, bisher gebrannt, zu einer Brautfackel verbrauchen und sie damit nach seinem haus leuchten will.
Da im Briefe drei Himmel inliegend waren, für jeden Seligen einer – für die Frau das Kompliment – für den Pelzstiefel die Programmen – für den Advokaten der Brief selber: so würde' es mich nicht gewundert haben, wenn das beschenkte Kleeblatt und Terzett vor Freuden getanzt hätte. Der berauschte Rat denn das fröhliche Blut stieg in seinen mässigen Kopf- schlug die Werke, obgleich das gewürfelte Tischtuch schon aufgebreitet war, auf diesem auf und schnitt und griff hungrig die drei gedruckten Voressen und literarischen petits soupers auf dem zinnenen Teller schon vor dem Beten an, bis ihn die Bitte, zu bleiben, erinnerte, zu weichen. Aber unter dem Scheiden bat er sich als Sporteln für die Mühe, das Austrägalgericht und der Mittlermann zwischen beiden oder das bindende Laugensalz zwischen seinem Öl und ihrem wasser gewesen zu sein, einen neuen Schattenriss Lenettens aus; denn den alten, von Leibgeber ausgeschnittenen, worauf ihn dessen Brief gebracht, und den er bekanntlich zum Geschenk bekommen, hatte er zufällig in sein Nachtkamisol gesteckt und mit diesem und dessen ähnlicher Farbengebung in die Waschwanne geschickt. "Der Riss soll noch heute vom Stapel laufen", sagte Siebenkäs. Als der Schulrat die Eheleute verliess und er es Lenetten ansah, dass ihr Ringfinger jetzt einen weichern Ehering anhatte, welchen nur er weiter gefeilet und mit Seide ausgefüttert zu haben glaubte: so schüttelte er freudig ihre Hand und sagte: "Ich will ja willig so oft kommen, als nur das Kleinste vorfällt, ihr scharmanten Leute." Lenette antwortete: "Ja, recht oft." Aber Siebenkäs setzte hinzu: "Noch öfter!"
Indes schien hinterher der Ring fast wieder zu drükken, und Adjunkten der philosophischen Fakultät müssen, da sie Seelenlehre lesen, sich wundern, dass der Advokat unter dem Essen wenig mit der Frau, und sie mit jenem sprach; aber der Grund war: der Leibgeberische Brief lag statt des weissen Brotes neben dem Teller und Brote, und sein feuriger Liebling glänzte aus: Baireut über das weite dunstige Dunkel herüber an seine Seele – ihr erstes künftiges Aneinanderfallen schwebte zauberisch seinen Seufzern vor – die Hoffnung senkte ihr reinigendes Licht in den dumpfen mephitischen Schacht, worin er jetzt keuchte und grub – und der künftige Frühling stand wie ein mit Lichtern umhangner Münsterturm hell und hoch in der Ferne und trieb seine Strahlen durch die dicke Nacht herüber.....
Endlich kam er wieder zu sich, nämlich zur Frau – Leibgebers Kraftbild hatte' ihn ohnehin über die steinige spitzige Gegenwart der Zufälligkeiten weggehoben – der alte Freund, der oben im Chor das Gesicht der Braut ausgeschnitten und der nachher bei der ersten Flitterwoche mitgewesen, warf ihm die Blumenkettenschlinge über und zog ihn damit an die stille Gestalt neben sich heran: "Nu, liebste Lenette, wie ist denn dir." sagt' er erwachend und nahm die Hand der Ausgesöhnten; aber sie hatte die weibliche Unart, nämlich Art, dass sie ihre Versöhnung noch länger verdeckte als ihre Entrüstung, wenigstens verschob, und dass sie gerade dann, wann die Ehrenerklärung und die Abbitte eines Fehlers schon vorüber war, auf eine neue Einsicht der Akten antrug. Die wenigsten Eheweiber – leichter die Mädchen – reichen einem mann eilig die Hand und sagen: ich bin wieder gut. Wendeline hielt zwar ihre hin, aber zu kalt; und zog sie hurtig zurück, um das Tischtuch zu nehmen, das er mit spannen und brechen zu helfen gebeten wurde zum Tuch-Würfel. Er tats und lächelte – sie sah genau auf die rechte Geviertung des weissen Langvierecks – endlich bei dem letzten und dicksten Viereck hielt es der Mann fest – sie zerrte und wollte ernstaft aussehen – er schaute sie liebreich an – sie musste doch lächeln – da entriss er ihr das Tuch und drückt' es schnell auf ihre Brust und sich dazu und sagte in ihren Armen: "Diebin, wie kannst du so sein gegen den alten Kauz Siebenkäs, oder wie er sonst noch heisst?" – Nun bog sich der Regenbogen eines hellern Lebens über die einsickernde Sündflut herüber, welche bisher dem Ehepaare schon bis an die Herzgrube gestiegen war.... Aber freilich, ihr Lieben, bedeuten jetzige Regenbogen oft das Gegenteil dessen, was der erste verstiess.
Der Preis, den er seiner Königin bei diesem Rosenfeste des Herzens zuerkannte, war eine verbindliche Bitte um den Schatten ihres holden Gesichts, um morgen damit dem Pelzstiefel ein Geschenk und eine Freude zu machen. Ich bin zwar jetzt gesonnen, für gebildete Menschen sein Abschatten hier abzuschatten; aber dies beding' ich mir, dass man nicht aufsehe, dass eine Feder ein Pinsel sei – oder ein Pinsel ein Poussiergriffel – oder ein Griffel ein Blumenstaubfaden, der eine Lilien- und Rosen-Generation nach der andern erschafft.
Der Advokat liess sich vom Schuster Fecht ein Silhouetten-Brett vorstrecken; nämlich die Fassade einer neuen Taubenhöhle. In das eirunde Portal des Brettes griff die Schulter Lenettens wie ein Einlegemesser ein – ein weisser Bogen Papier war als Grundierung von de Piles darübergenagelt – der schöne warme Kopf wurde ans steife Papier angedrückt – er setzte den Bleistift oben an der Schattenstirn entaltsam an, so schwer es auch war, in einer solchen Nachbarschaft der Wirklichkeit nach dem blossen Schatten zu greifen – und fuhr die blumige schöne steile Anhöhe voll Rosen und Lilien herunter... Aber es kam nicht viel Sonderliches heraus: man dachte, er habe das