belohnen, sobald ich es imstande bin; denn lieber will ich doch den Hofmeister behalten, den ich kenne, als Gefahr laufen, mir für die noch kurze Zeit einen aufdringen zu lassen, der sich vielleicht sorgfältiger zu verbergen wüsste.
Zum Beweise, dass ich Sie nicht mit blossen Worten bezahlen will – ich habe eine ziemliche Summe erspart; mein Vater gibt mir, wie Sie vielleicht wissen, immer mehr als ich bedarf. – Diese Summe hatte ich zwar meinem Freunde Hadem als ein Zeichen meiner Erkenntlichkeit bestimmt, aber er wird es mir gewiss verzeihen, dass ich sie so anwende; er würde sogar, das versichere ich Ihnen, sein Letztes hergeben, um sie zu vergrössern. Sie sollen dieses und alles künftig Ersparte haben, darauf können Sie, bis zu der Zeit, wo ich reicher sein werde, gewisse Rechnung machen.
Wundern Sie sich nicht über das, was ich sage, und hören Sie mir mit der Kälte zu, mit welcher ich rede.
Entweder Sie nehmen nun meinen Antrag an, oder wir trennen uns. Nehmen Sie ihn an, so lehren Sie uns Französisch, Geographie, Geometrie, schweigen aber von allen Ihnen ganz fremden, unbekannten Dingen und behalten Ihre ganze Welterfahrung zu eignem Gebrauche. Ich kann Ihre Lehren nicht allein nicht brauchen, ich kann sie gar nicht mehr anhören, wie Ihnen mein Vorschlag klar beweist. Gefällt Ihnen mein Antrag nicht, so verlassen Sie noch heute unser Haus; meinem Vater werde ich sehr leicht die notwendigkeit davon begreiflich machen."
Nach diesen Worten legte er einen Beutel voll Gold vor Renot auf den Tisch und schien ganz ruhig den Erfolg abzuwarten. Renot sah bald auf ihn, bald auf den Boden, bald auf das Gold. Endlich antwortete er:
"Sie verkennen und beleidigen mich, missdeuten ganz, was ich bei meinen Reden über diesen Punkt beabsichtige. Bei meiner Ehre, ich denke nur an Ihr Bestes."
ERNST: Mein Bestes kannte ich schon vor Ihnen; doch darauf lasse ich mich nicht ein. Ich habe Ihnen meinen Entschluss bekanntgemacht, er ist unerschütterlich, denn er betrifft die wichtigste Angelegenheit meines Lebens. Erwägen Sie nun die Ihrige. Und um Ihnen nichts zu verbergen – wissen Sie, warum ich Sie von meinem Oheim angenommen habe? Nur darum, dass Sie mir durch die Mitteilung Ihrer Kenntnis der französischen Sprache einen Führer verständlich machen sollten, durch welchen Sie mir ganz entbehrlich waren, der mich jeden Tag mit neuen Waffen gegen Ihre gefährlichen Lehren ausrüstete.
Ernst ging in sein Zimmer und brachte den "Emil".
"Hier sehen Sie meinen Freund und Führer, in dieser Verlassenschaft Hadems ruhet sein Geist und meine Stärke. Sie können, wenn Sie wollen, mein Geheimnis nun verraten; sein Geist wohnt in meiner Brust, und nie werden Sie oder die Menschen das austilgen, was er, dem die Tugend selbst den Griffel gab, in mein Herz geschrieben hat. Doch vergessen Sie ja nicht, Herr Renot, dass Sie nur ihm den Vertrag verdanken, den ich trotz allem, was ich von Ihnen hören musste, bereit bin, mit Ihnen abzuschliessen. Ich kann wenigstens nicht vergessen, dass ich ihn durch Sie erst recht habe verstehen lernen."
Renot schlug indessen die Bücher um, schob sie kalt beiseite und sagte:
"Wissen Sie wohl, dass diese Bücher das gefährlichste Gift gegen die Religion entalten?"
ERNST: Vielleicht gegen die Ihrige, gegen die meinige nicht. Wenn Sie sich die Mühe geben wollen, den dritten teil aufzuschlagen, so werden Sie da einige Stellen bezeichnet finden, die mich gegen die Ihrige schützten.
RENOT: Es ist überflüssig. Folgen Sie diesem Führer in allem, Herr von Falkenburg? – Ich sehe, Sie verehren ihn ausschliessend. Das einzige, was mir zu wünschen übrigbleibt, ist, dass Sie sein Schicksal nicht treffen möge.
ERNST: Und welches ist es?
RENOT: Allen Menschen lächerlich, von allen gehasst und verfolgt zu sein.
ERNST: Von allen? Ich hoffe, von den Menschen nie schlecht genug zu denken, um dieses glauben zu können. Und wäre es, so bewiese es ja doch nur, was ich glaube, was ich von ihm glaube. Der Mann Ihres Systems wird freilich ein glänzenderes Schicksal haben. Ich wette, er ist reich, geachtet, allgemein beliebt. Es sei so! Darum behandele ich auch Sie nach seinem System und fordere weiter nichts von Ihnen, als dass Sie mich nach dem meinigen behandeln möchten. Weiter habe ich Ihnen nun nichts zu sagen. Zeigt mir mein Vater an, dass Sie Ihren Abschied verlangen, so verwerfen Sie meinen Antrag, schweigt er, so ist alles zwischen uns ausgemacht.
Er ging.
Renot sass noch lange, in tiefes Nachdenken über diesen sonderbaren Antrag versenkt. Die Art und Weise, die Festigkeit, die Offenheit, der Geist und Mut, womit Ernst sich erklärt und ihn so geradezu auf den Punkt der Entscheidung gestellt hatte, brachten seinen Stolz, seine Eitelkeit und sein sogenanntes Ehrgefühl in ein peinliches Gedränge. Sein Lieblingsgötze, der point d'honneur, den der junge Mann so gewaltig und schonungslos geschüttelt hatte, spielte an seinem Herzen, bis er es empörte; aber die Empörung dauerte nicht sehr lange, denn sein ausgebildeter Verstand zeigte ihm schnell den ganzen Vorfall von einer so lächerlichen Seite, dass er in ein helles lachen würde ausgebrochen sein, wenn er nicht befürchtet hätte, Ernst möchte sich in der Nähe