mit solchen – und verbirgt es dir.
Mir war, wie einer Braut, wenn sie erfährt, dass ihr Geliebter insgeheim mit einer Dirne lebe.
O es war der Schmerz nicht, den man hegen mag, den man am Herzen trägt, wie ein Kind, und in Schlummer singt mit Tönen der Nachtigall!
Wie eine ergrimmte Schlange, wenn sie unerbittlich herauffährt an den Knieen und Lenden, und alle Glieder umklammert, und nun in die Brust die giftigen Zähne schlägt und nun in den Nacken, so war mein Schmerz, so fasst' er mich in seine fürchterliche Umarmung. Ich nahm mein höchstes Herz zu hülfe, und rang nach grossen Gedanken, um noch stille zu halten, es gelang mir auch auf wenige Augenblicke, aber nun war ich auch zum Zorne gestärkt, nun tötet ich auch, wie eingelegtes Feuer, jeden Funken der Liebe in mir.
Er muss ja, dachte ich, das sind ja seine Menschen, er muss verschworen sein mit diesen, gegen dich! Was wollt er auch von dir? Was konnte er suchen bei dir, dem Schwärmer? O wär er seiner Wege gegangen! Aber sie haben ihren eigenen Gelust, sich an ihr Gegenteil zu machen! so ein fremdes Tier im Stalle zu haben, lässt ihnen gar gut! –
Und doch war ich unaussprechlich glücklich gewesen mit ihm, war so oft untergegangen in seinen Umarmungen, um aus ihnen zu erwachen mit Unüberwindlichkeit in der Brust, wurde so oft gehärtet und geläutert in seinem Feuer, wie Stahl!
Da ich einst in heitrer Mitternacht die Dioskuren ihm wies, und Alabanda die Hand aufs Herz mir legt' und sagte: Das sind nur Sterne, Hyperion, nur Buchstaben, womit der Name der Heldenbrüder am Himmel geschrieben ist; in uns sind sie! lebendig und wahr, mit ihrem Mut und ihrer göttlichen Liebe, und du, du bist der Göttersohn, und teilst mit deinem sterblichen Kastor deine Unsterblichkeit! –
Da ich die Wälder des Ida mit ihm durchstreifte, und wir herunterkamen ins Tal, um da die schweigenden Grabhügel nach ihren Toten zu fragen, und ich zu Alabanda sagte, dass unter den Grabhügeln einer vielleicht dem Geist Achills und seines Geliebten angehöre, und Alabanda mir vertraute, wie er oft ein Kind sei und sich denke, dass wir einst in Einem Schlachttal fallen und zusammen ruhen werden unter Einem Baum – wer hätte damals das gedacht?
Ich sann mit aller Kraft des Geistes, die mir übrig war, ich klagt ihn an, verteidigt ihn, und klagt ihn wieder um so bittrer an; ich widerstrebte meinem Sinne, wollte mich erheitern, und verfinsterte mich nur ganz dadurch.
Ach! mein Auge war ja von so manchem Faustschlag wund gewesen, fing ja kaum zu heilen an, wie sollt es jetzt gesundere Blicke tun?
Alabanda besuchte mich den andern Tag. Mein Herz kochte, wie er hereintrat, aber ich hielt mich, so sehr sein Stolz und seine Ruhe mich aufregt' und erhitzte.
Die Luft ist herrlich, sagt' er endlich, und der Abend wird sehr schön sein, lass uns zusammen auf die Akropolis gehen!
Ich nahm es an. Wir sprachen lange kein Wort. Was willst du? fragt ich endlich.
Das kannst du fragen? erwiderte der wilde Mensch mit einer Wehmut, die mir durch die Seele ging. Ich war betroffen, verwirrt.
Was soll ich von dir denken? fing ich endlich wieder an.
Das, was ich bin! erwidert' er gelassen.
Du brauchst Entschuldigung, sagt ich mit veränderter stimme, und sah mit Stolz ihn an, entschuldige dich! reinige dich!
Das war zuviel für ihn.
Wie kommt es denn, rief er entrüstet, dass dieser Mensch mich beugen soll, wies ihm gefällt? – Es ist auch wahr, ich war zu früh entlassen aus der Schule, ich hatte alle Ketten geschleift und alle zerrissen, nur Eine fehlte noch, nur eine war noch zu zerbrechen, ich war noch nicht gezüchtiget von einem Grillenfänger – murre nur! ich habe lange genug geschwiegen!
O Alabanda! Alabanda! rief ich.
Schweig, erwidert' er, und brauche meinen Namen nicht zum Dolche gegen mich!
Nun brach auch mir der Unmut vollends los. Wir ruhten nicht, bis eine Rückkehr fast unmöglich war. Wir zerstörten mit Gewalt den Garten unsrer Liebe. Wir standen oft und schwiegen, und wären uns so gerne, so mit tausend Freuden um den Hals gefallen, aber der unselige Stolz erstickte jeden laut der Liebe, der vom Herzen aufstieg.
lebe wohl! rief ich endlich, und stürzte fort. Unwillkürlich musst ich mich umsehn, unwillkürlich war mir Alabanda gefolgt.
Nicht wahr, Alabanda, rief ich ihm zu, das ist ein sonderbarer Bettler? seinen letzten Pfenning wirft er in den Sumpf!
wenn es das ist, mag er auch verhungern, rief er, und ging.
Ich wankte sinnlos weiter, stand nun am Meer und sah die Wellen an – ach! da hinunter strebte mein Herz, da hinunter, und meine arme flogen der freien Flut entgegen; aber bald kam, wie vom Himmel, ein sanfterer Geist über mich, und ordnete mein unbändig leidend Gemüt mit seinem ruhigen Stabe; ich überdachte stiller mein Schicksal, meinen Glauben an die Welt, meine trostlosen Erfahrungen, ich betrachtete den Menschen, wie ich ihn empfunden und erkannt von früher Jugend an, in mannigfaltigen Erziehungen, fand überall dumpfen oder schreienden