sagt, ich möchte dir entsagen, Lieber!
Du hast auf mich gerechnet, hast mir es zugetraut, dass dieser Brief mich nicht beleidigen könne. Das freute mich herzlich, mitten in meiner Betrübnis.
Unglücklicher, hoher Geist! ich habe nur zu sehr dich gefasst. O es ist so ganz natürlich, dass du nimmer lieben willst, weil deine grösseren Wünsche verschmachten. Musst du denn nicht die Speise verschmähn, wenn du daran bist, Durstes zu sterben?
Ich wusste es bald; ich konnte dir nicht Alles sein. konnte ich die Bande der Sterblichkeit dir lösen? konnte ich die Flamme der Brust dir stillen, für die kein Quell fleusst und kein Weinstock wächst? konnte ich die Freuden einer Welt in einer Schale dir reichen?
Das willst du. Das bedarfst du, und du kannst nicht anders. Die grenzenlose Unmacht deiner Zeitgenossen hat dich um dein Leben gebracht.
Wem einmal, so, wie dir, die ganze Seele beleidiget war, der ruht nicht mehr in einzelner Freude, wer so, wie du, das fade Nichts gefühlt, erheitert in höchstem geist sich nur, wer so den Tod erfuhr, wie du, erholt allein sich unter den Göttern.
Glücklich sind sie alle, die dich nicht verstehen! Wer dich versteht, muss deine Grösse teilen und deine Verzweiflung.
Ich fand dich, wie du bist. Des Lebens erste Neugier trieb mich an das wunderbare Wesen. Unaussprechlich zog die zarte Seele mich an und kindischfurchtlos spielt ich um deine gefährliche Flamme. – Die schönen Freuden unserer Liebe sänftigten dich; böser Mann! nur, um dich wilder zu machen. Sie besänftigten, sie trösteten auch mich, sie machten mich vergessen, dass du im grund trostlos warst, und dass auch ich nicht fern war, es zu werden, seit ich dir in dein geliebtes Herz sah.
In Aten, bei den Trümmern des Olympion ergriff es mich von neuem. Ich hatte sonst wohl noch in einer leichten Stunde gedacht, des Jünglings Trauer sei doch wohl so ernst und unerbittlich nicht. Es ist so selten, dass ein Mensch mit dem ersten Schritt ins Leben so mit Einmal, so im kleinsten Punkt, so schnell, so tief das ganze Schicksal seiner Zeit empfand, und dass es unaustilgbar in ihm haftet, dies Gefühl, weil er nicht rauh genug ist, um es auszustossen, und nicht schwach genug, es auszuweinen, das, mein Teurer! ist so selten, dass es uns fast unnatürlich dünkt.
Nun, im Schutt des heiteren Atens, nun ging mir es selbst zu nah, wie sich das Blatt gewandt, dass jetzt die Toten oben über der Erde gehen und die Lebendigen, die Göttermenschen drunten sind, nun sah ichs auch zu wörtlich und zu wirklich dir aufs Angesicht geschrieben, nun gab ich dir auf ewig recht. Aber zugleich erschienst du mir auch grösser. Ein Wesen voll geheimer Gewalt, voll tiefer unentwickelter Bedeutung, ein einzig hoffnungsvoller Jüngling schienst du mir. Zu wem so laut das Schicksal spricht, der darf auch lauter sprechen mit dem Schicksal, sagt ich mir; je unergründlicher er leidet, um so unergründlich mächtiger ist er. Von dir, von dir nur hofft ich alle Genesung. Ich sah dich reisen. Ich sah dich wirken. O der Verwandlung! Von dir gestiftet, grünte wieder des Akademus Hain über den horchenden Schülern und heilige gespräche hörte, wie einst, der Ahorn des Ilissus wieder.
Den Ernst der Alten gewann in deiner Schule der Genius unserer Jünglinge bald, und seine vergänglichen Spiele wurden unsterblicher, denn er schämte sich, hielt für Gefangenschaft den Schmetterlingsflug. –
Dem hätt, ein Ross zu lenken, genügt; nun ist er ein Feldherr. Allzugenügsam hätte der ein eitel Liedchen gesungen; nun ist er ein Künstler. Denn die Kräfte der Helden, die Kräfte der Welt hattest du aufgetan vor ihnen in offenem Kampf; die Rätsel deines Herzens hattest du ihnen zu lösen gegeben; so lernten die Jünglinge Grosses vereinen, lernten verstehn das Spiel der natur, das seelenvolle, und vergassen den Scherz. – Hyperion! Hyperion! hast du nicht mich, die Unmündige, zur Muse gemacht? So ergings auch den andern.
Ach! nun verliessen so leicht sich nicht die geselligen Menschen; wie der Sand im Sturme der Wildnis irrten sie untereinander nicht mehr, noch höhnte sich Jugend und Alter, noch fehlt' ein Gastfreund dem Fremden und die Vaterlandsgenossen sonderten nimmer sich ab und die Liebenden entleideten alle sich nimmer; an deinen Quellen, natur, erfrischten sie sich, ach! an den heiligen Freuden, die geheimnisvoll aus deiner Tiefe quillen und den Geist erneun; und die Götter erheiterten wieder die verwelkliche Seele der Menschen; es bewahrten die herzerhaltenden Götter jedes freundliche Bündnis unter ihnen. Denn du, Hyperion! hattest deinen Griechen das Auge geheilt, dass sie das Lebendige sahn, und die in ihnen, wie Feuer im Holze schlief, die Begeisterung hattest du entzündet, dass sie fühlten die stille stete Begeisterung der natur und ihrer reinen Kinder. Ach! nun nahmen die Menschen die schöne Welt nicht mehr, wie Laien des Künstlers Gedicht, wenn sie die Worte loben und den Nutzen drin ersehn. Ein zauberisch Beispiel wurdest du, lebendige natur! den Griechen, und entzündet von der ewigjungen Götter Glück war alles Menschentun, wie einst, ein fest; und zu Taten geleitete, schöner als Kriegsmusik, die jungen Helden Helios Licht.
Stille! stille! Es