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den er Hadem verheimlichte, und dieser Schritt entschied über seine denkart, die Stimmung seines Geistes und verdunkelte über den wichtigsten Punkt seines Lebens sein Gefühl so sehr, dass er dessen in spätern zeiten nie mehr so mächtig werden konnte, wie er es in seiner schönen, blühenden Jugend im Busen trug.

8.

Der Präsident ward nach hof gerufen, und der Fürst gab ihm mit freundlicher Miene den Brief seines Neffen, Er las, beobachtete dabei diese Miene, gab den Brief lächelnd zurück und erzählte dann dem Fürsten in einem leichten Tone, was abends vorher zwischen ihm und seinem Neffen vorgefallen sei. Zugleich gab er dem Fürsten zu verstehen, er glaube, der Hofmeister verwirre dem jungen Menschen den Kopf, bat dann für den Jugendstreich um Vergebung und versicherte dem Fürsten, er wolle alles in der Stille in Ordnung bringen.

Der Fürst antwortete:

"Ich habe Ihrem Neffen gar nichts zu vergeben und bin so wenig gegen ihn aufgebracht, dass ich ihn vielmehr zu sehen wünsche. Der Brief ist schön, ruhig und bescheiden abgefasst. Ich erinnere mich von langer Zeit her keines, der mir so viel Vergnügen gemacht hätte. Herz und Verstand sprechen hier, und meine Räte schreiben nie so. Der junge Mensch tat, was ich selbst so gern tue, er will einem nützlichen mann helfen, und dazu wählte er den geradesten Weg. Diese Einfälle kommen unsern jungen Leuten jetzt ebenso selten wie den Alten, und darum muss man ihn so behandeln, dass man ihn nicht abschrecke. Leicht könnten wir hier das Gute zerrütten, das sich mit so vieler Güte, mit so unschuldigem Vertrauen zeigt. Sorgen Sie nur dafür, dass der Kammerrat wieder angestellt werde; denn ich glaube der Erzählung Ihres Neffen mehr als Ihren Räten. Diese verdrehten aus Liebe zur Ordnung einen Umstand, den der junge Mensch viel richtiger gefasst hat."

Der Präsident äusserte, es sei nie sein Wille gewesen, den würdigen Kammerrat in Untätigkeit zu lassen. Was geschehen sei, habe ihm selbst sehr leid getan; aber das Sonderbare der Umstände habe ihn dazu gezwungen. Der Posten, den er ihm jetzt bestimme, sei von der Art, dass der Kammerrat in demselben alle seine Eigenheiten ohne Nachteil für andere ausüben könne; nur bitte er Seine Durchlaucht, ihm noch einige Frist zu geben, damit sein Neffe nicht etwa glauben möge, er habe es durch die Klage bewirkt. Er fürchte die Folgen davon nur für seinen Neffen, da die Welt seinem Benehmen wahrscheinlich eine andere Wendung geben werde, als es die wirklich gute Absicht des Jünglings verdiene. Auch wage er es, Seine Durchlaucht zu bitten, seinen Neffen jetzt nicht zu sehen, es könnte zu viel aufsehen machen, vielleicht gar den Stolz des jungen Menschen reizen; und nichts sei gefährlicher für Jünglinge von der sonderbaren Geistesstimmung seines Neffen. "Gewiss", setzte er hinzu, "wird niemand in der Residenz, da doch im grund die Klage seinen Oheim betrifft, so darüber denken wie Ew. Durchlaucht und ich. Soll ich nun den Jüngling dem Unwillen der Welt über eine Handlung aussetzen, für die er, wie Sie selbst zu sagen geruhen, Lob verdient?"

Der Fürst fand seine Vorstellung billig und weise. Er nahm den Brief aus den Händen des Präsidenten zurück und äusserte: "Sagen Sie Ihrem Neffen, dass ich diesen Brief als ein mir getanes Gelübde aufbewahren will, dass ich, wenn er ein Mann sein wird, nach diesem Briefe urteilen werde, ob er gehalten hat, was er hier verspricht, wozu er sich durch einen solchen Schritt als Jüngling verpflichtet. Sagen Sie ihm, dass ich auf ihn rechneund Ihnen wünsche ich Glück zu einem solchen Neffen."

9.

Der Präsident spottete in seinem Herzen über das Benehmen des Fürsten bei einer Sache, die ihm so widerlich und empörend vorkam. Gleichwohl war er mit der Wendung sehr zufrieden, die sie genommen hatte. Mit ganz andern Empfindungen kehrte er nach haus zurück. Die Handlung seines Neffen malte sich mit den schwärzesten Farben vor seinen Augen. Er betrachtete sie als ein Verbrechen gegen seinen nächsten Verwandten und ihn selbst als einen gefährlichen Aufrührer gegen die Gerechtigkeit, die er nach gesetz und Recht gegen einen schädlichen Toren ausgeübt zu haben glaubte. Die ganze Tat kam ihm durch diese Vorstellung so frech und unerhört vor, dass sein ganzer Hass auf den Neffen gefallen sein würde, wenn der stärkere Hass gegen Hadem nicht in diesem Augenblick auf diesen, als den Urheber der ihm so widrigen Tat, gezeigt hätte. Hadem missfiel ihm von dem ersten Augenblick an, da er ihn sah; er war nun froh, ihn schuldig zu finden, und seinen Neffen, den er als Sohn seiner Schwester und dadurch als einen zu seiner Familie Gehörigen zu lieben glaubte, entschuldigen zu können. Er liess sogleich Hadem rufen und fragte ihn mit spöttelnder, verachtungsvoller Kälte:

"Herr Hadem, wollen Sie einen Don Quichotte in meinem Neffen auferziehen, der sich mit der Welt für die Dame Gerechtigkeit auf Leben und Tod herumschlage, um seine Tage endlich im Tollhause oder auf einem dorf zuzubringen wie der Held, um dessentwillen er den dummen Streich gemacht hat?"

HADEM: Ich verstehe Ew. Exzellenz nicht.

PRÄSIDENT: Verstellen Sie sich nur! Wenigstens soll es Ihnen hier an Zeit fehlen, auch diese Kunst meinen törichten Neffen zu lehren.

HADEM: Wie sollte ich zu dieser Kunst kommen? wie ihrer bedürfen? Präsidiere ich doch weder am hof