sass und an der Auswahl aus des Teufels Papieren schrieb: dies machte ihn völlig irre im Denken. Der kleinste Tritt, jede leise Erschütterung griff ihn wie einen Wasserscheuen oder Chiragristen an und brachte immer ein oder zwei gute junge Gedanken, wie ein grösseres Geräusche Kanarienbrut und Seidenraupen, um das Leben.
Anfangs bezwang er sich recht gut; er gab sich zu bedenken, die Frau müse sich doch wenigstens regen und könne, solange sie keinen verklärten Leib und keine verklärten Möbeln handhabe, unmöglich so leise in der stube auftreten wie ein Sonnenstrahl oder wie ihre unsichtbaren guten und bösen Engel hinter ihr. Aber indem er bei sich diesen guten cours de morale, dieses collegium pietatis hörte, kam er aus dem satirischen Kontexte und Konzepte und schrieb bloss matter weiter.
Am Morgen nach jenem Silhouettier-Abende, wo ihre Seelen sich die hände gegeben und den Fürstenbund der Liebe wieder erneuert hatten, konnte' er viel offener zu Werke gehen, und er sagte, sobald er statt des Schattenrisses nichts schwarz malte als die Urbilder, d.h. sobald er in der satirischen Russhütte arbeitete, er sagte schon voraus zur Frau: "wenn es dir tulich ist, Lenette, so mache heute kein sonderliches Getöse – es ist mir beinah hinderlich, wenn ich dasitze und für den Druck arbeite." Sie sagte: "Ich dächte, du hörtest mich kaum, so schleich' ich."
Wenn der Mensch über die Tölpeljahre hinüber ist: so hat er noch jährlich einige Tölpelwochen und Flegeltage zurückzulegen: Siebenkäs tat die obige Bitte wahrlich in einer Tölpelminute. Denn nun hatte er sich selber genötigt, unter dem Denken aufzulauern, was Lenette nach dem Empfange des Bittschreibens vornehme. Sie lief jetzt über die Stubendiele und über die Fäden ihres häuslichen Gewerkes mit leisen Spinnenfüssen. Denn sie hatte wie andere Weiber nicht widersprochen, um zu widerstreben, sondern um nur zu widersprechen. Siebenkäs musste fleissig aufpassen, um ihre hände oder Füsse zu hören; aber es glückte ihm doch, und er vernahm das meiste. Wenn man nicht schläft, so gibt man auf ein leises Geräusch mehr als auf ein grosses acht: jetzt horchte ihr der Schriftsteller überall nach, und sein Ohr und seine Seele liefen, als Schrittzähler an sie angemacht, überall mit ihr herum – kurz, er musste mitten in der Satire "Der Edelmann mit seinem kalten Fieber44" abschnappen, aufspringen und zur Schleicherin sagen: "Ich horche schon seit einer Stunde auf das peinigende Trippeln hin; ich wollte lieber, du trabtest in zwei lauten Krupezien herum, die mit Eisen besohlet sind zum Takt-Stampfen45, als so – geh lieber wie gewöhnlich, Beste!" Sie tats und ging fast wie gewöhnlich. Er hätte gern, da er schon den lauten und den leisen gang abgeschafft, auch gar den mittlern abgeordnet; aber ein Mann widerspricht sich nicht gern an einem Morgen zweimal, sondern nur einmal. Abends ersuchte er sie bloss, sie möchte, solang' er seine Satiren entwerfe, in Socken gehen, besonders weil der Fussboden kühle: "Überhaupt", setzt' er hinzu, "da ich jetzt vormittags nach Brot arbeite, so wird es gut sein, wenn du unter meinen literarischen Geschäften selber weiter keine tust als gerade die allernötigsten."
Am Morgen sass er innerlich über jede Arbeit hinter ihm zu Gericht und hörte – er schrieb dabei immer fort, aber schlechter eine nach der andern ab, ob sie den Freipass der notwendigkeit bei sich habe. Der schreibende Dulder nahm manches auf die leichte Achsel; aber als Wendeline in der Schlafkammer mit einem langen Besen das Bettstroh unter den grüngefärbten Ehe-Torus trieb: so wurde dieses Kreuz seinen Schultern zu schwer. Dazu kam, dass er vorgestern in den alten Ephemeriden der Naturforscher gelesen, dass der Teolog Joh. Pechmann keinen Besen hören können – dass ihm das Rauschen desselben halb die Luft versetzet und dass er vor einem Gassenkehrer, der ihm bloss aufstiess, davongelaufen; eine solche Lektüre liess ihn wider seinen Willen für einen ähnlichen Fall aufmerksamer und intoleranter zurück. Er rief, ohne aufzustehen, der Haus-Kehrerin in die kammer hinaus: "Lenette, strähle und striegele jetzt nicht mit deinem Besen – er lässt mich nicht denken – Es war einmal ein alter Pfarrer Pechmann, der lieber zum Wiener Gassenkehren sich hätte verdammen lassen, als dass er es angehöret hätte, ja dem der Staupenschlag damit wäre erwünschter gewesen als der verdammte Ton, wie ein Besen wetzt und schleift. Und ich soll noch dazu neben dem Hausbesen einen vernünftigen Gedanken haben, der vor Buchdrucker und Buchsetzer kommen soll: das beherzige nur!"
Lenette tat jetzt, was jede gute Frau und ihr Schosshund getan hätte: sie wurde stufenweise still. Ja sie dankte endlich gar den Besen ab und schob, als der Gatte so laut schrieb, als sie kehrte, bloss mit dem Borstwisch leise drei Strohähren und einige FlaumFederspulen unter die Bettlade. Der Redakteur der Auswahl aus des Teufels Papieren vernahm drinnen zum Glücke wider Verhoffen das Schieben: er stand auf und begab sich unter die Kammerpforte und sprach hinein: "Teuerste, die Höllenpein ist wohl dieselbe, sobald ichs vernehme – Ja wedel das unglückliche Kehricht mit Pfauenschwänzen und Weihwedeln unters Bettbrett, schnaub es mit einem Blasbalg hinter den Topf hinunter: ich und mein Buch drinnen baden es aus und verkrüppeln notwendig." – Sie versetzte: "Ich bin ohnehin fertig."
Er machte sich wieder an die Arbeit und fassete den