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abzugeben, wie sie an seiner Kleidung wohl sehen würden; aber er hätte unmöglich dem Wunsche des Herrn Präsidenten widerstehen können. Es erfreue ihn nun, da er ihn und seinen Freund sehe, dass der Herr Präsident ihn der Ehre würdig gehalten, etwas zu der Bildung so vielversprechender Jünglinge beizutragen. "Das Opfer", setzte er hinzu, "das ich etwa dadurch bringe, kann mir nun selbst nicht anders als zur Ehre gereichen!"

ERNST: Gereicht es nur zu Ihrem Vergnügen und zu unserm Vorteil, so gönnen wir Ihnen das gerne, was Sie so hoch anschlagen. Aber ich wünschte nicht, dass es ein Opfer wäre; denn ein Opfer kostet so viel, und man wagt so viel dabei, dass Sie mich dauern sollten, wenn es wirklich nur ein Opfer wäre.

Renot empfand den abgewogenen Sinn dieser Worte recht gut und sah etwas verwundert den Rosenmund an, aus dem sie so sanft flossen. Er antwortete:

"Freilich wage ich es nicht, mir zu schmeicheln, den Verlust, welchen Sie in Ihrem vorigen Hofmeister erlitten haben, zu ersetzen" –

ERNST: Oh, mein Herr, er war mein Freund. nennen Sie ihn nicht sodenn eben in diesem Worte liegt ja, was ich vorhin sagen wollte.

RENOT: Glauben Sie denn, ich würde dieses Geschäft übernommen haben, wenn ich mir nicht mit der angenehmen Hoffnung schmeichelte, ihn ersetzen zu können?

Eine leichte Röte flog auf Ernstens Wangen. Sein Herz klopfteseine Augen konnten den Eindruck der schmerzlichen Erinnerung nicht verbergen. Hadems männliche, feste Gestalt, sein ruhiger, seelenvoller blick, seine ernste, gedankenvolle Stirne, von sanfter Freundlichkeit gemildert, sein lockiges, ungepudertes braunes Haar, das sich um seinen Nacken ringelte und seine Schläfe beschattete, der volle schöne laut seiner stimme, der nie durch Unwillen, Zorn oder andre Leidenschaften in Misston übergingdies alles stellte sich in diesem Augenblicke lebendig vor Ernstens Seele. Er sah ihn, hörte ihn, verglich mit ihm das zuversichtliche, anspruchsvolle Wesen und Betragen des vor ihm Stehenden, seine glatte, wie ein Spiegel glänzende Stirne, die nichts von dem zu verraten schien, was sie verbargseine süsse Lieblichkeit, seine lispelnde Aussprache, sein mit Sorgfalt gekräuseltes und weiss gepudertes Haar, seinen hastig lebhaften blick, dem er zu gebieten strebte; und er fühlte tief, wie unersetzlich sein erlittner Verlust sei. Sein Geist sagte ihm: "Dieser kennt den Weg zu deinem Tempel nicht!"

Renot beobachtete ihn genau, ohne es sich merken zu lassen. Sein blick schien auf Ferdinand um so mehr zu verweilen, je mehr er mit Ernsten beschäftiget war. Auch tat seine Gegenwart eine bessere wirkung auf jenen, wozu sein Rock und das Neue, Glänzende, Versprechende und Feine seines Betragens sehr viel beitrugen.

Ernst erwachte aus seinem tiefen Nachsinnen und sagte zu Renot: "Mein Oheim hat mir Ihre Stärke in der französischen Sprache gerühmt. Ich freue mich sehr darüber, und Sie können auf meinen Dank rechnenSie können mich sehr glücklich machen, wenn Sie mich den kürzesten, leichtesten Weg zur Kenntnis dieser Sprache führen. Aber ich muss sie in ihrem ganzen Umfange kennenlernenSie müssen mir die ganze Stärke ihrer Ausdrücke, alle ihre Eigenheiten und Wendungen recht deutlich machen. Ich bedarf es, den Wert, die Kraft der Worte so kennenzulernen, dass ich mich in keinem irre, dass ich ja den Sinn eines jeden recht fassekeines zu missdeuten Gefahr laufe. Dieses halte ich für das Allerschlimmstefür das Allerschwerste." –

Renot freute sich über Ernstens heisse Begierde, eine so wichtige Sprache in ihrem ganzen Umfange lernen zu wollen, er sagte laut, dies sei ein gutes Zeichen; und nun liess er sich in ein weitläuftiges Gespräch über diesen Gegenstand ein. Er entdeckte sehr bald, dass Ernst die Hauptschwierigkeiten schon besiegt hatte; und um so wichtiger machte er jetzt das, was ihm noch zu tun übrig bliebe. Er bewies, dass ihm dieses nur ein Mann beibringen könne, der lange in der Hauptstadt von Frankreich gelebt habe. Und nun erfolgte ein grosses, glänzendes Lob des französischen Volkes. Vorzüglich rühmte er dessen zartes, feines Gefühl für die Ehre und vergass nicht, seine eigne geschichte damit zu verweben. Weitläufig bemerkte er, wie viel er diesem Gefühle aufgeopfert und wie er die glänzendsten Aussichten nun aufgegeben hätte; "dafür aber", fuhr er mit gefälligem Lächeln fort, "kann ich mich nun in meinem Unglücke mit dem Gedanken trösten, der Ehre genug getan zu haben. Mein Name wird in Frankreich wie bei meinem Regimente gewiss unvergesslich sein." Indem er sich so den Jünglingen bedeutend machen wollte, suchte er ihnen zu gleicher Zeit die glänzende Schimäre in der Ferne zu zeigen, deren Anbetung von nun an der Hauptgegenstand ihrer Erziehung sein sollte. An Ferdinand fand er einen sehr aufmerksamen Zuhörer; denn seiner lebhaften Einbildungskraft stellten sich alle die Szenen, die Renot leicht und flüchtig berührte und von denen er als dem Menschen ganz eigen und natürlich sprach, lebendig dar. Er stand in der Mitte dieses Schauplatzes und bewunderte den Mann, der dieses alles erfahren und mitgemacht hatte.

Ernst hörte nur, wie vortrefflich er französisch sprach. Bei allen den neuen Vorstellungen, die einander so leicht und schnell folgten, dachte er nur an seinen geheimen Lehrer und sagte still in seinem Herzen: "Ja, der Mensch verdirbt alles an sich, sogar das Organ, wodurch