eine andere Krönung konföderierte und abarbeitete. Sophia (so hiess sie) hatte immer beim Buchbinder Perücken ausgekämmt, wenn der Venner dort sass und Romane seines Lebens heften liess: da hatten beide einander durch Blicke alles gesagt, was keine fremden verträgt. Meiern trat mit der kühnen Miene in die kinderlose stube, die einen Epopöen-Dichter verriet, der sich über den Anfang wegsetzt. In der stube war ein Verschlag von Brettern, worin wenig oder nichts war – kein Fenster, kein Stuhl, einige Wärme aus der stube, ein Wandschrank und das Bette des Paars. –
Rosa hatte sich sogleich nach den ersten Komplimenten unter die tür des Verschlags gestellet, weil er so spät nicht gern jedem vorbeilaufenden Auge – denn die Strasse ging dem Fenster vorbei – eine anstössige Vermutung mitgehen wollte. Auf einmal sah Sophie ihren Gatten um das Fenster rennen. Der Vorsatz einer Sünde verrät sich durch überflüssige Behutsamkeit: Rosa und Sophia fuhren so sehr über den Renner zusammen, dass diese dem Edelmann riet, in den Verschlag zurückzutreten, bis ihr Mann wieder auf den Schiessgraben zurück sei. Der Venner stolperte ins Allerheiligste zurück, und Sophie stellte sich unter die Pforte des Verschlags und tat – da ihr Mann die Tür aufmachte und hereintrat –, als wenn sie aus ihr herauskäme, und zog sie hinter sich nach. Er hatte kaum die Standerhöhung ausgesprudelt, als er mit der Klage entfloh: "Die droben weiss es gar nicht." Die Freude und ein schneller Trunk hatten seine lichtesten Gedanken mit einem Heerrauch entkräftet; er lief an die Treppe hinaus, schrie unten hinauf – denn er wollte wieder zurück zur Schützen-Prozession –: "Madam Siebenkäsin!"- Sie eilte die Hälfte herab und hörte zitternd den frohen Bericht – und warf ihm entweder als Maske der Freude oder als eine Frucht der grösseren Liebe gegen den glücklichern Gatten – oder als eine andere, der Freude gewöhnliche Frucht der Angst die Frage hinab: ob Hr. v. Meiern noch drunten sei. – "War er denn bei mir da?" sagt' er – und seine Frau versetzte ungebeten unter der Stubentüre "War er denn im haus?" – Lenette antwortete argwöhnisch: "Hier oben – aber er ist noch nicht hinaus."
Der Haarkräusler wurde misstrauisch – denn Lungensüchtige trauen keiner Frau und halten, wie Kinder, jeden Schornsteinfeger für den Teufel mit Hörnern – und sagte: "Es ist nicht richtig, Sophel!" Die kurze Hirnwassersucht vom heutigen Trinken und der halbe Anteil am Trone und an den 50 fl. verstärkten seinen Mut so sehr, dass er sich innerlich vorsetzte, den Venner auszuprügeln, wenn er ihn in einem gesetzwidrigen Winkel ertappte. Er machte demnach Entdeckreisen – erstlich im Hausplatz, und seine Fährte und Witterung war Rosas wohlduftender Kopf – er folgte der Weihrauchwolkensäule in die stube nach und merkte zuletzt, der Ariadnensfaden, der Wohlgeruch, werde immer dicker und hier unter diesen Blumen liege die Schlange, wie überhaupt nach Plinius76 wohlriechende Wälder Nattern beherbergen. Sophia wünschte sich in die unterste von Dantes Höllen hinab, aber im grund sass sie ja schon drunten. Dem Friseur leuchtete ein, dass ihm, halte sich der Venner einmal im zugeklappten Meisenkasten des Verschlages auf, dass ihm dann der Petz gewiss bleibe im Bärenfang; und er sparte sich also bis zuletzt das Gucken in diesen auf. Es ist historisch gewiss, dass er ein Frisiereisen ergriff, um mit diesem Visitiereisen den Kubikinhalt des finstern Verschlags zu messen. Drinnen schwenkt' er im Dunkeln die Zange waagrecht, stiess aber an nichts. Darauf schob er die Sonde oder den Sucher in mehr als einen Ort hinein, zuerst ins Bette, dann unter das Bette, brauchte aber jedesmal die Vorsicht, dass er die Beisszange, die nicht glühend war, auf- und zudrückte, falls etwa eine Locke im Finstern zwischen die beiden Tellereisen fiele. Der Kloben fing nur Luft. Jetzt kam er an einen Wand- und Kleiderschrank, dessen tür seit sechs Jahren aufklaffte; denn da in diesem lüderlichen Haushalten der Schlüssel vor ebenso vielen Jahren verloren war, so musste das Einschnappen des Schlosses verhütet werden; aber heute war die tür eng angezogen – der schwitzende Venner tats und stand darin. – Der Kräusler drückte sie gar ins Schloss hinein, und jetzt war das Zuggarn über die Wachtel gezogen.
Er konnte nun ruhig machen, was er wollte, und allen Geschäften gelassen vorstehen; denn der Venner konnte nicht 'raus.
Er sandte die blutrote widerbellende Sophia an den Schlosser und dessen Mauerbrecher ab; sie war aber des festen Vorsatzes, bloss eine Lüge statt des Schlossers mitzubringen. Nach ihrem Abmarsch holt' er den Altreis Fecht herab, damit dieser zugleich der Zeuge und der Messhelfer dessen wäre, was er im Schilde führte. Der Schuhflicker schlich in die stube nach. Der Hektiker ging in den Kanarienbauer hinaus und redete den im Bauer selber inhaftierten Vogel an, indem er mit der Zange an die Pforte der Engelsburg klopfte: "Gnädiger Herr, ich weiss, Sie sitzen darin – regen Sie sich – jetzt bin ich noch mutterseelenallein – ich breche still mit der Zange den Schrank auf und lasse Sie fort." – Er legte das Ohr an die tür dieses Spandaus und sagte, als er den Arrestanten seufzen hörte: "Sie schnaufen jetzt, gnädiger Herr – denn ich lieg' an der Tür – wenn der Schlosser kommt und aufbricht, so sehen wir Sie alle, und ich rufe das ganze Haus her