1796_Jean_Paul_051_65.txt

das grillierte Kleid aufbehalten wird, das sage mirdu kannst den Kattun nicht öfter antun als ein einziges Mal, wenn ich für meine person mit Tod abgehe. – Lenette, das frisset mir das Innere anmünze den Rock ausmerz ihn ausich schliesse aus meinem Kleiderschrank zwei Paar Trauerschnallen bei, mit denen ich nichts mehr einzuschnallen verhoffe!" –

Sie lärmte unbändig und kanzelte mit Verstand alle "leichtsinnige, lüderliche Haushälter" ab, eben weil sie zu befahren hatte, er werde nunmehr alle die Möbeln, die er heute wie ein Fleischbeschauer geschätzet und befühlet hatte, eines nach dem andern in das Schlachtaus unter das Schlächter-Messer führen und wohl gardu treuer Jesus! – den grillierten Rock auch. "Lieber leid' ich Hunger", sagte sie, "als dass ich den Mörser um ein Spottgeld verschleudere. Morgen abend kommt ja der Hr. Rat und überbringt dir das Schreibgeld" (für die zwei Rezensionen).

"Das lässt sich hören", sagt' er und trug den ausgerissenen Stössel waagrecht mit zwei Händen in die kammer auf Lenettens Kopfkissen; dann trug er den Mörser, als den Spielraum der Spielwelle, abgesondert nach und stellte ihn auf seines: "Wenn ihn die Leute", sagt' er, "schellen hörten, so dächten sie (denn wir stossen nichts darin), ich wollt' ihn versilbern; und das möchte' ich nicht gern."

Ihre beiderseitige Zentralkasse, die sich in seiner baumwollenen grün-gelben Börse und in ihrer angehangenen breiten Geldtasche aufhielt, mochte sich auf dreiGroschen gut Geld belaufen. Abends sollte ein Groschenbrot für die Barschaft geholt werden, und der Rest des metallischen Samens musste morgen als Saat des Früh- und des Mittagstückes ausgeworfen werden. – Das Laufmädchen lief nach Brot aus; kam aber wieder mit dem Groschen und mit der Hiobspost: es liege so spät nichts mehr auf allen Bäckerläden als Zweigroschenbroteder Vater (der Altreis Fecht) habe auch nichts bekommen. Das war eben erwünscht: der Advokat konnte mit dem Schuster in Kompanie treten und so, indem beide Associés ihre zwei Groschen in eine Kasse legten, leicht den Zweigroschenlaib erstehen. Die Fechtischen wurden befragt; der Schuster, der gar kein Geheimnis aus seinen täglichen Falliments machte, repartierte: Von Herzen gern! es soll' ihn Gott strafen, verzeih' es ihm Gott, wenn er und sein Lumpenpack heute etwas gefressen oder etwas ins Maul genommen hätten als Schuhdraht. – Kurz, die Vereinigung des gelehrten Standes mit dem dritten hob den Brotmangel, und die zwei Bündner wogen den zersägten Laib auf einer billigen Waage gleich, auf der die Ware zugleich der Gewichtund Passierstein war. – – Ach! ihr Reichen! ihr wisset auf eueren Himmelbrot-Wägen nicht, wie unentbehrlich der Armut kleine Gewichte, Apotekerwaagen, Hellerbrote, eine Mahlzeit für 8 Kreuzer, wofür noch das Hemde unter dem Essen gewaschen wird59, und ein Brotschnittandel ist, wo blosse Brot-Scherben und schwarzer Brotpuder60 für Geld zu haben istund wie ein ganzer froher Abend einer Familie daran hängt, dass euere Zentner in Loten feilstehen! –

Man ass sich froh und satt; Lenette war gefällig, weil sie ihren Willen durchgesetzt. Der Advokat stellte nachts leise das wartende Pfandstück auf einen weichen Sessel. Am Morgen machte sie ihm durch Stille das Schreiben leichter. Es war aber ein gutes Zeichen, dass sie den Mörser nicht aus der kammer in den Wandschrank zurücksetzte. Siebenkäs schoss übrigens aus diesem Bombenmörser allerlei fragen in Bogen ab; er wusste gewiss, dass heute oder morgen diese Loretto- und Harmonikaglocke gegen geringes Abzuggeld noch über die Grenzen marschiere. Eine Frau wartet nur gern das Äusserste ab.

Abends klopfte der Pelzstiefel an. – Es war lächerlich und menschlich zugleich, zu erwarten, das erste, was der Redakteur des Götterbotens bringe, sei das kritische Macherlohn, damit man dem Redakteur wenigstens einen geheizten Leuchter und ein volles Bierglas vorzusetzen vermöge. Über eine solche Bangigkeit geht nichts, weil die Beschämung auf einmal alle Springfedern im Menschen zerbricht. Siebenkäs fragte nichts darnach, weil er wusste, Stiefel frage auch nichts darnach. – Aber die arme Lenette, deren Schamröte besonders durch die Liebe gegen Stiefeln höher wurde! – Endlich zog der Rat aus der tasche man erwartete allgemein die Erscheinung der Rezensier-Sportelnbloss seine Rappeemühle oder sein Schnupftabakreibeisen und griff in die Rocktasche, um eine halbe Stange Rappee auf die kleine Häckselbank zu stellen. Er hatte' aber die Stange schon aufgerieben. Er griff in die Hosentasche, um Geld zu einer neuen zu holen. Wahrhaftig er hattehier stiess er einen Fluch aus, für den er in England Fluchgebühren hätte geben müssendie ganze Börse samt den Beinkleidern nicht nur (es waren seine plüschene), sondern auch samt dem richtig abgezählten Päckel eingewikkelter Rezensier-Gebühren aus Dummheit zum Schneider geschickt. Er sagte, es wäre nicht das erstemal und der Meister sei recht ehrlich zum Glück; die Sache war aber, er hatte nie den Inhalt seiner Börse auswendig gewusst. – Unbefangen bat er Lenetten: ihm eine Stange Rappee zu verschaffen, morgen übersend' er das Darlehn zugleich mit dem gelehrten Arbeitlohn. Siebenkäs fügte schelmisch bei: "Lass auch Bier mit holen, Beste." – Er stellte sich mit dem Pelzstiefel ans Fenster, aber er konnte wohl vernehmen, dass die arme Frauderen Herz gedrückt unter Seufzern lag und das die peine