, seiner Frau zum ersten Male öffentliche Ehre machen, welche sie als eines Ratkopisten Tochter aus Augsburg wohl erwarten durfte. Nur war dem ernsten Schützenhanswurst der ungewöhnliche Zopfdukaten gar nicht zum Auswechseln beizubringen, zumal da ihn der Advokat eigentlich erst verdächtig machte durch die Wiederholung: "Es ist in der Tat ein guter echter Schwanz- und Zopfdukaten. Ich selber", setzte er hinzu, "trage zwar keinen Zopf, aber ein Goldstück kann dergleichen sehr gut, des preussischen Königs wegen, der den seinigen auf ihm ausmünzen und verewigen wollen. Frau, es kann ja mein Hausherr, der Friseur, herauf, der muss am besten wissen, ob es ein Zopfdukaten ist, da er Zöpfe schon ohne Dukaten täglich unter den Händen hat." Der kuhschnappelsche Pickelhering lachte darüber nicht im geringsten. Der Friseur erschien und bestätigte ganz, es sei ein Zopf, und trug sich höflich selber zum Verwechseln an. Haarkräusler können laufen; in fünf Minuten brachte er das Silber für den Zopf. Nachdem der gesetzte Lustigmacher das Seinige vom Schwanzdukaten eingesteckt: so standen in Lenettens Angesicht allerlei doppelte Frag- und Ausrufzeichen umher, und Siebenkäs fuhr in seiner Mittagpredigt fort: "Die Hauptgewinste, Lenette, bestehen beim Vogel in Zinngeschirr und in Geld, bei den andern Tieren, wornach wir schiessen, meist in Viktualien. Ich glaube, ich und du werden am Andreastage nicht nur aus einer neuen Bratenschüssel speisen, sondern auch einen frischen Braten darin, den ich dir samt der Schüssel in die Küche schiessen kann, wenn ich mich sonst anstrenge. – – Überhaupt ängstige dich nicht, Schöne, weil unser Geld ausgeht; stelle dich nur hinter mich, ich bin dein Erdsack oder Schanzkorb oder gar deine Tranchée-Katze, und mit meiner Kugelbüchse, besonders aber mit meinem Dintenfasse gedenk' ich den Teufel der Armut in einiger Entfernung von uns zu halten, bis mir mein ehrlicher Vormund das Mütterliche aushändigt. Nur stören musst du um Gottes willen nicht meinen Fleiss durch den deinigen; – dein Besen und dein Lappen haben mich heute um bare 16 Ortstaler47 gebracht. Denn sobald ich 1 Druckbogen meiner teuflischen Papiere nur zu 8 Reichstlr. (den Rtlr. à 90 Kr.) rechne – er kann freilich noch mehr betragen –, so hätt' ich heute 48 Ortstaler erschreiben können, wenn ich ausser dem Druckbogen noch einen halben gemacht hätte. – Ich musste aber mitten im Feuer in der kammer zu dir viele Worte sagen, für die ich keinen Kreuzer Ehrensold beziehe: du solltest mich doch endlich für einen alten dicken Spinnen- oder Kankerkörper ansehen, den man in eine Schachtel sperrt (mein Stubennest ist gar nichts Besseres) und welcher darin mit der Zeit zu einem köstlichen Goldhorn oder Juwel eindorrt. So oft ich eintunke, zieh' ich – hab' ich dir öfter gesagt – ordentlich einen Goldfaden aus dem Dintenfass, denn ich habe Gold im mund eben in der Morgenstunde.
Iss hinunter und horche aber zu: ich bringe dir jetzt das Vorzüglichste vom Werte eines Autors bei gelegenheit bei und gebe dir den Schlüssel über vieles.... Im Schwabenland, im Sachsen- und im Pommerland sind Städte, in denen Autorenfleischtaxatores sitzen, wie hier unser alter Metzgermeister; man nennt sie aber gemeiniglich die Schmeckherren48 oder Geschmackherrn, weil sie vorher jedes Buch kosten und nachher den Leuten sagen, ob es ihnen schmecken werde. In der Erbosung nennen wir Autores sie freilich oft Rezensenten; aber sie können uns gerichtlich darüber belangen. Da die Schmeckherren selten Bücher schreiben, so haben sie besser Zeit, die der fremden Leute durchzusehen und zu taxieren. Ja oft haben sie selber schlechte gemacht und wissen also sogleich, wie ein schlechtes sein muss, wenn sie eines vorbekommen. Manche sind aus demselben grund Schutzpatrone der Autoren und ihrer Bücher, weswegen der hl. Nepomuk den Schutzpatron der Brücken und der Leute, die darüber gehen, macht – weil er nämlich selber einmal von einer ins wasser geworfen worden. Unter diesen Herren wird nun meine Schreiberei dort herumgeschickt, sobald sie in Druck gebracht worden ist, wie dein Gesangbuch. Jetzt gucken sie meine Sachen durch, ob ich recht deutlich und leserlich (weder zu grob noch zu klar) geschrieben – ob ich keine falschen Buchstaben, kein kleines e statt eines grossen E, oder ein F statt eines Ph gesetzt – ob die Gedankenstriche nicht zu lang und nicht zu kurz sind, und was sonst dergleichen ist – ja oft urteilen sie sogar (welches ihnen aber nicht gebührt) über die Gedanken selber, die ich hingeschrieben. Hobelst und wetzest du nun mit dem Besen hinter mir herum: so mach' ich vieles falsch und erzdumm, und es wird nachher so hingedruckt. Das tut aber einem Menschen wahren Schaden. Denn die Schmeckherren reissen mit ihren fingerlangen Nägeln – der Knopfmacher ihre sind kürzer, aber nicht die der Beschneider bei den Juden –, bevor sie dem buch, wie die Beschneider dem Judenbuben, einen Namen geben, überall da, wo es verdruckt ist, abscheuliche Schnittwunden und Löcher ins schönste Papier – Dann lassen sie einen fliespapiernen Zettel draussen im Reiche, im Sachsenund im Pommerlande umlaufen, auf welchem sie mich ausfilzen und mir einen bösen Leumund machen und es vor allen Schwaben geradezu sagen, ich sei ein Esel.... Gott bewahre! Und einen solchen Staupbesen hätt' ich bloss deinem Besen zu danken – schreibe' ich freilich vortrefflich und leserlich und recht mit wahrem Verstand – wie denn dort kein Bogen von meinen