mich und mein Denken entschlummerte in mir.
O liebes Wort aus heilgem mund, rief ich, da ich wieder erwacht war, liebes Rätsel, fass ich dich?
Und Einmal sah ich noch in die kalte Nacht der Menschen zurück und schauert und weinte vor Freuden, dass ich so selig war und Worte sprach ich, wie mir dünkt, aber sie waren, wie des Feuers Rauschen, wenn es auffliegt und die Asche hinter sich lässt –
"O du, so dachte ich, mit deinen Göttern, natur! ich hab ihn ausgeträumt, von Menschendingen den Traum und sage, nur du lebst, und was die Friedenslosen erzwungen, erdacht, es schmilzt, wie Perlen von Wachs, hinweg von deinen Flammen!
Wie lang ist es, dass sie dich entbehren? o wie lang ist es, dass ihre Menge dich schilt, gemein nennt dich und deine Götter, die Lebendigen, die Seligstillen!
Es fallen die Menschen, wie faule Früchte von dir, o lass sie untergehn, so kehren sie zu deiner Wurzel wieder, und ich, o Baum des Lebens, dass ich wieder grüne mit dir und deine Gipfel umatme mit all deinen knospenden Zweigen! friedlich und innig, denn alle wuchsen wir aus dem goldnen Samkorn herauf!
Ihr Quellen der Erd! ihr Blumen! und ihr Wälder und ihr Adler und du brüderliches Licht! wie alt und neu ist unsere Liebe! – Frei sind wir, gleichen uns nicht ängstig von aussen; wie sollte nicht wechseln die Weise des Lebens? wir lieben den Aeter doch all und innigst im Innersten gleichen wir uns.
Auch wir, auch wir sind nicht geschieden, Diotima, und die Tränen um dich verstehen es nicht. Lebendige Töne sind wir, stimmen zusammen in deinem Wohllaut, natur! wer reisst den? wer mag die Liebenden scheiden? –
O Seele! Seele! Schönheit der Welt! du unzerstörbare! du entzückende! mit deiner ewigen Jugend! du bist; was ist denn der Tod und alles Wehe der Menschen? – Ach! viel der leeren Worte haben die Wunderlichen gemacht. Geschiehet doch alles aus Lust, und endet doch alles mit Frieden.
Wie der Zwist der Liebenden, sind die Dissonanzen der Welt. Versöhnung ist mitten im Streit und alles Getrennte findet sich wieder.
Es scheiden und kehren im Herzen die Adern und einiges, ewiges, glühendes Leben ist Alles."
So dachte ich. Nächstens mehr.
Fussnoten
1 Es ist wohl nicht nötig, zu erinnern, dass derlei Äusserungen als blosse Phänomene des menschlichen Gemüts von Rechts wegen niemand skandalisieren sollten. 2 Im Jahr 1770.