1796_Jean_Paul_051_78.txt

echte passauische Kunst vor seinen Kugeln zu. Er hätte der babylonischen Hure wenigstens gern ein Auge ausgeschossen, um eine Gans zu fällenes ging auch nicht.

Die Pürschregister, die echt sind, weil sie unter den Augen des Turniervogts v. Blaise vom Schützensekretär geschrieben wurden, melden, dass der Kopf, der Ring im Schnabel und das Fähnlein wirklich den Nummern 16, 2, 63 in die hände fielen.

Siebenkäs hätte seiner lieben Frau wegen, die mit der Mittagsuppe auf ihn wartete, sehr gewünscht, wenigstens den Zepter, worauf man jetzt hielt, den Adlerfängen auszubrechen und an seine Büchse anzuschienen als Bajonett.

Alle Nummern, die diesen goldnen Eichenzweig zu brechen suchten, waren vorüber, nur die schlimmste nicht, sein Vordermann und Hausherrdieser feuerte, und der vergoldete Harpune zitterteSiebenkäs feuerte, und der Aalstachel schoss hernieder. – Die Herren Meiern und Blaise lächelten und gratuliertendie Quer- und Gerade-Pfeifer stiessen bei der Ankunft eines neuen Vogelgliedmasses in ihre Hiftörner (wie Karlsbader bei der Ankunft eines frischen Badgasts tun) und sahen dabei strenge und aufmerksam in ihre Partitur, ob sie gleich ihre Trompeterstückchen schon öfter geblasen hatten wie Nachtwächteralle Infanten, ich meine alle Jungen, stellten ein Wettrennen nach dem Zepter anaber der Pritschenmeister trat zerstäubend unter sie und las den Zepter auf und händigte mit der einen Hand die Regierunginsignie dem Advokaten ein, mit der andern seine haltend, die Pritsche.

Siebenkäs besah lächelnd den kleinen Holzast, an dem oft die summenden Schwärme ganzer anfliegender Staaten fortgetragen werden, und verbarg seine Freude unter diese Satire, die der regierende Heimlicher vernahm und auf sich bezog: "Ein schöner Froschschnepper! – Es sollte eigentlich ein Honigvisierer sein, es werden aber die Bienen selber damit zerknickt, um ihre Honigblase auszuleerenwie Kinder bringen die Woiwoden und Dynasten die LandesBienen um und zeideln statt der Waben die Mägen. – Ein recht närrisches Gewehr! – Es ist von Holz und etwa ein abgebrochenes, vergoldetes, zugespitztes, ausgezacktes Stück von einem Schäferstabe, womit die Schäfer oft auf der Weide das Fett aus den Schafen winden66insofern ja!" – Er fühlt' es selber nicht mehr, wenn er die grösste satirische Bitterkeit ausgoss, von der in seinem Herzen kein Tropfen war: er verkehrte oft mit einem Scherze, den er nur aus Scherz sagte, Bekannte in Feinde und begriff nicht, was die Leute böse machte und warum er nicht mit ihnen so gut wie ein anderer spassen dürfe.

Er steckte den Zepter unter den Überrock und trug ihn, weil vor dem Essen nicht bis zu seiner Nummer herum geschossen werden konnte, in seine Behausung. Er hielt ihn straff und steif voraus wie der Schellenkönig seinen und sagte zu Lenetten: "Da hast du einen Vorlegelöffel und eine Zuckerzange in einem Stück!" Er meinte nämlich die zwei zinnernen Schiess-Prämien, den Vorlegelöffel und die Zuckerzange, die beide in Gesellschaft einer Ambe von 9 fl. frk. dieses Zepterlehn begleiteten. Es war genug für einen einzigen Schuss. Darauf stattete er den Bericht vom Hecht-Fang ab. Lenette, von der er wenigstens erwartet hätte, sie würde in den ersten fünf Sekunden die fünf Tanzpositionen in einem Haushalle durchmachen und Eulers Rösselsprung dazu auf dem Schachbrett der stube, Lenette tat, was sie konntenämlich gar nichts, und sagte, was sie wusstenämlich die Nachricht, dass die Hausherrin sich bei der Buchbinderin über das Aussenbleiben des Mietzinses greulich aufgehalten und über ihren eignen Mann dazu, der ein Fuchsschwänzer und Komplimentarius sei und die Leute nicht grob genug mahne. "Ich erzähle", wiederholte der Zepter-Inhaber, "ich habe heute die Flusshechte und einen Zepter glücklich geschossen, Wendeline Egelkraut!" und klopfte vor Ingrimm mit der Zepter-Zornrute auf den Tisch, auf welchen die zwei Gedecke und Bestecke getragen wurden. Sie antwortete endlich: "Lukas ist schon gelaufen gekommen und hat mir alles hinterbracht; ich habe eine rechte Freude darüber, aber ich glaube, du wirst noch viel mehr schiessen. Das sagt' ich auch zur Buchbinderin." Sie lenkte wieder ins Fahrgleis; aber Firmian dachte: "Jammern kann sie laut genug, aber jubilieren nicht, wenn unsereiner mit Hechten und Zeptern unter den Armen heimkehrt!" – Geradeso war die Ehefrau des zärtlichen Racine, als dieser einen geschenkten langen Beutel mit Louis XIV d'or in die stube warf.

Woher habt ihr, liebe Weiber, die Unart her, dass ihr gerade, wenn der Eheherr gute Nachrichten oder Geschenke bringt einen unausstehlichen Kaltsinn gegen seine Fracht auskramt, und dass in euch gerade, wenn das Schicksal den Wein euerer Freude blühen lässt, die Fässer mit dem alten trübe werden? Kommts von euerer Sitte, an euch, wie euer Ebenbild, der Mond, nur die eine Seite zu zeigen, oder von einer mürrischen Laune gegen das Schicksal, oder von einem süssen überströmenden Freudengefühl, welches das Herz zu voll macht und die Zunge zu schwer? – Ich glaube, es kommt oft von allem auf einmal her. – Bei Männernund auch bei Weibern, immer bei einem unter Tausendenkanns noch von der melancholischen Betrachtung über die Haifische kommen, die uns den Arm abreissen, mit dem wir unten im finstern Meer vier Perlen der Freude beklommen und atemlos sammeln; oder von einer noch tiefern Frage: ist nicht die innigere Wonne nur ein Ölblatt, das uns eine Taube über unsere