. – Ich verlange aber nur ein Geringes – und lasse Sie im stillen herausspringen, bloss Ihren Hut will ich und einige Groschen Geld und Ihre Kundschaft."
– Endlich klopfte der Baugefangne innen an seine Klosettüre und sagte: "Ja, ich stecke hier innen. Lass' Er mich nur heraus, Er soll alles haben. – Ich will von innen mit aufsprengen." Der Perückenmacher und der Altreis setzten das Brechzeug am Sprachgitter des Burgverliesses an, und der Gefangne stiess von innen heraus; während dem Erbrechen der Jubelpforte unterhandelte der Friseur weiter und verfällete den Klausner in die Kosten des Schlosserlohns – und endlich setzte Rosa wie eine bewaffnete Pallas aus der geöffneten Stirnhöhle ans Licht. "Ohne mich", sagte Fecht, "hätt's der Hausherr gar nicht aufgebracht."
Rosa machte grosse Augen über diesen Neben-Erlöser aus dem Personalarrest – nahm den wohlriechenden Hut ab (den der berauschte Kräusler auf seinen Kopf und also in den Realarrest setzte) – warf beiden aus der Westentasche einige Tropfen vom goldnen Regen zu – und eilte aus Furcht vor ihnen und dem Schlosser barköpfig im Finstern nach haus. – Der Friseur aber, dessen Scheitel nahe an der dreifachen Krone der vorigen Kaiser77 und der jetzigen Päpste war – denn der Vogel warf ihm die Krone zu, der Venner den Hut, und die Frau wollt' ihm auch etwas aufsetzen – der Friseur ging wohlgemutet mit der neuen Märtererkrone aus Filz, die er schon unter dem ganzen Schwenkschiessen dem Venner beneidet hatte, in den Schiessgraben hinaus, um wieder hereinzuziehen mit seinem Nebenkaiser unter seinen Reichskindern und Hintersassen.
Der Perückenmacher nahm seinen einem Mitkönige anständigern Hut vor dem königlichen Bruder, Siebenkäs, ab und erzählt' ihm einiges. Der Heimlicher v. Blaise lächelte wie Domitian heute freundlicher als jemals, wobei dem Vogelkaiser nicht wohl ward; denn Freundlichkeit und Lächeln macht das Herz, wie spiritus nitri das wasser, kälter, wenn es kalt, und wärmer, wenn es warm war – von einer solchen Freundlichkeit war nichts zu erwarten als ihr Widerspiel, wie in der alten Jurisprudenz78 die grössere Frömmigkeit einer Frau bloss bedeutete, dass sie mit dem Teufel einen Bund gemacht. Aus den Marterwerkzeugen Christi wurden heilige Reliquien – oft werden aus solchen Reliquien der Heiligen erst die Folterinstrumente. – Der herrliche Zug ging unter dem nickenden Blitzen des ganzen wankenden Sternenhimmels, in den neue Sternbilder zerplatzender Raketen aufzogen. Die Nummern, die nach dem Könige den Schuss gehabt, feuerten in die Luft und salutierten mit dieser Kanonade gleichsam das königliche Paar. Die zwei Könige gingen nebeneinander, und der zur Perückenmacher-Innung zünftige konnte vor Freude und Bier nicht recht stehen, sondern hätte sich gern auf einen Tron gesetzt. – – Aber darüber, über diese 70 Jünger des Adlers und über die zwei Reichsvikarien, versäumen wir ganz andere Dinge. –
Nämlich die Stadtsoldaten, die mit dabei sind – eigentlich die Marktfleckensoldaten79. – Ich will viel über sie denken und nur halb so viel sagen. Eine Stadtmiliz, eine Landmiliz, besonders die kuhschnappelische, ist ein ernstafter Heerbann, der bloss zum Verachten der Feinde gehalten wird, indem er ihnen unhöflich stets den rücken, und was darunter ist, zukehrt, so wie auch eine gut geordnete Bibliotek nur rücken zeiget. Hat der Feind Herz: so verehret der Heerbann wie der tapfere Sparter die Furcht; und wie Dichter und Schauspieler den Affekt selber heftig empfinden und vormachen müssen, den sie mitzuteilen wünschen, so sucht der besagte Bann das panische Schrecken erst selber zu zeigen, in das er Feinde versetzen will. Um nun einen solchen Kriegsknecht oder Friedenknecht in der Mimik des Erschreckens zu üben, wird er täglich am Tore erschreckt; man nennt es ablösen. Ein Friedenkamerad schreitet gegen das Schilderhaus und fängt Feld- und Friedengeschrei an und macht nahe vor seiner Nase feindliche Bewegungen; der wachhabende schreiet auch, macht noch einige Lebensbewegungen mit dem Gewehr und streckt es sodann und läuft davon; der Sieger aber behauptet in dem kurzen Winterfeldzuge das Schlachtfeld und nimmt den Wachtrock um, den er jenem als Beute ausgezogen. Allein damit nicht einer allein auf Kosten der andern erschrocken werde: so wechseln sie mit dem Siegen ab. Ein solcher Krieger voll Gottesfrieden kann oft im Kriege sehr gefährlich werden, wenn er gerade im Laufen ist und sein Gewehr mit dem Bajonett zu weit wegwirft und so den zu kühnen Nachsetzer harpuniert. Kostbare Milizen dieser Art werden zu ihrer grössren Sicherheit an öffentliche Plätze, wo sie unverletzlich sind, z.B. unter die Tore gestellt, und so werden solche Harpunierer recht gut von der Stadt und ihrem Tor bewacht; wiewohl ich doch oft, wenn ich vorbeiging, gewünschet habe, man sollte einem solchen Ritterakademisten einen starken Knüttel in die hände geben, damit er etwas hätte, womit er sich widersetzen könnte, falls ihm ein Durchreisender sein Gewehr nehmen wollte.
Manchem wird es vorkommen, als ob ich auf diese Art die Mängel der Landmilizen nur künstlich verdeckte, und ich mache mich darauf gefasset; aber es ist nicht schwer einzusehen, dass dieses Lob auch auf alle kleine, auf der Fürstenbank stehende Heere reiche, die angeworben werden, damit sie anwerben. Ich will mich darüber jetzt auslassen. Villaume gibt Erziehern den Rat, die Kinder "Soldatens" spielen zu lehren, sie exerzieren und Wache stehen zu lassen, um sie durch dieses Spiel an gelenke und feste Stellungen des Körpers und Geistes zu gewöhnen, d.h. um sie geradezurichten und abzuhärten. In Campens Institut