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meisten erstaunen lässt (erklären lässt sichs aber immer), war bloss, dass er nicht eher daran gedacht hatte, da doch sein Vater ein Jäger war; wiewohl ich auf der andern Seite gern gestehe, dass dieser Tag nicht besser auserlesen sein konnte, weil in ihn gerade die Versteigerung fiel.

Der Knebelspiessder Pferdeschwanzder Vorlassdas Fuchseisender Stossdegendie Hausapoteke und die Maske mit einem Halse, lauter Dinge, die er bisher in der Feldkiste nicht gesucht hatte, konnten ja den Augenblick hinabgetragen und aufs Rataus geschoben werden, damit der frisierende Sachse sie losschlüge. –

Und das geschah auch. Er war nach langen Unglückfällen warm-durchfreuet über einen Zufall. Er zog der ganzen zur Versteigerung abgegangenen Kistebloss die lederne Schlag-Ader und die Büchse blieb zurückselber nach, um zu hören, was man droben biete.

Er stellte sich zunächst an den hektischen Hausherrn hinter die Versteigertafel mit seinen zu langen Halbstiefeln. Das ganze gleichsam in einer Feuergefahr oder Plünderung zusammengeworfne MöbelnHeergeräte, meistens verkauft von Verarmenden, meistens gekauft von Armen, machte seine Begriffe von Minute zu Minute immer kleiner von diesem zusammengesetzten Schöpf- und Pumpenwerk und überhaupt von der Maschinerie, welche den Springbrunnen einiger kleiner Lebenstrahlen im Springen und Glänzen erhält, und er selber, der Maschinenmeister, wurde immer männlicher. Es ärgerte ihn, dass sein Geist gestern ein unechter Edelstein gewesen, den ein Tropfen Scheidewasser verdunkelt und der Farbe beraubt; denn ein echter glänzet fort. – Nichts macht humoristischer und gegen die Ehre der Stände kälter, als wenn man die des seinigen vertauschen muss mit der Ehre der person oder des Werts, und wenn man überhaupt sein Inneres immer mit Philosophie gleichsam wie ein Diogenesfass gegen äussere Verletzungen überziehen, oder wenn man, in einer schönern Metapher, wie die Perlenmuschel, die Löcher, welche Würmer in unsere Perlenmutter bohren, mit Perlen der Maximen vollschwitzen muss. – Inzwischen sind Perlen besser als eine unversehrte Perlenmutter; ein Gedanke, den ich mit Golddinte schreiben sollte.

Ich stelle so viele Philosophie mit gutem Grund voraus, weil ich den Leser dahin bringen will, dass er nicht zu viel Lärm über das erhebt, was der Armenadvokat jetztmachen will, genau betrachtet einen unschuldigen Spass, nämlich den, dass erda ohnehin die gepuderte Lunge des Proklamators lieber keucht als schreietdiesem Hammerherrn den Glockenhammer der Versteigerung abnimmt und alles selber versteigert. Er tats in der Tat nur eine halbe Stunde lang und noch dazu bei seiner eignen Ware; ja er hätte sich hier bedacht, das Hammerwerk zu pachten, hätt' es nicht seiner Seele so unbeschreiblich wohlgetan, den Pferdeschwanz, den Knebelspiess, den Vorlass etc. in die Höhe zu heben und hämmernd auszurufen: "Vier Groschen auf den Pferdeschwanz zum erstenmalfünf Kreuzer auf den Vorlass zum zweitenmaleinen halben Ortstaler auf das Fuchseisen zum erstenmalzwei Gulden auf den Stossdegen zum dritten- und letztenmal." Er tat, was ein Auktionator soll, er lobte die Ware; er blätterte vor den anwesenden Jägern (der Adler auf der Vogelstange hatte, wie Aas, entfernte hergelocket) den Pferdeschwanz auf, strich ihn nach dem Haar und wider das Haar und versicherte, er getrauete sich, mit den Schlingen davon die Dohnenschnait durch den Schwarzwald durchzuführen. Den Vorlass setzt' er in sein Licht, er zeigte der Gesellschaft den hölzernen Schnabel, die Schwingen, die Fänge und den Überzug mit dem Federspiel und wünschte, es wär' ein Falke da, um das Luder auf den Vorlass zu legen und ihn zu locken.

Die Rechnungen in seinem Haushaltkalender, die ich darüber wegen meines elenden Gedächtnisses zweimal nachgesehen, setzen die Summe, die er von den vielen gegenwärtigen Jägern erhob, auf 7 fl. frk. ohne die Groschen. Und dabei ist die Hausapoteke und die langhälsige Maske nicht einmal gerechnet; denn diese mochte kein Mensch. – Zu haus liess er den ganzen Kronschatz und Tilgungfonds in den breiten Gold-Tornister Lenettens laufen, wobei er sie und sich vor den Gefahren eines grossen Reichtums warnte und beiden die Exempel von übermütigen Begüterten vorhielt, so am Ende fallieren mussten.

Im siebenten Kapitel, das ich sogleich anfangen werde, kann ich nach so viel tausend Hausplagen das gelehrte Deutschland endlich in den Schiessgraben versetzen und ihm meinen Helden vorführen als ein löbliches Schützenmitglied, das Kugeln und Büchsen hat und das anständiggekleidet weniger alsgestiefelt ist: denn jetzt werden Kugeln gegossen, Büchsen gescheuert, und Stiefeln ziehen Schuhe an. Fecht näht die dreiviertels Stiefeln auf seinem Knie zu halben um und besohlet sie mit demledernen Arm, über den bisher Redens genug war. In meinen Tagen, wo man sogar Badinen (Stöckchen) von Leder trägt, als wären die welken arme daraus, hätt' aus dem Jägerarm ein Stock in einem bessern Sinne gemacht werden können, wie man noch die Nashornfelle in Spazierstöcke zerschneidet.

Siebentes Kapitel

Das Vogelschiessendas SchwenkschiessenRosas

Herbst-FeldzugBetrachtungen über Flüche, Küsse

und Landmilizen

Nichts tut mir bei dieser an sich schönen Historie mehr Schaden, als dass ich mir vorgenommen, sie in vier Alphabete zusammenzudrängen; ich habe mir dadurch selber allen Platz geraubt, auszuschweifen. Ich gerate hier metaphorisch in den Fall, worin ich einmal ohne Metapher war, als ich den Durchmesser und den Umkreis der Stadt Hof ausmessen wollte. Ich hatte nämlich den Catelschen Schrittzähler mit einem Haken rechts an den Hosenbund und die am Schenkel niederlaufende