufsicht in das bürgerliche Leben eintritt. Machen Sie ihm seinen Weg nicht allzu düster. Bedenken Sie, welchen Gefahren Sie den von den besten Wünschen ganz erfüllten Unkundigen aussetzen! Was für Eindruck Ihre Worte auf ihn machen müssen!
PRÄSIDENT: Davon sehe ich nichts; es wird sich ja schon alles geben. Jetzt geht es nach Ihrem Willen. Kommen Sie. Nun führt der Oheim den Neffen zurück, und der ungeschmeidige Präsident bleibt in diesem Kabinett. Lassen Sie den Oberkammerrat nur auch hier.
Er sagte dieses so freundlich, dass Ernst ihm die Hand drückte und ihm mit Zuversicht in die Augen sah. Sein blick war so frei und unbefangen, dass er selbst den Groll des Oheims auf einen Augenblick besänftigte.
An der Tafel ging es so, als wäre nichts vorgefallen. Ernst verfiel in Nachsinnen über das, was er heute gehört und erfahren hatte; die anscheinende Gleichgültigkeit, das freundliche, zuvorkommende Wesen seines Oheims unterhielten dieses Nachsinnen. Die Frage kam ihm immer wieder: "Ist es wirklich die Frucht der Geschäfte, dass der Geist und das Herz des Menschen so eng, sein blick so einseitig wird?" – Er konnte sich diese Frage nur damit beantworten: "Ach, es kommt daher, dass der Mensch bei den Geschäften nicht sich selbst vergessen kann, dass er nur sich zum Zweck hat, und den Zweck des aufgetragenen Geschäfts nur insoweit befördert, als er sich mit dem seinigen verträgt. Will dieses nicht gehen, so opfert er das Fremde dem Seinigen auf. Und in der Mitte solcher Menschen stehst du nun und hast ihnen den Kampf schon angeboten!"
Er konnte nicht mehr heiter werden, und seine ernste, tiefsinnige Miene missfiel den Anwesenden nicht weniger als seine Tätigkeit am Morgen. Sie legten ihm diese als Herrschsucht, auf Eitelkeit gegründete Ruhmsucht aus und jene als Verachtung, besonders da sie sich alle Mühe gegeben hatten, auf ihre Art munter und witzig zu sein. Eine solche Vernachlässigung verzeihen trockne, kalte Geschäftsleute denen am allerwenigsten, die im Rufe stehen, als besässen sie Geist, Welt, Verstand und sogenannte feine Kenntnisse.
Ernst überliess ihnen das Feld und ward nicht vergessen.
Der Präsident unterhielt sich später allein mit Renot. Dieser spottete seiner Ängstlichkeit und sagte:
"Es geht ja alles erwünscht mit Ihrem Neffen. Er wird sich in kurzem einen erstaunlich grossen Namen machen, viel Aufmerksamkeit erregen; und Sie wissen ja, was dieses nach sich zieht. Auch wissen Sie, wie ein grosser Mann unmerklich wieder so klein wird, dass man am Ende gar nicht begreifen kann, wie und wodurch er gross gewesen ist. Ich habe schon manchen so im Echo verhallen hören wie die letzten Seufzer eines verlassnen Verliebten. Es ist wirklich schade um den Herrn von Falkenburg! Man muss ihn aber einmal seinen gewählten gang gehen lassen. Die Hindernisse finden sich von selbst; denn Geister dieser Art erschaffen sie, ohne dass andere Leute sich Mühe dabei geben. So viel ist gewiss, dass unser vortrefflicher Fürst nicht aufhört, von unserm jungen Oberkammerrat zu reden. Er ist stolz auf ihn und versichert laut, ihm sei noch kein teutscher junger Edelmann wie dieser da vorgekommen. Und tritt Ihr Neffe im Kreise des Hofes auf, Herr Präsident, so sollte man nach der wirkung auf den Fürsten glauben, es träte ein Wesen höherer Art in die Gesellschaft. Und, bei Gott! Herr Präsident, Ihr Neffe hat so etwas nur ihm eigenes in seinen Blicken, seinem Betragen, als erschiene wirklich ein Ding aus der Geisterwelt unter uns gemeinen Menschen. Man vergisst zu lachen über die Bewunderung des Fremden und Ungewöhnlichen."
PRÄSIDENT: Sie haben ganz recht, dass Sie sich des Lachens entalten, Herr Renot, und ich würde es nicht ertragen, weder von Ihnen noch von andern. Ich kann mich wohl über meinen Neffen ärgern; aber geachtet will ich ihn wissen. Doch dafür wird er selbst schon sorgen. Was ich tue, was ich wünsche, zielt nur auf sein eigenes Bestes.
RENOT: Nun