verglichen hätte, mit einem Fürsten, der alle staates-Instrumente, StaatsGlieder und Repräsentanten selber repräsentiert. – – – Wo soll nun aber vor Hauptstädtern und Lesern, welche einem solchen Allspieler als Allwisser gleichen, ein Mann wie ich, der, wenn es hoch kommt, nur von sieben Künsten Heidelberger Magister und einiger Philosophie Doktor ist, rechten Mut hernehmen, in ihrer Gegenwart künstlich und glücklich auszuschweifen? – Fortgang in meiner Erzählung ist hier weit sicherer.
Den Advokat Siebenkäs treffen wir denn unter lauter Hoffnungen, aber mit tauben Blüten wieder an. Er hatte gehofft, er werde nach dem Königsschusse wenigstens so lang gute Tage erleben, bis das Schussgeld aufgezehret sei, wenigstens 14; aber das Trauerschwarz, das jetzt die Reiseuniform ist, sollte auch die seinige auf seiner irdischen Nachtreise bleiben, auf dieser voyage pittoresque für Poeten. Die Menschen nicht, aber die Hamster und Eichhörnchen wissen gerade das Loch ihrer wohnung zu füllen, das gegen die künftige Wetterseite aufsteht; Firmian dachte, sei das Loch in seinem Beutel geflickt, so fehl' ihm weiter nichts – ach es ging ihm jetzt etwas Bessers ab als Geld, – Liebe. Seine gute Lenette trat immer weiter von seinem Herzen weg und er von ihrem.
Ihr Verhehlen des von Rosa zurückgelieferten Strausses setzte in seiner Brust, wie jeder fremde Körper in jedem Gefässe des Leibes, Stein um sich an. Das war aber noch wenig.
Sondern sie fegte und wischte am Morgen, er mochte pfeifen, wie er wollte –
Sie fertigte alle Landtagabschiede und andere Dekrete ans Laufmädchen noch immer in einigen Duplikaten und "vidimierten Kopien" aus, er mochte protestieren, wie er wollte –
Sie befragte ihn um jede Sache noch einigemal, er mochte immerhin vorher schreien wie ein Marktschreier oder hinterher fluchen wie ein Kundmann des letzten –
Sie sagte noch immerfort: es hat vier Viertel auf 4 Uhr geschlagen – Sie gab ihm noch immer, wenn er den mühsamsten Beweis geführt, dass Augsburg nicht in Zypern liege, die gründliche Antwort: es liegt aber doch auch nicht in Romanien, nicht in der Bulgarei, nicht im Fürstentum Jauer, noch bei Vaduz, noch bei Husten, zwei sehr unbedeutenden Flecken – Er konnte sie nie dahinbringen, ihm offen beizufallen, wenn er ganz unbedingt verfocht und aufschrie: es liegt beim Teufel in Schwaben. Sie räumte bloss ein, es liege gewissermassen zwischen Franken, Bayern, Schweiz etc.; und nur bei der Buchbinderin gestand sie die schwäbische Lage.
Solche Lasten und Überfrachten indessen konnten noch ziemlich von einer Seele getragen werden, die sich mit den Mustern grosser Dulder stärkte, mit dem Muster eines Lykurgs, der sich geduldig von Alkander das Auge, oder eines Epiktets, der sich von seinem Herrn das Bein verhunzen liess – und ich habe auch aller dieser Rostflecken Lenettens schon in vorigen Kapiteln gedacht. Aber ich habe ganz neue Fehler zu berichten und stell' es parteilosen Ehemännern zum Spruche anheim, ob solche auch unter die Mängel gehören, die ein Ehegenoss ertragen kann und soll.
Zuallererst: Lenette wusch sich die hände des tages wohl vierzigmal – sie mochte anfassen, was sie wollte, so musste sie sich mit dieser hl. Wiedertaufe versehen; wie ein Jude wurde sie durch jede Nachbarschaft verunreinigt, und den eingekerkerten Rabbi Akiba, der einmal im grössten Wassermangel und Durst das wasser lieber verwusch als vertrank, hätte sie mehr nachgeahmt als bewundert.
"Sie soll reinlich sein (sagte Siebenkäs) und reinlicher als ich selber – aber Masse muss gehalten werden. – Warum trocknet sie sich denn nicht mit dem Handtuch ab, wenn ein fremder Atem darüber geflogen? Warum säubert sie ihre Lippen mit keiner Seifenkugel, wenn eine Mücke sich – und mehr dazu – auf solche gesetzt? – Hat sie nicht unsere stube zu einem englischen Kriegschiffe gemacht, das täglich innen und aussen überwaschen wird, und hab' ich nicht dem Fegen so friedlich zugesehen als irgendeiner auf dem Verdeck?" Zog eine breite irländische Wolke oder eine donnernde Wasserhose über ihre und seine Tage: so wusste sie den Mann und seinen Mut wie eine holländische Festung ganz unter wasser zu setzen und gab allen Tränen ein weites Bett. Warf hingegen einmal die Glücksonne einen Dezembersonnenschein, nicht breiter als ein Fenster, in ihre stube: so wusste Lenette hundert Dinge zu tun und zu sehen, um nur schönere nicht zu bemerken. Firmian hatte sich besonders vorgenommen, vorzüglich diese paar Tage, wo er einen Gulden hatte, recht auszuspelzen oder abzurahmen und das zweite Janusgesicht, das über Vergangenheit und Zukunft blicken oder weinen wollte, dicht zu verhängen; – aber Lenette zerschlitzte den Schleier und wies auf alles. Ihr Mann versicherte mehr als einmal: "Traute, passe nur, bis wir wieder blutarm und hundsübel dran sind: mit Freuden will ich dann mit dir ächzen und lechzen!" Wenig verfing. – Nur einmal gab sie ihm anständig zur Antwort: "Wie lange währts, so ist doch wieder kein Pfennig im Haus." Aber darauf wusst' er noch verständiger zu versetzen: "Sonach nicht eher willst du einen heitern stillen Tag recht geniessen, als bis man dir Stein und Bein schwören kann, dass kein elender, düsterer, wolkiger nachkommt? Dann koste ja keinen! Welcher Kaiser und König, und hätt' er Tronen auf dem Kopf und Kronen unter dem Steiss, kann nur auf einen Post- oder Landtag lang versichert sein, dass beide nichts Nebliges bringen? Und doch geniesst er rein seinen hellen Tag