sähe, dass ich mein Licht verkehrt in den Leuchter gesteckt, und alle Schuld gäbe man der Frau." Somit musste in diesem Kerzenstreit eine Konkordienformel die Parität festsetzen, dass er seine Lichter unten, sie ihre oben ansteckte. jetzt aber bei der Simultankerze, die schon oben dick war, liess er sich das Interim des falschen Leuchtens gefallen.
Allein der Teufel, der sich vor dergleichen segnete und kreuzigte, wusste es so zu karten, dass dem Advokaten noch an diesem Tage die rührende Anekdote zum Lesen in die hände fiel, wie dem jüngern Plinius die Gattin die Lampe fort gehalten, damit er bei dem Schreiben sähe. Jetzt unter dem freudigen Verfassen der Auswahl aus des gedachten Teufels Papieren verfiel nun der Advokat darauf, dass es herrlich wäre und ihm die Unterbrechungen ersparte, wenn Lenette statt seiner jedesmal das Licht schneuzte. "Ei sehr gern", antwortete sie. Die ersten funfzehn bis zwanzig Minuten ging und schien alles recht gut.
Darnach hob er einmal das Kinn seitwärts gegen das Licht wie einen Zeigfinger empor, um an das Putzen zu erinnern. – Wieder einmal berührte er zu gleichem Zwecke bloss still die Lichtputze mit der Federspitze; später rückte er ein bisschen den Leuchter und sagte sanft: "Das Licht!" Nun nahm die Sache mehr eine Wendung ins Ernste, indem er auf dem Papiere dem Eindunkeln schärfer aufzupassen anfing, so aber sich durch dieselbe Lichtschere, von welcher er in Lenettens Hand sich so viel Licht für seine Arbeit versprochen, grade in seinem Gange aufgehalten fand, wie ein Herkules durch Krebsscheren im Kampfe mit der Hydra. Das elende dünne Gedankenpaar, die Lichtputze mit der Lichtschnuppe, tanzte keck Hand in Hand auf allen Buchstaben seiner schärfsten Satiren auf und ab und liess sich sehen vor ihm. – "Lenette", sagt' er bald wieder, "amputiere doch zu unserer beiden Besten den dummen Schwarz Stummel!" – "Hab' ichs vergessen?" sagte sie und putzte geschwind.
Leser von historischem Geist, wie ich sie mir wünsche, sehen nun schon leicht voraus, dass die Umstände sich immer mehr verschlimmern und verrenken müssen. In der Tat hielt er jetzt häufig an sich, harrte, ellenlange Buchstaben hinreissend, auf eine wohltätige Hand, die ihn vom schwarzen Dorne der Lichtrose befreiete, bis er endlich in die Worte ausbrach: "Schneuz!" – Er griff zur Mannigfaltigkeit in Zeitwörtern und sagte bald: "lichte!" – bald: "köpfe!" – bald: "kneip ab!" – Oder er versuchte anmutigen Abwechsel in andern Redeteilen und sagte: "Die Lichtputze, Putzmacherin! – es ist wieder ein langer Sonnenflecken in der Sonne" – oder: "Ein artiges Nachtlicht zu Nachtgedanken in einer artigen CorreggiosNacht, inzwischen schneuz!" –
Endlich kurz vor dem Essen, als der Kohlenmeiler in der Flamme wirklich hoch gestiegen, schlang er einen halben Strom Luft in die Brust und sagte, ihn langsam herauströpfelnd, in grimmiger Milde: "Du schneuzest und stutzest sonach, wie ich sehe, nichts, der schwarze Brandpfahl mag wachsen bis an die Decke. Nun gut! Ich will lieber selber der Komödienlichtputzer und Essenkehrer sein bis zum Tischdekken; aber unter dem Essen will ich als ein vernünftiger Mann dir sagen, was zu sagen ist." – "Das tu nur!" sagte sie sehr froh.
"Ich hatte mir allerdings", fing er an, als sie ihm und sich vorgelegt hatte, jeder person zwei Eier, "vieles Gute von meinen Nachtarbeiten versprochen, weil ich angenommen, du würdest das leichte Schneuzen immer in den richtigen zeiten besorgen, da ja eine vornehme Römerin für ihren vornehmen Mann, Plinius junior, mit den Kaufleuten zu reden, sogar ein Leuchter ward und den Lampendocht gehalten. So aber ist die Sache nichts, weil ich nicht wie ein glücklicher Armkrüppel mit dem fuss unter dem Tische schreiben kann, oder wie ein Hellseher ganz im Finstern. Was ich jetzt vom ganzen Leuchter habe, ist, dass er eine alte Epiktetslampe ist, bei der ich den Stoiker mache. Wie eine Sonne hatte das Licht oft zwölf Zoll Verfinsterung, und ich wünschte vergeblich, Herzchen, eine unsichtbare Finsternis, wie man sie oft am Himmel hat. Die verfluchten Licht-Schlakken hecken eben jene dunkeln Begriffe und Nachtgedanken aus, die ein Autor bringt. O Gott, hättest du hingegen gehörig geschneuzt!" –
"Du spassest gewiss", versetzte sie; "meine Stiche sind viel feiner als deine Striche, und ich sah doch recht hübsch."
"So will ich dir denn psychologisch und seelenlehrerisch beibringen", fuhr er fort, "dass es bei einem Schriftsteller und Denker gar nicht darauf ankommt, ob er mehr oder weniger sehen kann, aber die Lichtschere und Lichtschnuppe, die ihm immer im kopf steckt, stülpt sich gleichsam zwischen seine geistigen Beine wie einem Pferde der Klöppel und hindert den gang Schon nachdem du kaum ordentlich geputzt hast, und ich im Lichte lebe, lauer' ich auf die Minute des neuen Scherens. Dieses Lauern nun kann in nichts bestehen, da es unsichtbar und unhörbar ist, als in einem Gedanken, jeder Gedanke aber macht, dass man statt seiner keinen andern hat – – und so gehen denn die sämtlichen bessern Gedanken eines Schreibers vor die Hunde. – Und doch sprech' ich noch immer nur vom leichtesten Übel – denn ich brauchte ja nur an ein Licht- Schneuzen so wenig zu denken als