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, dass er beleidigt worden. Hingegen rohe Landjunker und Offiziere auf dem Marsch zahlen wirklich aus und schlagen sichwie in Algier, wo jeder Münzgerechtigkeit hatdie Münzsorten dazu selber. Auf Malta ist eine lederne Münze, von 16 Sous im Wert, gäng und gäbe, deren Randschrift heisst: non aes sed fides80; diese juchtene Münze, wiewohl nicht rund, sondern lang ausgeprägt wie spartisches Gelddaher sie noch häufiger unter dem Namen der Hund- und Reitpeitschen vorkömmt –, zählen Landsassen und Personen vom Dorfadel ihren Kutschern, Juden, Schreinern und andern Leuten, denen sie schulden, so lange auf, bis Gläubigere befriedigt sind. – Ja ich stand schon am Tische und sah, dass Offiziere, die auf Ehre hielten, den Degen von der Wand oder Hüfte nahmen und damit dem Stiefelwichser, der sein Geld wollte, es in gedachter antiquarischer Rechenmünzeund schon bei den tapfern Spartern waren Waffen zugleich Münzenwirklich hinzahlten, wobei noch dazu der Mann viel besser gewichset wurde als die meisten Stulpenstiefel, wofür er einfoderte. Und sollt' es, im ganzen und moralisch gesprochen, ein Fehler sein, wenn auch Militärpersonen vom höchsten Range ihre kleinern Schulden abführen und oft dem winzigsten Schneidermeister, der Metall begehrt, die eiserne Elle aus den Händen nehmen und ihmindem sie ihn noch dazu gerade mit dem Masse messen, womit er sie und ihre Pelze massnicht blosse Rechenmünzen oder auch Assignaten, sondern ein Metall, welches das reiche Peru nicht hatte, nämlich besagtes Eisen, als gutes Geld, wenn nicht in die Hand drücken, doch an einen Ort, der Konkursmassen tragen kann? Wenigstens hatten die Briten keine andere Münze als lange Eisenstäbe; kürzer ist die arabische Münze von Draht, Larin genannt, einen Zoll lang, 16 kr. im Wert (s. Eulers Wechselenzyklopädie). – Auf Sumatra sind die Schädel der Feinde unsere Louisdor und die Kopf-Stücke; sogar dieses Schatzgeld, den feindlichen Schädel des Professionisten, der etwas geliefert hat, greift oft der edlere Schuldner an, nur um diesem genugzutun. In der Kautelarjurisprudenz und im allerneuesten preuss. Gesetzbuch fehlet gleichwohl die Kautel: dass ein Gläubiger sich im Schuldschein sogleich ausbedingen solle, in welcher von den zwei gangbaren und alternierenden Geldsorten er von seinem hohen Gemeinschuldner wolle befriedigt werden, ob in Metall oder in Prügeln......

Siebenkäs hatte diesen Donnerstags-Morgen eine kitzelnde Disputierübung über das halbe Herz oder halbe Schwein des Kardinalprotektors, das ihm der Unterkönig, der Friseur, aufdringen wollte, um gewisser den halben Königschuss zu bekommen. Als der Sachse den Schuss hatte, die 25 fl., stritt er kälter und liess sich endlich gefallen, dass künftigen Sonntag das gehälftete Tier oben in Firmians stube von ihm, von den übrigen Hausleuten und von den zwei SchützenLandesvätern undmüttern in Gesellschaft des Schulrates rein wie ein jüdisches Osterlamm sollteaufgezehret werden. –

Die Blumengöttin unserer Tage nahm jetzt einige Finger spitzen voll Gesäme jener Blumen, die schnell aufgehen und die, wie die Christwurzel oder Niesswurz, im jetzigen Dezember blühen, und säete sie neben den Steig, den Firmian am häufigsten ging. – – Aber wie lange, Freudiger! wird die erzwungne Blüte an deinen Tagen hängen bleiben? Und wird es deinem philosophischern Dianens- und Brotbaum, der an der Stelle der Klageiche gesetzet ist, nicht wie anderen abgehauenen Bäumen ergehen, die man auch am Andreastage in die stube und in Kalkwasser pflanzt und die nach einem flüchtigen Ertrag von gelbem Laub und dumpfer Blüte auf immer verschmachten? –

Den Schlaf, den Reichtum und die Gesundheit geniesset man nur, wenn sie unterbrochen worden; bloss in den ersten Tagen, nachdem die Bürde der Armut oder Krankheit abgeladen ist, tut dem Menschen das Aufrechtstehen und das freie Atmen am sanftesten. Diese Tage währten bei unserem Firmian bis zum Sonntag. Er mauerte einen ganzen Kubikfuss von der Teufelsmauer in seiner Auswahl aus des Teufels Papieren aufer rezensierteer prozessierteer wachte listig über den Hausfrieden, den die Einlösung der Pfänder hätte stören können. Das will ich zuerst erzählen, und dann erst das Platos-Gastmahl am Sonntag. Er handelte nämlich schon am Königtage eine Dutzenduhr für 21 fl. an sich, um sein Geld nichtnach und nach auszugeben; er wollte überhaupt einen Hoffnunganker in die Uhrtasche auswerfen. Als nun die Frau darauf antrug, die Salatiere, die Heringschüssel und andere Pfänder auszulösen, und da das nicht mit Küssen, sondern mit seinem halben Kapitale geschehen musste, so sagt' er: "Ich bin zwar nicht dafürin kurzem trägt sie die alte Sabel wieder fortaber wenn du willt, so tu es immer, ich stelle dirs frei." Hätt' er sie bekriegt, er hätte gemusst; so aber, da er ihr das meiste Geld in ihren Beutelhulfter gossund da sie die wachsende Ebbe täglich anzeichneteund da sie sich alle Tage an die Auslösung machen konnte: so machte sie sich eben nicht daran. Die Weiber schieben gern auf, und die Männer fahren gern zu; bei jenen gewinnt man durch Geduld, bei diesen, z.B. bei Ministern, durch Ungeduld. Ich erinnere hier alle deutsche Ehemänner, die etwas nicht auslösen wollen, noch einmal daran, dass ichs ihnen klar gesagt habe, wie sie mit ihren schönen Widerbellerinnen umzuspringen haben.

Jeden Morgen sagte sie: "Ei wahrlich, wir sollten doch einmal nach