– oder für Mordpredigten... Es ist aber nichts als eine gute geschichte, durchwürkt jedoch mit obigen Werken schichtweise. Ich wollte selber, es wäre etwas bessers, Hr. Hauptmann – besonders wünscht' ich es so deutlich abgefasst zu haben, dass man es halb im Schlafe lesen könnte und halb darin machen. Ich kenne hierin, Hr. Hauptmann, Ihre kritischen Grundsätze noch wenig und kann also nicht sagen, ist Ihr Geschmack britisch oder griechisch; aber ich besorge, es tut dem Werke Abbruch, dass darin Stellen – ich hoffe, es sind deren nicht viele – nachzuweisen sind, worin mehr als ein Sinn steckt, oder allerlei Bildliches und Blumiges zugleich, oder ein an- scheinender Ernst, hinter welchem gar keiner ist, sondern lauterer Spass (der Deutsche aber fodert seinen Geschäftstil) – und dass auch, befürcht' ich am gewissesten, in dem sonst weiten Werke die jetzigen Ritterromane, welche so oft von den alten herrlichen kunstlosen, nicht der leichten Feder, sondern des schweren Eisens mächtigen Rittern selber geschrieben zu sein scheinen, kaum mit dem Erfolge von mir nachgeahmt und erreicht worden, nach welchem ich so oft gerungen. – Vielleicht hätt' ich im buch auch die Sittsamkeit und die Ohren der Damen öfter beleidigen mögen, als mancher Weltmann gefunden; da Bücher, sobald sie keine hohen Ohren, sondern nur keusche, und nicht den Staat, sondern nur die Bibel verletzen, am wenigsten anstössig sind, ja vielmehr, wenn es recht zugeht, zum Nachttischgeräte und zur literarischen Gerade aus demselben grund geschlagen werden, warum der L. 25. §. 10. de aur. arg. die Gefässe der Unehren zum mundo muliebri und mitin der sel. Hommel sie zur weiblichen Gerade rechnet"
Ich ersah hier zu spät, dass ich ihn dadurch auf einen munter machenden Gedanken geführt. Ich tat zwar einen Sprung in eine andere Materie und merkte an: verbotne Bücher stelle man überhaupt am sichersten in öffentlichen Biblioteken auf, die man mit den gewöhnlichen Bibliotekaren versehen, weil ihre verdrüssliche Miene besser als ein Zensuredikt das Lesen abwendet; aber Jakobus sagte doch seinen Gedanken heraus: "Pauline, erinnere mich morgen daran, die Stenzin ist die Huren-Gebühren noch schuldig." Es war mir ungemein verdrüsslich dass, wenn ich den Schlaf bis auf wenige Schritte herangekörnet hatte, der Hauptmann wieder mit etwas abdrückte und losplatzte, was das beste Schlafpulver sogleich in alle Lüfte blies. Keinem Menschen ist überhaupt schwerer Langeweile zu geben als einem, der sie selber immer austeilt; leichter getrau' ich mir in fünf Minuten einer vornehmen geschäftfreien Frau Langeweile zu machen als in ebenso vielen Stunden einem Geschäftmanne.
Die gute Pauline, die heute so gern die Historie hören wollte, die ich in Handschrift nach Berlin begleitet hatte, legte mir langsam folgende Buchstaben aus dem Hemde-Schriftkasten einzeln in der Hand herum: erzahlen, d.h. ich sollte dieser guten HemdSetzerin die Hundposttage heute erzählen.
Ich griffs von neuem an und begann seufzend dergestalt: "Hr. Gerichtprinzipal, berlinische Lettern dieser Art wird meine Wenigkeit nun auch durch ihr neuestes Werk in Bewegung setzen, und auf solche feine Hemden, wenn sie der Holländer als Postadern unter sich gehabt, werden meine Posttage gesetzt wie jetzt die Namen von Ihren drei Hrn. Söhnen. In der Tat, muss ich bekennen, hatte' ich nichts, um mich zu trösten, als ich auf der Post hineinwärts sass und den rechten Fuss unter meine Handschrift und den linken unter einen Bittschriften-Ballen steckte, der dem Scheerauer Fürsten zur Armee nachreisete, ich hatte, sag' ich, weiter nichts, um mich zu trösten, als den natürlichen Gedanken: der Teufel mach' es anders. Nur tut dies niemand weniger als der. Denn, beim Himmel! in einem Zeitalter wie unserem, in einem, wo das Orchester die Instrumente der Weltgeschichte erst zu einem künftigen Konzerte stimmt, wo mitin noch alles unerhört ineinanderschnarrt und -pfeift (daher einmal das Stimmen einem marokkanischen Gesandten am Wiener hof noch besser als die Oper gefiel) – in einem solchen Zeitalter, wo es so schwer ist, den feigen Menschen vom mutigen, den lässigen vom tatendurstigen, den verdorrten vom grünenden zu unterscheiden, wie jetzt im Winter die fruchttragenden Bäume aussehen wie die verreckten – in einem solchen Zeitalter gibts für einen Autor keinen Trost als einen, dessen ich heute noch nicht gedacht habe, den nämlich: dass er doch ein Zeitalter, worin höhere Tugend, höhere Liebe und höhere Freiheit seltene Phönixe oder Sonnenvögel sind, recht gut mitnehmen und die sämtlichen Vögel so lange recht lebhaft malen kann, bis sie selber geflogen kommen; alsdann freilich, wenn sie in ihren Urbildern auf der Erde ansässig sind, ist wohl uns allen das Schildern und Preisen derselben grösstenteils versalzen und zuwider gemacht und ein blosses Dreschen leeren Strohs. – – Nur wer nicht handeln kann, arbeitet für Pressen."
"– Die Arbeit ist nur darnach", fiel der wache Handelmann ein, "der Handel ernährt seinen Mann; aber Bücherschreiben ist nicht viel besser als Baumwolle spinnen, und Spinnen ist das nächste am Betteln... Ihnen nicht zu nahe geredet; aber alle verdorbene Buchhalter und fallite Kaufleute fallen zuletzt aufs Fabrizieren der Rechen- und andrer Bücher."
Das Publikum sieht, wie wenig der Kauf- und Hauptmann auf mich hielt, weil ich statt der Geschäfte nur Werke machte, ob ich ihm gleich sonst als sächsischer Vikariat-Notarius