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nützlich. Das einzige, was ihn beunruhigte, war der Gedanke an das Leiden seines Sohnes, dessen anhänglichkeit und unbegrenztes Zutrauen an und auf Hadem ihm so wohlbekannt waren.

Ernst flog in seine arme, drückte sich so fest an seine Brust und umschlang ihn so innig, wie der Unglückliche den Erretter, der ihn eben der Gefahr des Todes entrissen.

Der tief gerührte Vater blickte ihn an und sah nur Zärtlichkeit, nur Liebe, Vertrauen und Freude. Der Sohn blühte wie sonst, seine Augen strahlten das vorige Feuer, seine Seele sprach durch alle seine Blicke und Bewegungen wie ehemals; und nur, als er wieder zu Atem kam und zu reden anfing, zeigte sich dem Vater einige Veränderung. Es war das durch das Geschehene fester, bestimmter gewordene Wesen in seiner Haltung, seinem Tone, seinen Blicken, und er schien dadurch seinem Vater in der kurzen Zeit um einige Jahre dem männlichen Alter nähergerückt zu sein. Der Vater bemerkte dieses laut, und Ernst antwortete: "Ich hatte dessen wohl nötig, geliebter Vater; und was wäre aus Ihrem Sohne geworden, wenn er auch dieses nicht errungenwenn es der, welcher ihn verlassen hat, nicht so früh in ihm erweckt hätte. Ich habe meinen Schutz verloren, meinen mich leitenden und bewachenden Engel selbst von meiner Seite entfernt, durch eine Tat entfernt, bei welcher ich auch auf Ihren Beifall rechnete. Ich bin gestraft genug dafür" –

VATER: Ich weiss alles, Ernst. Aber er tat es ja, er reizte dich ja, den Brief zu schreiben; warum klagst du denn dich an?

ERNST: Er? Mein Vater, er tat es nicht, er wusste nichts davon. Sie glauben Ihrem Sohne auf sein Wort, und nie beteuerte er Ihnen, was er sagte. Sollt ich es jetzt bei einer für mich so wichtigen, ich möchte sagen heiligen Sache tun, so würde ich mich als tief gefallen ansehen. Und dieses wollen Sie gewiss nicht. Ich will gerne von dem Geschehenen schweigen; die notwendigkeit gebietet hier. Aber machen Sie, mein Vater, dass wir schnell hier weg kommenich muss diese Stadt verlassen, wo mein Unglück entstanden ist, wo ich Dinge erfahren habe, denen ich kaum gewachsen war, die ich so schwer ordnen konnte. Sein Sie nun mein Führer, mein Freund!

Der Vater fragte, wie er mit seinem jetzigen Hofmeister zufrieden sei, und Ernst antwortete:

"Er spricht das Französische vortrefflich; und da ich das brauche, so bin ich zufrieden mit ihm. Reisen wir heute? führen Sie mich heute nach unsern blühenden Tälern zurück?"

VATER: Morgen! morgen mit dem Aufgang der Sonne!

Der ganze heitere Frühling der Jugend umschimmerte Ernstens Angesicht:

"Und sagen Sie mir nun, geliebter Vaternur noch das, was ich keinen hier fragen konnte, nicht zu fragen wagte: – was ist aus Hadem geworden? Wo ist er nun? werde ich ihn nicht wiedersehen? ihm nicht schreiben dürfen? keine Antwort von ihm erhalten können?"

VATER: So bald wirst du ihn wohl nicht wiedersehen, und zum Briefwechsel ist die Entfernung viel zu weit. Er schrieb mir in einigen Zeilen den Abschied von dir und meldete mir zugleich, er würde mit einem Regiment an England verkaufter Teutscher nach Amerika gehen; und aus den Zeitungen erfahre ich, dass sein Regiment sich schon einschiffet.

ERNST: Also nach einem andern Teile der Welt vertrieb ich ihnund ich bin nun so geschieden von ihm, dass ich die weite Entfernung nicht mehr messen kann! Aber, mein Vater, er ist hier, ist mir nahe; er wird, er kann sich nie von mir trennen.

VATER: Dieses wünsche ich in dem Sinne, wie du es verstehst. Er war ein edler Mann, und ich bedaure seinen Verlust

ERNST: Oh, das war er, mein Vater, das ist er noch; und sein Lob aus Ihrem mund verklärt sein Denkmal in meinem Herzen. Oh, er ist ein edler Mann!

Als sein Vater ihn verliess, suchte er Ferdinanden auf und rief ihm entgegen: "Höre die Worte meines Vaters! Er sagte: Hadem war ein edler Mann! – Und morgen fliehen wir diese Stadt, wo man ihn verkannte, morgen abend, Ferdinand, stehen wir wieder in dem Garten der Unschuld."

Ferdinanden war diese Nachricht nicht so willkommen. Seine durch die Eitelkeit und die Mannigfaltigkeit der Gegenstände gereizte Einbildungskraft blickte mit Ekel auf den ihm nun tot scheinenden ländlichen Aufentalt, zu dem er so plötzlich zurückkehren sollte. Ernst sah ihn an und sann seinem ihm unbegreiflichen kalten Betragen bei einer so fröhlichen Neuigkeit nach.

Ernstens Vater bezeugte dem Präsidenten seine Verwunderung darüber, dass er ihm so gerade geschrieben, Hadem habe den unüberlegten Schritt veranlasst, da ihm doch sein Ernst, der nie eine Unwahrheit gesagt, versicherte, Hadem sei der ganze Vorfall unbekannt gewesen.

"Bruder", antwortete der Präsident, "unbekannt oder nicht, er hat es veranlasst, deinen Sohn dazu gereizt; und eins ist so sträflich wie das andere und gleich nachteilig für deinen Sohn. Wenn dein Ernst ihn zu entschuldigen sucht, so entspringt dieses aus seinem guten Herzen, aus der närrischen Liebe zu diesem Menschen, gegen den ich, bis auf diesen Punkt, selbst nichts habe. Willst du übrigens aus deinem Sohne einen Phantasten oder ein störrisches Ungeheuer erziehen lassen, das gegen seine nächsten Verwandten schon so