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es nicht recht. So lasse mich ordentlich kehren wie andere Weiber." Sie fragte ihn noch unschuldig, warum ihn denn der Buchbinderjungedas sind meine Worte, nicht ihre –, der den ganzen Tag auf einer Kindergeige phantasierte und Alexanders-Feste auf ihr setzte und hatte, nicht störe mit seinen gellenden unharmonischen Fortschreitungen, und warum er das neuliche Essen-Kehren besser als das Stuben-Kehren habe leiden können. Da er es nun in solcher Eile nicht in seinen Kräften hatte, den grossen Unterschied mit wenigen Worten auseinanderzusetzen: so fuhr er lieber wieder auf und sagte: "Ich soll dir hier lange Reden gratis halten, und dort entgeht mir ein Ortstaler nach dem andern Himmel! Kreuz! Wetter! Das bürgerliche Recht, die römischen Pandekten lassen nicht einmal einen Kupferschmied in eine Gasse ziehen, worin ein Professor arbeitetund meine Frau will härter sein als ein alter Jurist? ja will der Kupferschmied selber sein? – Lenette, schau, ich frage wahrlich den Schulrat darüber!" Das half viel.

jetzt langte gar der Betrag für den DreifaltigkeitTaler noch vor dem Schulrat an; eine höfliche Aufmerksamkeit, welche niemand bei einem so kenntnisvollen mann gesucht hätte. Es wird gewiss alle Leser so sehr erfreuen, als wären sie selber Gatten Lenettens, dass diese den ganzen Nachmittag ein Engel war; ihre Handarbeit hörte man so wenig als ihre Fingeroder Näharbeitmanche unnötige schob sie sogar aufeine Schwester Rednerin, die einen göttlichen Kopfputz trug, aber in den Händen zum Ausbessern, begleitete sie die ganze Treppe hinunter, nicht sowohl aus Höflichkeit als in der zarten Absicht, die wichtigsten Nähpunkte, welche sie mit ihr abgesprochen, noch einigemale unten durchzusprechen, ohne dass der Advokat oben es hörte.

Dies rührte den alten Lärm-Abpasser und fasste ihn bei seiner schwachen und weichen Seite, beim Herzen. Er suchte lange in sich nach einem rechten Danke dafür herum, bis er endlich einen ganz neuen fand. "Höre, Kind", sagt' er und nahm sie bei der Hand unbeschreiblich freundlich, "würde' ich mich nicht als einen vernünftigen Menschen zeigen, wenn ich abends scherzte und schriebe, ich meine, wenn der Mann schüfe, wo die Frau nicht wüsche? Besieh dir vorher ein solches Nektar- und Ambrosialeben: wir sässen einander gegenüber bei einem Lichtedu tätest deine Sticheich täte meine satirischensämtliche Handwerker des Hauses klopften nicht mehr, sondern wären beim BierHaubenzubringerinnen liessen sich ohnehin so spät nicht mehr sehen und hören. – Davon will ich gar nicht reden, dass natürlich die Abende immer länger werden und folglich auch mein Schreiben und Scherzen darin ebenfalls. – Was denkst, oder wenn du lieber willst, was sagst du dazu, zu einem solchen neuen Leben und Wehen? Denn nimm nur noch vorzüglich dazu, dass wir eben bei Geld sind und der gräflich-reussische Dreifaltigkeit-Taler ordentlich wie gefunden uns alle sämtlich umprägt, Stiefel und mich zum Vater und Sohn, und dich zum Heiligen Geist, der von uns beiden ausgeht!"

"O sehr scharmant", versetzte sie; "so dürft' ich doch am Morgen alle meine Sachen ordentlich machen, wie einer vernünftigen Hausfrau gebührt." – "Jawohl", fügt' er bei, "den Morgen schrieb' ich ruhig an meinen Stachelschriften weiter und passte auf den Abend, an welchem ich da fortführe, wo ichs am Morgen gelassen."

Der Nektar- und Ambrosia-Abend brach wirklich an und suchte seinesgleichen unter den bisherigen Abenden. Ein Paar junge Eheleute bei einem Lichte einander an einem Tische gegenüber in harmlosen und stillen arbeiten wissen freilich von Glück zu sagen: er war voll Einfälle und Küsse; sie war voll Lächeln, und ihr Schieben der Bratpfanne fiel ihm nicht stärker ins Gehör als ihr Ziehen der Nähnadel. "Wenn Menschensagte er, höchst vergnügt über die häusliche Kirchenverbesserung bei einem Lichte doppelten Arbeitlohn verdienen, so brauchen sie sich, soviel ich einsehe, nicht auf ein elendes wurmdünnes gezogenes Licht einzuziehen, wobei man nichts sieht als das einfältige Licht selber. Morgen wenden wir ohne weiteres ein gegossenes auf."

Da ich einiges Verdienst dieser geschichte darein setze, dass ich aus ihr nur Ereignisse von allgemeiner Wichtigkeit aushebe und mitteile: so halte ich mich nicht lange dabei auf, dass abends das gegossne Licht erschien und einen matten Zwist entzündete, weil der Advokat bei dieser Lichtkerze seine neue Lehre von der Lichteranzündung wieder zum Vorschein brachte. Er hegte nämlich den ziemlich schismatischen Glauben, dass jedes Licht vernünftigerweise bloss am dikken Endevollends ein dickes anzuzünden wäre, und nicht oben am magern, und dass deswegen auch an allen Lichtern zwei Dochte vorstächen; "ein BrennGesetz", fügt' er hinzu, "wofür ich wenigstens bei Weibern von Vernunft nichts weiter anzuführen brauche als den Augenschein, dass ein herabbrennendes Lichtwie herabbrennende Schwelger durch Fettund durch Wassersuchtsich gegen unten immer mehr verdickt; hat man es nun oben in Brand gesteckt, so erleben wir unten einen überfliessenden unbrauchbaren Talgblock, Pflock und Strunk im Leuchter; hingegen aber, wie schön und symmetrisch legt sich das Flussfett der dickern Hälfte allmählich um die magere, gleichsam sie mästend, und gibt ihr Gleichmass, wenn wir die dicke zuerst anbrennen!"

Lenette setzte seinen Gründen etwas Starkes entgegen, Shaftesburys Probierstein der Wahrheit, das Lächerliche. "Wahrhaftig", sagte sie, "jeder würde lachen, der nur abends hereinträte und es